<b>Von Petra Schwienbacher</b><BR /><BR /><b>Wie sollte man sich verhalten, wenn man auf andere Hunde trifft?</b><BR />Lisa Holzner: Zunächst sollte man seinen eigenen Hund heranrufen bzw. anleinen. Am besten führt man den Hund dann auf der reizarmen Seite (Mensch geht zwischen den Hunden) und läuft soweit möglich einen Bogen. Frontale Begegnungen wirken bedrohlich auf Hunde. Außerdem sollte man darauf achten, dass der eigene Hund den entgegenkommenden nicht fixiert oder sich auf die „Lauer“ legt. Auch das wirkt bedrohlich. Am besten bewegt man sich ruhig und belohnt seinen Hund für jegliche Bewegungen, die deeskalierend auf das Gegenüber wirken (das wäre beispielsweise Kopf bzw. Blick abwenden, schnüffeln, stehen, sitzen, usw.). Der Hund darf nicht an der langen Leine frontal auf ein anderes Team zulaufen, das ist sehr unhöflich und stressend für beide Hunde!<BR /><BR /><b>Sind Kontakte unter Hunden an der Leine wichtig?</b><BR />Holzner: Wichtig nicht. Aber sie entstehen, manchmal auch ungewollt. Ich finde es wichtig, seinen Hund auf diese Situationen vorzubereiten. So kann der Hund lernen, langsam auf einen anderen Hund zuzugehen und sich nach kurzer Zeit wieder von diesem zu lösen und mit seinem Menschen mitzugehen. Denn Spiel an der Leine funktioniert gar nicht gut. Wenn Hunde an der Leine Kontakt zueinander aufnehmen, ist es wichtig, dass die Leine durchhängt und der Mensch nicht daran zieht und ruckt. Das kann schnell zu Spannungen zwischen den Hunden führen. Außerdem sollte der Hund ein gutes Umorientierungssignal (zum Beispiel „Schau“ oder „Komm mit“) kennen, mit dem man den Kontakt zwischen den Hunden freundlich beenden kann, ohne den Hund mittels Leine wegzuzerren. Auch dabei werden falsche körpersprachliche Signale gesendet und es passiert häufig, dass sich die Hunde deshalb in die Haare kriegen.<BR /><BR /><b>Wie viel Kontakt zu anderen braucht ein Hund?</b><BR />Holzner: Für einen Hund, der andere Hunde toll findet, ist es ein Grundbedürfnis, regelmäßigen Kontakt zu ihnen zu haben. Das kann ein gemeinsamer Spaziergang sein, gemeinsam spielen, laufen, schnüffeln, oder einfach nur nebeneinander liegen. Wichtig ist, dass Interaktionen hauptsächlich mit bekannten Hunden stattfinden. Ständiger Kontakt zu fremden, wechselnden Hunden schadet den allermeisten Hunden.<BR /><BR />Wenn ein Hund gelernt hat, dass er zu jedem Hund, der ihm begegnet, hindarf bzw. soll, entwickelt er in kürzester Zeit eine extrem hohe Erwartungshaltung. Er hat gelernt, dass andere Hunde aufregend sind (positiv oder negativ). Das führt entweder zu einem Hund, der vor Freude völlig ausflippt, wenn er andere sieht, oder aber es wird ihm irgendwann so zu viel, dass er negativ darauf reagiert.<BR /><BR />Fest steht: Direkter Kontakt zwischen fremden Hunden bedeutet in erster Linie Stress und Spannung für beide, sind sie noch so lieb und wohlgesonnen. Die erste Spielaufforderung, die Hunde nach den ersten Sekunden dann gerne machen, dient hauptsächlich dazu, diese Spannung möglichst friedlich zu lösen. Sie ist kein echtes Spiel. Eigentlich können wir hier Menschen und Hunde ganz gut vergleichen. Wenn wir unterwegs sind, fallen wir auch nicht jedem wildfremden Menschen um den Hals und überschütten ihn mit einem Redeschwall. Oder? Bei Hunden sollte es genauso sein.