Vorerst für drei Jahre hat sich der gebürtige Bozner verpflichtet, als Einsiedler in Stille, Einsamkeit und stetigem Gebet zu leben. Mit romantischen Vorstellungen hat das nichts zu tun, aber der Grundgedanke dieser Lebensentscheidung knüpft an die große Tradition der Eremiten an. So schildert der Priester seinen Alltag:<BR /><BR />Auch das Leben des „Einsamen Gottes“ muss den tatsächlichen geografischen, historischen und kulturellen Kontext berücksichtigen, in dem es sich abspielt. Das bedeutet beispielsweise, die etwas romantischen Vorstellungen von Einsiedlern, die sich in Waldhöhlen zurückziehen, hinter sich zu lassen und stattdessen an Unterkünfte zu denken, die etwas abseits liegen (für manche sogar innerhalb der Städte), vielleicht in kleinen Weilern oder in weniger besiedelten Gebieten.<BR /><BR /> Man kann nicht leugnen, dass auch der Einsiedler – wie jeder Mensch – Grundbedürfnisse wie Unterkunft, Verpflegung und Mobilität hat, die er zu erfüllen sucht, wenn auch so bescheiden wie möglich.<BR />Die konkrete Gestaltung des Tagesablaufs ergibt sich daraus, dass der Einsiedler versucht, im Zentrum seines Lebens nicht nur eine persönliche Berufung zum einsamen Leben zu bewahren, sondern vor allem die Liebe zu Christus, der ihn zu diesem Leben berufen hat. <h3> Ausgedehntes Gebet mitten in der Nacht</h3>Gerade weil der Einsiedler in der Nachfolge Christi erkennt, dass er Gott als lebenswichtigen Mittelpunkt seiner Existenz braucht und bewahren muss, bemüht er sich, seine Tage ausgewogen und genügsam zu gestalten. Gebet und Arbeit, Mahlzeiten und Ruhe, Studium und Dienst sind Elemente, die in Einklang gebracht werden müssen, damit sie zu einer Melodie werden, durch die stets und überall die zentrale Stellung Christi und die besondere Beziehung zu Gott zum Ausdruck kommen.<BR /><BR />Ich beginne den Tag beispielsweise mitten in der Nacht mit einer ausgedehnten und ununterbrochenen Gebetszeit, auf die der Arbeitsvormittag folgt, während der Nachmittag in der Regel der spirituellen Lektüre gewidmet ist. Der gesamte Tagesablauf wird vom Gebet geprägt, sodass es immer mehr zum schlagenden Herzen jedes anderen Augenblicks wird.<BR /><BR />Auf diese Weise ist das Leben des Eremiten sicherlich kein langweiliges Leben; es besteht auch nicht darin, die Tage damit zu verbringen, auf den Horizont zu blicken und darauf zu warten, dass „etwas geschieht“, das die Gegenwart Gottes offenbart oder eine konkrete Antwort auf eine bestimmte Frage gibt. <h3> Zeichen der Gegenwart Gottes</h3>Jeder Gedanke, jede Geste und jede Handlung werden zum Spiegel einer Suche nach den Zeichen der Gegenwart Gottes – einer Gegenwart, von der der Einsiedler weiß, dass sie real ist, die aber oft vom Lärm der Welt, von Sorgen und Ängsten sowie von der Sünde erstickt und übertönt wird.<BR /><BR />Wie im Leben jedes Einzelnen, jeder Familie und jeder Pfarrgemeinde gelingt dies manchmal besser und manchmal weniger gut, weil kleine oder große persönliche Grenzen zutage treten können oder auch, weil unvorhergesehene Ereignisse eine Planänderung erfordern.<BR /><BR />Ein wesentlicher Aspekt ist, dass dieser Weg nicht oberflächlich und willkürlich beschritten wird und nicht von der falschen Freiheit geprägt ist, „das zu tun, was ich empfinde/was mir gefällt“ – eine Haltung, die leider in vielen Bereichen des heutigen Lebens weit verbreitet ist und für einen Großteil der Gesellschaft fast schon zu einem Idealbild geworden ist. <h3> Wächter in der Nacht unserer Zeit</h3>In gewisser Weise ist die Art und Weise, den eigenen Alltag aus der reichen und langen christlichen Tradition des Mönchtums und des Eremitentums zu gestalten, auch ein Zeichen, das uns daran erinnert, dass es nicht nötig ist, wer weiß wo in fernen Ländern und Kulturen nach irgendwelchen spirituellen Wegen und „Techniken“ zu suchen; vielmehr verfügen wir bereits über eine vielfältige und facettenreiche Erfahrung der Generationen, die uns vorausgegangen sind, an die wir jedoch oft nicht mehr denken.<BR /><BR />Das Leben des Einsiedlers soll einfach und radikal das eines Wächters sein, der in der Nacht aller Zeiten mit Bescheidenheit und Hingabe wacht, um in der Hoffnung die Morgendämmerung eines neuen Tages zu begrüßen.