<b>von Maria Cristina De Paoli</b><BR /><BR /><BR />Trotz strömendem Regen und Temperaturen im Sturzflug lächelt Mara Gatscher geduldig in die Kamera: mit Mantel, ohne Mantel, mit Medaillen, ohne Medaillen. Die Feuchtigkeit zeichnet unregelmäßige Flecken auf die Betonfassade der Landesberufsschule für Handel und Industrie in der Bozner Romstraße. <BR /><BR />„Am Donnerstag habe ich bis 16.30 Uhr Schule, dann können wir uns treffen“, hatte Mara am Telefon gesagt. An allen anderen Tagen sei ihr Terminkalender ziemlich voll. Denn wenn sie nicht in der Schule sitzt, arbeitet die angehende Friseurin ganztags in ihrem Lehrbetrieb in Siebeneich, und am Abend besucht sie eine private Hair Academy – um noch besser und noch schneller zu lernen. <h3> Die Beste der Besten</h3>Dass neben Schule, Arbeit und Maras Fähigkeiten auch die Zusatzausbildung einiges bringt, hat die brillante Teilnahme der 17-Jährigen an der Landesmeisterschaft der Berufe gezeigt. Bei den WorldSkills Italy siegte Mara Gatscher in ihrer Berufskategorie. Aber nicht nur. Nach 3 Wettkampftagen war sie „die Beste der Besten“, wie auf der Leinwand in der großen Halle der Messe Bozen zu lesen war.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004384_image" /></div> <BR /><BR />Hut ab also für diese zarte junge Frau, die bei ihrer ersten Teilnahme gleich auf das allerhöchste Stockerl steigen durfte. Ob sie denn kein Lampenfieber hatte? „Bestimmt“, sagt Mara. Aber als es darauf ankam, ist es ihr gelungen, alles und alle auszublenden und sich nur auf ihre Arbeit zu konzentrieren. „Hinterher haben mir Freunde erzählt, dass sie im Publikum standen. Ich habe sie gar nicht wahrgenommen.“ <BR /><BR />Zur Teilnahme am Wettbewerb wurde Mara Gatscher vor allem von ihrer Chefin Verena Mahlknecht animiert. „Sie hat früher selbst bei solchen Wettkämpfen mitgemacht und auch ihre Lehrmädchen immer dazu angeregt.“ Maras größter Fan war hingegen Mutter Petra. „Eigentlich war sie so aufgeregt, dass sie am ersten Tag nur kurz vorbeischauen wollte. Doch dann ist sie bis zum Schluss geblieben – alle drei Tage lang.“ Mit ihrer Leistung bei der Meisterschaft ist Mara zufrieden. „Auch wenn es mir extrem schwierig erscheint, die einzelnen Teilnehmerinnen zu bewerten.“ <h3> Ein Kindheitstraum</h3>Mit der Ausbildung zur Friseurin erfüllt sich Mara Gatscher einen Kindheitswunsch. „Ich habe es immer gewusst, dass das mein Weg sein würde.“ Nach der Mittelschule in Terlan absolvierte sie zunächst die Grundstufe an der Berufsschule und anschließend eine einjährige Fachschulklasse für Kosmetik – bis sie, die im Dezember geboren wurde, alt genug für eine Lehrstelle war. <BR /><BR />Europaweit ringt die Friseurbranche um Fach- und Nachwuchskräfte, und auch hierzulande tun sich Betriebe schwer, Lehrlinge zu finden. Doch was macht den Beruf so unattraktiv? „Viele haben falsche Vorstellungen und brechen die Lehre vorzeitig ab“, sagt Mara. „Das Stehen ist vor allem am Anfang sehr mühsam. Die Kundschaft ist nicht immer einfach. Immer mehr Menschen leiden an Allergien.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004387_image" /></div> <BR /><BR />Ob sie von einem eigenen Salon träumt? „Irgendwann schon.“ Und von einer Berufserfahrung im Ausland? „London wäre bestimmt cool, doch ich kann mir meine Zukunft – beruflich ebenso wie privat – nur in Südtirol vorstellen.“ <BR /><BR />Freunde und Familie, ihre Eltern, ihr jüngerer Bruder Aron, die beiden Omas, ihre vielen Cousinen und Cousins sind Mara Gatscher wichtig – ebenso wie ihr Heimatdorf Andrian. Dort sitzt sie als Vertreterin der Jugendlichen im Jugendbeirat der Gemeinde. Sie sei noch nicht so lange dabei, aber überzeugt davon, dass die jungen Leute im Dorf ihre Stimme erheben sollten. <BR /><BR />Es geht darum, den Ort attraktiver zu gestalten. Sprich: einen Treffpunkt zu schaffen. Der bestehende Jugendraum öffne nur einmal pro Woche. „Das Problem ist, dass immer ein Verantwortlicher vom Jugenddienst vor Ort sein muss, was die Organisation erschwert.“ Früher sei alles einfacher gewesen, weiß Mara von den Erzählungen ihrer Mutter. „Zu ihrer Zeit war der Treff immer zugänglich. Irgendwie haben wir heute weniger Möglichkeiten als noch vor 30 Jahren.“<BR /><h3> Das Burgfräulein</h3>Ihre Verbundenheit zu Land und Traditionen lebt Mara Gatscher auch und vor allem in ihrer Freizeit aus. Seit Jahren ist sie Mitglied im Verein der „Ritter von Andrian“. Die Gruppe, die sich der Darstellung des Spätmittelalters widmet, richtet Turniere aus, belebt Burgen, nimmt an historischen Umzügen teil, veranstaltet Märkte und Feste und ist jedes Jahr zu Gast bei den Schludernser Ritterspielen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004390_image" /></div> <BR /><BR />Wer im Netz nach den „Rittern“ sucht, stößt immer wieder auf Fotos von Mara. Hier trägt sie eine wollene Tunika in strahlendem Königsblau, dort ein ockergelbes Gewand mit Pelzkragen und Ledergürtel, hier ist ihr langes, dunkles Haar zu Zöpfen geflochten, dort hat sie einen schützenden Strohhut aus Rohrkolben auf. „Es macht einfach Spaß“, begründet Mara ihr Interesse für den Verein und seine Tätigkeiten.<BR />Ziellos, unkonzentriert, desinteressiert? <BR /><BR />Von wegen! Die Gesellschaft kann sich auf die junge Generation freuen – zumindest dann, wenn sie so „tickt“ wie Mara Gatscher.<BR /><BR /><BR /><BR />