<h3> Udo Lindenbergs Song: Wörtliche Zensur an historischem Ort</h3>Der legendäre Song „Sonderzug nach Pankow“ darf bei einem Konzert im Humboldt Forum nicht in seiner Originalversion gesungen werden. Das Wort „Oberindianer“ wird gestrichen – nicht wegen des Witzes über Honecker, sondern weil der Begriff als rassistisch empfunden wird. <BR /><BR />Das Humboldt Forum, das sich im rekonstruierten Berliner Stadtschloss befindet und großzügig vom Bund gefördert wird, entschied dies nach einer intensiven Diskussion mit den Berliner Chören und der künstlerischen Leitung. <BR /><BR />Ihre offizielle Begründung, haben sie gegenüber der BILD-Zeitung geäußert: Der Ausdruck verweise auf eine koloniale Gewaltgeschichte, die indigenen Bevölkerungsgruppen Unrecht angetan hat. Besonders indigene Menschen sowie nationale und internationale Gäste könnten den Begriff als verletzend empfinden – eine Sichtweise, die das Humboldt Forum respektiert.<h3> „Rassistisch wahrgenommen“: Ein Stück Satire wird gestrichen</h3>Obwohl „Oberindianer“ damals als harmlose Metapher für die diktatorische Haltung Honeckers gedacht war, wird der Ausdruck heute als problematisch und rassistisch bewertet. Das Humboldt Forum erklärt gegenüber der Presse, dass die Entscheidung aufgrund des historischen Kontextes des Ortes getroffen wurde. Das Forum wolle mit Sprache und Bildern besonders respektvoll umgehen und sensibilisieren – schließlich trage man Verantwortung für die Inhalte der Ausstellung und die Erinnerung an die Geschichte.<h3> Ein Stück Zeitgeist oder Zensur?</h3>Der Vorwurf der mangelnden Sprachsensibilität trifft ausgerechnet einen Künstler, der stets als Kämpfer für Frieden und Freiheit aufgetreten ist. So erlebt das Lied, das bereits 1983 in der DDR zensiert wurde, erneut eine Form der Unterdrückung – doch diesmal nicht wegen politischer Brisanz, sondern wegen des historisch belasteten Begriffs.<h3> Hintergrund: Das Konzert „Vielstimmig 2024“</h3>Im Rahmen des Konzerts „Vielstimmig 2024“, das am 16. und 17. November stattfinden soll, wollen acht Berliner Chöre Lieder von „Hanns Eisler bis Udo Lindenberg“ Lieder präsentieren. Doch noch bevor das erste Lied angestimmt wird, sorgt die Entscheidung, „Sonderzug nach Pankow“ nur in zensierter Form zu erlauben, für Diskussionen.