Samstag, 11. Juli 2015

Srebrenica-Gedenkfeier: Geste der Versöhnung endet mit Eklat

Serbiens Premier Vucic wurde von Demonstranten ausgepfiffen, mit Flaschen und Steinen beworfen und von der Gedenkfeier in Srebrenica vertrieben. Der Großmufti Kavazovic versuchte zu beruhigen.

Auch mit einem Schirm versuchte man Serbiens Premier Aleksandar Vicic vor Steinwürfen zu schützen.
Auch mit einem Schirm versuchte man Serbiens Premier Aleksandar Vicic vor Steinwürfen zu schützen. - Foto: © LaPresse

Aufgebrachte Demonstranten haben den serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic am Samstag von der Feier zum Gedenken an das Massaker von Srebrenica vertrieben. Vucic wurde von den Demonstranten ausgepfiffen, ausgebuht und mit Gegenständen beworfen, dass er den Gedenkort verlassen musste.

Vucic war als erster Regierungschef seines Landes nach Srebrenica gereist, um mit zahlreichen weiteren Politikern in Potocari an der Gedenkfeier für rund 8.000 von bosnisch-serbischen Truppen vor 20 Jahren ermordeten Bosniaken (Muslime), teilzunehmen.

Der Unmut eines Teils der Anwesenden äußerte sich besonders, als Delegationen Blumen am Denkmal für die Massakeropfer niederlegten. Zu hören waren auch „Allahu Akbar“-Rufe. Bosnische Medien berichteten, dass gegen Vucic verschiedene Gegenstände – Agenturen berichteten von Flaschen und Steinen – geflogen seien, als er das Gebäude der alten Batterienfabrik verließ, wo die Gedenkfeier abgehalten wurde. Einer seiner Bodyguards wollte ihn mit einem offenen Regenschirm schützen, Vucic soll das abgelehnt haben.

Die Situation wurde schließlich durch eine kurze Ansprache des bosnischen Großmuftis Hussein Kavazovic beruhigt. Er appellierte an die Masse, ihre Aufmerksamkeit der Beisetzung von 136 Opfern zu widmen und nicht den Delegationen.

„Meine Hand bleibt gegenüber den Bosniern weiter ausgestreckt“

Aleksandar Vucic hat sehr moderat auf die Angriffe reagiert. „Meine Hand bleibt gegenüber den Bosniern weiter ausgestreckt“, sagte der Politiker am Samstag in Belgrad nach einer Sondersitzung der Regierung.

„Das war ein gut vorbereiteter und organisierter Angriff“, sagte Vucic weiter. Er sei von einem Stein im Gesicht getroffen und leicht verletzt worden. Dabei sei seine Brille zu Bruch gegangen.

Er rief seine Landsleute auf, jetzt keine Revancheangriffe auf Bosnier zu unternehmen, denn „Hass und Wut hat es genug gegeben“.

apa/afp/Reuters/dpa

stol