Wie eine junge Afghanin in Südtirol alles daran setzt, um das Leben ihres von den Taliban verfolgten Mannes zu retten. <BR /><BR /><BR /><BR />Minah* (Name geändert) sitzt an diesem trüben Herbsttag auf einer Parkbank irgendwo im Eisacktal, eine junge Frau, deren Erscheinungsbild nicht weiter auffällt. Ihre Geschichte ist jedoch alles andere, als alltäglich. <BR /><BR />Als Teenager floh Minah vor rund 10 Jahren mit ihrem Bruder und ihren Eltern aus Afghanistan, wo sie bis dahin mit ihrer Großfamilie in der nördlichen Provinz Samangan gelebt hatte. <BR /><BR /><Fett>Auf der Flucht vor den Taliban</Fett><BR /><BR />„Der Name meines Vaters stand auf der schwarzen Liste der Taliban“, erzählt Minah. Vor allem auf dem Land waren die islamistischen Kämpfer trotz der Präsenz ausländischen Truppen stets Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit und verfolgten Andersdenkende. „Die Taliban waren nie weg“, sagt auch Minah.<BR /><BR />In Italien wurde ihrer Familie politisches Asyl gewährt, sie ist gut in Südtirol integriert. Die junge Frau hat eine Ausbildung absolviert, hat eine feste Anstellung und spricht gutes Deutsch: „Ich fühle mich wohl hier in Südtirol, auch wenn ich meine Familie – meine Großmutter, Tanten, Onkel, Cousinen – sehr vermisse.“ <BR /><BR />Mit dem Abzug der Nato aus Afghanistan Ende August und der Rückeroberung der Taliban stürzte das Land am Hindukusch ins bodenlose Chaos. Unter enormen Zeitdruck versuchten die USA, aber auch Deutschland und Italien möglichst viele bedrohte Afghanen außer Landes zu bringen. Die Welt blickte entsetzt auf die dramatischen Bilder, die aus Kabul rund um den Globus gingen. <BR /><BR />Minah trägt einen Ehering an ihrem Finger, die junge Frau ist seit 2 Jahren mit einem Landsmann verheiratet. Auch er stand als Mitarbeiter einer Hochschule im Land auf einer der begehrten Ausreiseliste des italienischen Außenministeriums. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse, am 26. August, dem Tag, an dem Minahs Mann vor dem Toren des Flughafens wartete, erschütterte ein Anschlag den Ort. „Mein Mann kam nicht mehr weg, wurde beim Anschlag am Arm verletzt“, sagt Minah.<BR /><BR /> Die beiden kennen sich seit Kindesbeinen an, kamen sich dann wieder über die sozialen Medien im Internet näher. 2018 wurde im Iran Hochzeit gefeiert. 2 Jahre später, Ende 2020, sahen sich die beiden ein weiteres Mal, ebenfalls im Iran. Für das junge Paar begann dann der bürokratische Hürdenlauf: Es geht dabei unter anderem um die Anerkennung der geschlossenen Ehe durch den italienischen Staat. <BR /><BR /><Fett>Die dramatische Lage vor Ort</Fett><BR /><BR />Nach dem Anschlag am Flughafen Kabul gelingt es Minahs Mann in Kabul gemeinsam mit seinem Bruder für einige Zeit unterzutauchen. Minah unterstützt ihren Mann von Südtirol aus finanziell.<BR /><BR />Indes verschlechtert sich die Situation der Menschen in Afghanistan weiter: Minahs Schwiegervater wurde Mitte August von den Taliban ermordet, der Rest der Familie ist verschwunden. Wenn Minah von ihrer Großmutter spricht, schießen der jungen Frau Tränen in die Augen: „Seit 2 Wochen wissen wir nicht, wo sie ist.“ <BR /><BR />Minahs Schilderungen geben Einblick in eine unfassbare Wirklichkeit, sie erzählt von vergewaltigten und ermordeten Kindern durch die Taliban. Das Land steht vor einer humanitären Katastrophe: „Die Menschen können sich das Essen nicht mehr leisten.“ <BR /><BR />Minah kämpft nun darum, ein Visum für ihren in Pakistan gestrandeten Ehemann zu bekommen. Bislang vergebens. Sie fürchtet weiter um das Leben ihres jungen Mannes, schließlich sind die Taliban auch in Pakistan eine fixe Größe. Minah steht zwar in Kontakt mit der italienischen Botschaft, aber auch deren Mitarbeiter mussten Kabul verlassen und arbeiten aktuell von Doha aus. Ein Durchkommen bei den Behörden ist schwierig. <BR /><BR /><Fett>Der Einsatz und die Hoffnung gehen weiter</Fett><BR /><BR /> „Es ist ein kompliziertes Leben“, lächtelt Minah müde. „Aber, ich gebe nicht auf“, sagt sie fest entschlossen. Die junge Frau will alle Hebel in Bewegung setzen, um ihren Mann nach Italien zu holen und ihren Landsleuten in Afghanistan von hier aus so gut es geht zu helfen. <BR /><BR />Einen großen Wunsch hätte sie: „Ich möchte gerne Papst Franziskus treffen, mit ihm reden und ihm meinen Geschichte und die meiner Familie erzählen. Ich weiß, das klingt verrückt, aber die Hoffnung gebe ich nicht auf.“ <BR />