Montag, 15. Mai 2017

Sture Köpfe – außergewöhnliche Weine

Am Samstag, 13. Mai gab es in Feldthurns eine ganz besondere Premiere: Im Rahmen eines fröhlichen Weinfestes beim "Radoar" fand die erste Biowein-Verkostung Südtirols statt. Neben den 8 Eisacktaler Bioland-Weinbauern, die sich zur Gruppe BioWeis (Bio-Wein-Eisacktal) zusammengeschlossen haben, präsentierten auch 3 Gastwinzer ausgewählte biologische Weine.

Ungezwunge Verkostung
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Ungezwunge Verkostung

Norbert Blasbichler, Radoar-Bauer, Winzer und Gastgeber dieses ersten Weinfestes, dankt in seiner frischen ungezwungen Begrüßungsrede seinen Winzerkollegen für die Lust, gemeinsam etwas Neues zu versuchen, sowie der Malerin Martha Silbernagl für die Ausstellung  kleinformatiger Berg-Bilder, die bis Pfingsten beim Radoar besucht werden kann.

Dann erläutert er den zahlreich erschienenen Weinkennern und Weinliebhabern, was es mit Bio überhaupt auf sich hat. "Uns Biobauern verbindet die Liebe zur Natur und zu unseren guten Produkten, die wir aus den Ernteerträgen herstellen. Wir Biobauern spritzen öfter als konventionelle Landwirte, aber anders." So werden auf den rund 16 Hektar Wein-Anbaufläche der Eisacktaler Biowinzer neben Kupfer, Schwefel und Backpulver vor allem biodynamische Produkte und Kräuterauszüge gespritzt. "Was wir nicht verwenden sind chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel", so Norbert Blasbichler. "Wir stehen für das ganzheitliche Arbeiten mit der Natur und nicht gegen sie; und was unter unseren Reben wächst, ist nicht etwa Unkraut, sondern vielmehr Beikräuter mit einer Funktion im natürlichen Kreislauf."

So weit so gut, aber wie schmecken diese handwerklich hergestellten Weine? Sind sie so außergewöhnlich, wie versprochen? An 11 Tischen schenken die Weinbauern ihre edlen Tropfen zur Verkostung aus. Auge, Nase, Gaumen – bei einer richtigen Weinverkostung sind alle Sinne gefragt. Da wird geschaut, gerochen, geschlürft, gegurgelt, gespuckt und dann geht das Fachsimpeln los. Wie ist das Verhältnis von Säure und Frucht, ist da noch etwas Restsüße zu schmecken, welche Rebsorten wurden hier klug verschnitten?

Der idyllische Gastgarten des Radoar ist das perfekte Ambiente für die professionell organisierte und doch lockere Verkostung. Die Weine schmecken großartig und jeder Winzer hat seine eigene Stylistik, sodass wirklich für jeden Gaumen etwas dabei ist. Ganz ungezwungen entstehen angeregte Gespräche und die Gäste erfahren Wissenswertes über Weinherstellung, Stylistik, Lagen und lernen die Winzer, die sich selbst als sture Köpfe bezeichnen, hautnah und von ihrer ganz normalen Seite kennen.

Bei den Kellerführungen durch den Gastgeber Norbert wird ein weiteres Versprechen eingelöst und die interessierten Weinfest-Besucher dürfen einen ausgiebigen Blick hinter die Kulissen werfen. Die Bio-Winzer legen besonders großen Wert auf einwandfreie Trauben. Nur diese kommen überhaupt erst in die Nähe der Presse, denn wenn die materia prima nicht stimmt, kann schwerlich guter Wein entstehen. Im Keller werden die ausgewählten Trauben so schonend wie möglich verarbeitet. "Ideal wird der Wein dann, wenn der Kellermeister ganz wenig Arbeit hat, weil der Rohstoff Traube so gut ist, dass mit Zeit und Geduld ein schöner Tropfen heran reift, ohne dass mit Zusatz- oder Schönungsmitteln gearbeitet wird."

Von der Traube bis ins Glas wird anschaulich geschildert, was alles notwendig ist, damit der Wein letztlich so gut schmeckt. Es klingt ganz einfach, so als würden die Winzer nach der Lese einfach vor den Holz- und Stahlfässern abwarten und als wäre Geduld ihre einzige Tugend. Aber durch den Blick hinter die Kulissen wird klar, dass die Herstellung von qualitativ hochwertigen Bioweinen eine Wissenschaft für sich ist: Liebe zur Arbeit mit der Natur, Geduld, Wissen, Erfahrung, Versuch und Irrtum – einfach ist das ganz sicher nicht, aber sehr befriedigend, wenn der Wein so gelingt, dass er auch vor den kritischen Nasen und Gaumen der Winzerkollegen  besteht.

Die Zeit vergeht wie im Fluge und im Handumdrehen ist es Abend geworden. Nach sechs Stunden verkosten, genießen und fachsimpeln lauschen die Weinliebhaber*innen den drei Männern von "Tritonus", die mit Dudelsack, Klarinette, Gitarre, Ziehharmonika und Gesang Musik aus aller Welt erklingen lassen. Versonnen wird den eigentümlichen und doch harmonischen Melodien gelauscht, weiter Wein getrunken und geredet, denn das Fest, das um 14 Uhr begonnen hat, ist noch lange nicht zu Ende. Erst nach Mitternacht werden die letzten Gäste sich verabschieden, nicht ohne den Weinbauern der Gruppe BioWeis das Verprechen abzunehmen, dass dem ersten Weinfest noch viele weitere folgen werden.

Info

Die Gruppe BioWeis besteht aus den Weingütern Rielinger vom Ritten, Zöhlhof, Garlider und Radoar aus Feldthurns, Schloss Campan und Hof Vogelsang aus Sarns bei Brixen, dem Burgerhof in Brixen und dem Santerhof in Mühlbach. Das Weinfest soll jährlich abwechselnd von einem Mitglied der Gruppe organisiert und am jeweiligen Weingut veranstaltet werden. Ein Blick hinter die Kulissen ist garantiert.

Elisabeth Stürz, Brixen

stol