„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, schloss Johannes Ortner, Vorstandsmitglied vom Heimatpflegeverband mit einem vortrefflichen Zitat, das Martin Luther zugeschrieben wird, seine kurze Ansprache bei der Prämierung des Telfnerhofs für die schönste Streuobstwiese Südtirols. <BR /><BR />Nun lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren, was die Vorfahren von Josef Oberrauch gedacht haben, als sie vor mehr als 100 Jahren all die verschiedenen Apfel- und Birnbäume rund um den Telfnerhof gepflanzt haben, aber sie legten damit die Grundlage für eine außergewöhnliche Kulturlandschaft. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="956842_image" /></div> <BR /><BR />Auf der Höhenlage von knapp 1000 Meter umfasst die Streuobstwiese mehr als 50 Obstbäume, darunter viele mit knorrigem Erscheinungsbild und mächtigen Kronen, wobei der eigentliche Wert im Sortenspektrum besteht. So finden sich hier reihenweise alte Apfelsorten wie der Brixner Plattling, der säuerliche Küchenapfel Boskoop oder der besonders aromatische Gravensteiner, unter den diversen Birnbäumen stechen beispielsweise die Pastorenbirne, die Butterbirne oder die kaum noch verbreitete Honigbirne hervor. <BR /><BR />Kein Wunder, dass bei all den Birnen das Birmehl, einst Süßstoff der armen Leute, eine echte Renaissance erlebt hat und Verdings neuerdings als Birmehldorf bezeichnet wird. Sogar ein Birmehl-Wanderweg und Birmehl-Lehrpfad wurde im Dorf angelegt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="956845_image" /></div> <BR /><BR />Für die 2. Ausgabe der Südtiroler Streuobstwiesenmeisterschaft hatte die Jury der Initiative Baumgart 26 Wiesen zu bewerten, federführend war hierbei der Forscher Philipp Bodner vom Eurac-Institut für Alpine Umwelt. „Josef und Martha Oberrauch pflegen dieses großartige Kulturgut vorbildlich, darüber hinaus wird das Obst zu verschiedenartigsten, hochqualitativen Produkten verarbeitet“, begründete Bodner bei der gestrigen Prämierung die Wahl. <h3> Nur mehr Randerscheinung</h3>Wie wichtig der Schutz von Streuobstwiesen ist, zeigt die Tatsache, dass in Südtirol diese Art der Kulturlandschaft radikal geschrumpft ist. „Zwischen den 1950er-Jahren bis heute gingen rund 95 Prozent der Streuobstwiesen verloren, von den ursprünglich 6400 Hektar sind nur mehr 300 Hektar übrig geblieben“, wusste Alexander Schönafinger, der sich in seiner Diplomarbeit mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, zu berichten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="956848_image" /></div> <BR /><BR />„Tatsächlich liegt uns unser Pangert sehr am Herzen, auch unsere Gäste wissen diese Besonderheit sehr zu schätzen“, meinten Josef und Martha mit den Kindern Anna und Simon sowie Josefs Schwester Barbara. Neben Hans Josef Kienzl vom Qualitätssiegel Roter Hahn im SBB gratulierten auch Klausens Bürgermeister Peter Gasser und Gemeinderätin Nadia Unterfrauner von Verdings den Preisträgern. <BR /><BR />Gasser selbst bekam den Sonderpreis für die schönste Streuobstwiese auf öffentlichen Flächen überreicht. „Dazu hat letztlich wiederum der Sepp maßgeblich beigetragen, denn er hat sich dafür eingesetzt, dass der Gemeindepangert vor dem Verkauf gerettet wird“, meinte Gasser. Ein guter Grund mehr, den Preis an Josef und Martha Oberrauch zu verleihen, sie haben ihn sich redlich verdient.<BR /><BR />