Sonntag, 26. Juli 2015

Streiks und Proteste: Renzi mit Gewerkschaften auf Kriegsfuß

Premier Matteo Renzi erlebt einen schwierigen Sommer. Eine Streikwelle bei Alitalia, chaotische Zustände in Roms Nahverkehr und zuletzt auch ein Arbeitsausstand des Personals in der Ruinenstadt Pompeji machen dem sozialdemokratischen Regierungschef hart zu schaffen. Dieser scheut sich jetzt nicht davor, mit den mächtigen Gewerkschaften auf Konfrontationskurs zu gehen.

Foto: © LaPresse

„Verantwortungslosigkeit“ wirft der dynamische und zielbewusste Premier den Pilotengewerkschaften der Alitalia vor, die am Freitag, ausgerechnet am Höhepunkt der Sommersaison, 24 Stunden lang in den Streik getreten sind, was zur Streichung unzähliger Flüge führte.

„Nach den vielen schlaflosen Nächten, die wir verbracht haben, um dank des Einstiegs des Partners Etihad Alitalias Pleite abzuwenden, schmerzt es zu sehen, wie die Streiks den Urlaub tausender Bürger ruinieren“, schrieb Renzi. Der Protest der Alitalia-Mitarbeiter richtete sich gegen Rationalisierungspläne in der Fluggesellschaft, in die im vergangenen August der Air Berlin-Großaktionär eingestiegen ist.

Pompeji: 2000 Touristen warten

Regierungschef Renzi protestierte auch wegen des Arbeitsausstands des Personals in Pompeji am Freitag. Unter sengender Sonne mussten rund 2000 Touristen stundenlang auf die Öffnung der antiken Ruinenstadt Pompeji nahe Neapel warten. Grund war ein neuerlicher Streik der Beschäftigten des Ausgrabungsortes. Seit langem tobt ein Streit zwischen den Verantwortlichen der Ruinenstadt und den rund 700 Beschäftigten, die am Freitag unangemeldet nicht den Dienst antraten.

Die Gewerkschaften forderten unter anderem die ausstehende Zahlung von Überstunden, bessere hygienische Bedingungen und längere Öffnungszeiten für Besucher. Erst nach langwierigen Verhandlungen konnte der Leiter des archäologischen Geländes das Personal zur Dienstaufnahme überreden. Der Vorfall löste den heftigen Protest von Kulturminister Dario Franceschini aus. Er sprach von einem riesigen Schaden für das Ansehen Italiens als Touristenland.

apa

stol