„Ich habe meinen ersten Arbeitsplatz in einer Eisdiele in Bozen bekommen. Und dort bin geblieben. Der Kontakt zu den Kunden macht mir Freude, aber auch das Eismachen an sich gefällt mir einfach“, sagt sie mit Überzeugung. Denn an ihrem Arbeitsplatz durfte sie neben dem Bedienen der kleinen und großen Schleckermäuler auch bei der Eisherstellung helfen. <BR /><BR />„Mein Leben findet einfach inmitten von Eis statt“, lacht sie. Dabei kamen der 4-fachen Mutter auch die Arbeitszeiten entgegen. <BR />Denn gearbeitet hat sie natürlich nur, wenn die Eisdiele in den warmen Monaten geöffnet hatte. Der kalte Winter gehört(e) ihren Kindern. Und Glück, sagt sie dankbar, habe sie auch mit ihrer ,Mentorin„ Anna Zöschg gehabt: „Sie hat mich vom ersten Tag an unterstützt.“<BR />Und dann ergab sich 2019 die Möglichkeit, eine eigene Eisdiele zu erwerben. Zwar ist es nur eine kleine Eisdiele, ohne Tische und Eis nur zum Mitnehmen, für Chorouk El Hilaa ging damit dennoch ein Traum in Erfüllung. <BR /><BR />Auch wenn es nicht immer leicht war: Kaum geöffnet, kam schließlich die Corona-Pandemie dazwischen und zuletzt die Teuerungen nach dem Beginn des Ukraine-Krieges mit Energiekosten, die durch die Decke gingen und Lebensmitteln, die auf einmal doppelt so teuer waren wie davor: Sahne etwa, aber auch Milch und Zucker. Überall zogen die Preise an. <BR /><BR />Chorouk hat es dennoch geschafft, ihren kleinen Laden über Wasser zu halten, auch weil sie alles alleine macht und keine weiteren Angestellten hat. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie jedenfalls nie bereut, sagt sie. Schließlich ist sie jetzt ihre eigene Chefin und kann ihre eigenen Ideen umsetzen. Und von denen hat sie jede Menge. <BR /><BR />Einen Wermutstropfen gibt es aber dennoch: „Ich darf das Eis nicht selber herstellen“, sagt sie traurig. Denn: „Dazu muss man eine ununterbrochene Arbeit in einem Eis produzierenden Betrieb über 12 Monate nachweisen. Aber ich habe ja immer nur in den warmen Monaten gearbeitet, da ist in 20 Jahren nie ein ganzes Jahr am Stück zusammengekommen.“ <BR />Noch hat sie keine Lösung für dieses Problem. Aber aufgeben, das kommt für die zielstrebige Unternehmerin nicht in Frage. Noch muss sie jedoch mit eingekauftem Basiseis arbeiten, das sie zum einen fantasievoll und „mit Herz und Leidenschaft“, wie sie verrät, selbst verfeinert. <BR /><BR />„Der Hersteller im Trentino macht aber auch Sonderanfertigungen nach meinen individuellen Wünschen“, erzählt sie. Und so gibt es in ihrer Eisdiele Sorten, die es wohl wirklich nur bei ihr gibt. <BR />Besonders stolz ist sie auf eine Kreation mit Mascarpone, Himbeeren und Pistazien. Doch mit Eis alleine gibt sie sich nicht zufrieden. Eine ihrer Spezialitäten sind wunderschön dekorierte Eistorten, die man bei ihr vorbestellen kann. Eine Torte schöner als die andere, läuft einem schon beim Anschauen das Wasser im Mund zusammen. <BR />Das Angebot komplettieren Frappés, Crepes, Semifreddi und Milchshakes. Ihre Kunden danken es ihr. <BR />Als Muslima verbirgt Chorouk El Hilaa ihre Haare. Früher unter einem klassischen Käppi, seit einigen Jahren mit einem Kopftuch. „Mich hat deswegen noch nie jemand dumm angeredet“, erzählt sie. <BR />„Vielleicht auch, weil es bei der Arbeit in der Eisdiele ja eh einen Haarschutz braucht“, fügt sie hinzu. Überhaupt fühlt sie sich in Südtirol gut integriert, ihre Herkunft hat sie nie als Hindernis empfunden. <BR />Auch wenn sie sich noch gut erinnern kann, dass es am Anfang in der Schule nicht leicht war. Denn Chorouk El Hilaa und ihre 3 Geschwister konnten weder deutsch noch italienisch, als sie damals nach Südtirol gekommen sind. <BR />„Mit meinen Mitschülern konnte ich mich am Anfang natürlich gar nicht unterhalten. Sie waren nett zu mir, aber Freundschaften haben sich da erst einmal nicht gebildet“, erinnert sie sich – mit viel Verständnis. <BR />Besonders dankbar ist sie ihren Lehrern, die sich sehr um sie bemüht hätten. Und so hat sie es schon im ersten Schuljahr in Südtirol geschafft, in die nächste Klasse versetzt zu werden. <BR />Heute spricht sie einwandfreies Italienisch und gut deutsch. Und dazu natürlich Hocharabisch, Marokkanisch und Französisch. <BR /><BR />Zuhause fühlt sie sich in Südtirol: „Meine Familie ist hier, Mutter, Vater, Geschwister, mein Mann und meine Kinder. Wenn ich in Marokko bin, dann vermisse ich spätestens nach einem Monat Südtirol.“