Als Diskuswerfer schrieb Lars Riedel ein Stück weit Sportgeschichte: 1996 gewann der Bundesdeutsche Olympiagold in Atlanta. <BR /><BR /><b><BR />Herr Riedel, Sie sind als der deutsche Hüne bekannt ...</b><BR />Lars Riedel: Na ja, bei einer Größe von 2 Metern und einer Armspannweite von 2,14 Meter kommt das nicht von ungefähr, aber es stimmt schon, meine Maße hatten einen großen Anteil an meinem Erfolg.<BR /><BR /><b>Sie hatten 2008 Ihre aktive Karriere als Sportler aufgrund von Rückenproblemen beendet. Was machen Sie seitdem?</b><BR />Riedel: Ich veröffentlichte noch im selben Jahr meine Autobiografie und halte seitdem Vorträge und Coachings. Für die Universität in St. Gallen hielt ich etwa Gesprächsrunden ab. Sie nennen sich „Kamingespräche“, es sind dies Unterhaltungen, die beiden Seiten viel bringen. Und ich befasse mich seit einigen Jahren sehr viel mit Ernährungsthemen und gründete dazu eine Firma. Vor Jahren habe ich auch das Golfspielen für mich entdeckt, außerdem bin viel für Wohltätigkeitsprojekte und als Markenbotschafter verschiedener Produkte unterwegs. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="650321_image" /></div> <BR /><b>Wie ist Lars Riedl privat?</b><BR />Riedel: Neben meinem erwachsenen Sohn und meinem 4-jährigen Enkel, habe ich meine Frau und meine beiden Töchter Emma und Paula. Da ich viel unterwegs bin, nehme ich mir immer wieder gerne eine Auszeit mit ihnen – so wie jetzt. Während des vergangenen Jahres haben meine Frau und ich versucht, unseren Töchtern ein einigermaßen normales Leben zu bieten – bei uns am Tegernsee war es ja Gott sei Dank einigermaßen entspannt. <BR /><BR /><b>In einem früheren Interview sagten Sie, dass Sie gerne im Sommer nach Ridnaun kommen ...</b><BR />Riedel: Mittlerweile war ich schon sehr oft da. Mit Andi und der Familie Kruselburger vom Hotel „Schneeberg“ bin ich seit meinem ersten Besuch hier befreundet, sie sind für mich wie eine zweite Familie. Ich fühle mich hier wie zu Hause. <BR /><b><BR /> Warum haben Sie keine Trainerlaufbahn eingeschlagen?</b><BR />Riedel: Ich hatte den Lehrgang besucht, aber das war keine Option für mich. Der Deutsche Leichtathletikverband ist eigentlich froh, wenn ehemalige Spitzensportler raus sind nach ihrer Karriere. Vom Verband werden einem wortwörtlich nur Steine in den Weg gelegt, ich wäre damit nicht klargekommen – da bin ich lieber selbstständig tätig. Meine Verabschiedung beispielsweise vom Profisport fand zwischen 2 Vorläufen statt.<BR /><BR /><b>Waren Sie enttäuscht?</b><BR />Riedel: Ich wäre enttäuscht gewesen, hätte ich eine Erwartung gehabt, aber ich kannte den Verband ja schon.<BR /><BR /><b>Weil Sie von Verbänden sprechen, was halten Sie von der Causa Alex Schwazer?</b><BR />Riedel: Leider kenne ich Alex Schwazer nicht, aber die ganze Angelegenheit ist sehr traurig. Wer in dem System nicht mitspielt oder gar aufmuckt ist raus.<BR /><BR /><b>Wie stehen Sie zum Doping?</b><BR />Riedel: In der DDR (Riedel stammt aus Zwickau, Anm. der Redaktion) war das an der Tagesordnung und ganz normal. Anabolika wurde verabreicht wie Bonbons und man war gezwungen, sie zu nehmen. Ich tat immer so, als ob ich es nehmen würde, da ich schon damals wusste, was es anrichten kann. Hätte ich mein Theater nicht gut gespielt, wäre ich rausgeflogen. Viele Sportler denken, durch Doping würden sie besser. Aber sie vergessen, dass man dennoch voll trainieren muss, durch Doping verringern sich lediglich die Regenerationsphasen. Ich wurde christlich erzogen und habe schon immer alles hinterfragt. Nach der Wende habe ich dann den großen Unterschied gesehen – im Westen konnte ich erstmals frei entscheiden und ohne Zwang vom Verband meinen Sport ausüben. Und so wie mein Leben derzeit verläuft ist es wirklich gut.