Veronika Weitlaner will die Herzensprojekte ihres Sohnes so gut wie möglich weiterführen. <BR /><BR /><BR />Max Weitlaner aus Innichen war weit über die Grenzen seines Heimatortes und des Pustertals hinaus bekannt. Aber nicht nur für seine Gipsfiguren, sondern vor allem auch für seinen unglaublichen Lebensmut und Frohsinn. „Wir haben mit Max einfach sehr viel erleben dürfen“, erzählt seine Mutter Veronika Weitlaner. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="682277_image" /></div> <BR /><BR />Mit vier Monaten haben Veronika und Hubert Weitlaner, nach ihrer Pflegetochter, den kleinen Max adoptiert. Dass er mit Zwergenwuchs geboren wurde und seit seiner Kindheit immer wieder schwere Atemprobleme hatte, war für die beiden kein Problem. „Er war schon als Kind sehr lustig und ein richtiger Strahlemann“, beschreibt ihn seine Mutter. Er habe die Leute stets wie magisch angezogen, egal wo er war. Körperliche Beeinträchtigung, Rollstuhl oder Beatmungsmaschine konnten Max nichts anhaben. Er genoss das Leben in vollen Zügen. <BR /><BR />In den 24 Jahren, die Max erleben durfte, konnte er sich immer auf eine Person verlassen: seine Mutter. „Wir waren miteinander verwurzelt“, blickt die 55-Jährige zurück. Für Max war sie die größte Stütze in seinem Leben. Nur sie durfte seine Schläuche und Kanülen wechseln oder die Beatmungsmaschine bedienen. „Nicht ein Arzt wusste so wie ich, wie man mit der Beatmungsmaschine umgeht“, erzählt Mutter Veronika.<BR /><BR /><b>Künstler und Kämpfer</b><BR /><BR /> Max wusste, dass sie ihn am besten kannte, und zählte immer auf sie. Die beiden verband eine tiefe Vertrautheit und Liebe, die in all den Jahren mehr wuchs. Veronika richtete ihre Termine nach ihm und ging sogar mit zur Arbeit, um im Notfall bei ihm sein zu können. Sein Vater, Hubert Weitlaner, ist selbst seit 40 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Doch das war kein Problem für den Hobbyschnitzer, denn er übernahm die Rolle des „Taxis“. Er fuhr den Sohn überall hin. Und aktiv war Max Weitlaner allemal. <BR /><BR /> Der 24-Jährige war in erster Linie für seine liebevollen handgemachten Gipsfiguren bekannt. Doch jeder, der ihn persönlich kennenlernen durfte, war ganz allgemein von dem jungen Mann beeindruckt. Seine Art, das Leben trotz Beeinträchtigung zu genießen, führte vor Augen, worauf es im Leben eigentlich ankommt. Alles, was er sich vornahm, erledigte er mit Lebensmut und Frohsinn. <BR /><BR />Nach getaner Arbeit in der Gemeinde von Innichen beschäftigte er sich mit seiner Lieblingsbeschäftigung: der Gipsmalerei. „In seinem Zimmer, das ihm unter anderem als Werkstatt für seine Kunstwerke diente, malte er oft bis in die Abendstunden, ohne müde zu werden“, erzählt Veronika. <BR /><BR /><b>Gipsfiguren waren sehr beliebt</b><BR /><BR />Auch da half ihm seine Mutter, wo sie nur konnte. So übernahm sie das Formen, Lackieren und Zuschneiden der Figuren. Der künstlerisch sehr begabte Max verlieh sodann den Geschöpfen mit geschickten Händen sozusagen Leben. „Diese Figuren waren sehr gefragt. Von Italien bis Deutschland kamen die Anfragen für die Gipsfiguren her“, erzählt seine Mutter stolz. <BR /><BR />Ob für Taufen, Hoteleröffnungen, an Weihnachten oder als persönliches Geschenk – Max hatte für jeden Anlass ein passendes Figürchen. Obwohl er früher eher schüchtern war, habe er nie gezögert, wenn Fernseh- oder Zeitungsanfragen kamen. Ihm bereitete es große Freude, wenn sich andere für ihn und seine Skulpturen interessierten. <BR /><BR />Max war aber auch ein echter Kämpfer. „Nach Krankenhausaufenthalten oder Wiederbelebungsmaßnahmen, fand er immer wieder sofort zurück ins Leben.“ Aufgeben gab es im Leben von Max Weitlaner nicht. Aufstehen und Weitermachen war sein Motto. Seine letzte Zeit erlebte er sehr intensiv, „fast so, als hätte es noch so sein müssen“, so Veronika Weitlaner. Er fuhr ans Meer, konnte mit dem Tauchteam der Feuerwehr einen Nachmittag am Kalterer See verbringen, durfte das ORF-Studio besuchen und erlebte viele weitere schöne Momente. „Er ließ alle daran teilhaben“, so seine Mutter, „alles wurde geteilt und gepostet.“ Denn Max Weitlaner war nicht zuletzt auch in den sozialen Netzwerken sehr bekannt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="682280_image" /></div> <BR /> Umso größer war dann der Schlag, als am 25. August die Nachricht kam, dass Max – nach drei Wochen auf der Intensivstation – seinen letzten irdischen Kampf verloren hatte. Die Trauer der Familie, sowie bei allen Freunden und Bekannten ist enorm groß. Ein Bild im Korridor mit einem noch selbst gemalten Engel von Max erinnert an ihn und schenkt den Eltern Kraft und Gewissheit, dass er trotzdem immer bei ihnen ist.<BR /><BR />Viele Beileidsbekundungen, persönliche Texte oder Erinnerungen an Max helfen der Familie, die Trauer besser zu verarbeiten. Auch in den sozialen Netzwerken ist die Anteilnahme sehr groß und viele erinnern sich gerne zurück an ihre Begegnung mit dem jungen Mann aus Innichen. <BR />Von insgesamt über 800 gedruckten Sterbebildchen blieben nur noch einige wenige übrig. „Zu sehen und zu hören, wie viele Menschen über den Verlust von Max betroffen sind, hat uns überrascht und sehr geholfen.“<BR /><BR /> Jeder, der Zeit hatte, erschien zu den Gebeten oder war bei der Beerdigung dabei. Viele Medien berichteten über den plötzlichen Tod. Der Bürgermeister von Innichen, Klaus Rainer, kümmerte sich persönlich um die Meldung in der Tageszeitung „Dolomiten“. „Sogar Bekannte aus Graz und der Friseur von Max kamen, um Abschied zu nehmen“, erzählt die Mutter. Auch ihre Pflegetochter, die mittlerweile selbst eine Tochter hat, unterstützt ihre Eltern und hilft, wo sie kann. <BR /><BR /><b>„Umgeben von seinen Engeln“</b><BR /><BR />In Trauer zu versinken, kommt für Veronika Weitlaner aber nicht in Frage. „Man kann nicht den ganzen Tag trauern, das geht einfach nicht.“ Nach 24-jähriger intensiver und liebevoller Pflege schaut Veronika Weitlaner nun nach vorne. Damit hat sie auch schon begonnen, denn sie versucht die Herzensprojekte ihres Sohnes so gut wie möglich zu erfüllen. <BR /><BR />So hat die gebürtige Innichnerin kürzlich beim „Run for Life“ mitgemacht. „Das lag ihm immer sehr am Herzen, daher war es für mich auch wichtig, ihm diese letzten Kilometer zu widmen.“ Außerdem versucht sie die Passion von Max für Gipsfiguren weiterhin am Leben zu halten und weiterzumachen. „Aber sicher nicht in dem Ausmaß wie Max. Dazu habe ich nicht die Nerven“, erzählt Weitlaner schmunzelnd. Wie es ansonsten weitergeht, ist alles noch sehr ungewiss. <BR /><BR />Momentan steht die Trauer über den Verlust von Max noch sehr im Vordergrund. Was die Eltern allerdings tröstet: Max ist nun umgeben von jenen Beschützern, die ihm auf Erden selbst viel bedeutet haben – den Engeln.<BR />