Mittwoch, 18. Mai 2016

SVP-Bezirk Bozen Stadt und Land und Unterland: BBT und Zulaufstrecken

Perathoner und Schiefer: Umfahrung von Bozen und Zulaufstrecken im Unterland müssen prioritär sein

Foto v.l.: Oswald Schiefer, Volkmar Mair, Christoph Perathoner, Ezio Facchin, Florian Mussner
Badge Local
Foto v.l.: Oswald Schiefer, Volkmar Mair, Christoph Perathoner, Ezio Facchin, Florian Mussner

Die SVP-Bezirke Bozen Stadt und Land, sowie Unterland unter dem Vorsitz der Bezirksobleute Christoph Perathoner und Oswald Schiefer fanden sich neulich in Kardaun ein, um mit Mobilitätslandesrat Florian Mussner, Landesgeologe Volkmar Mair und dem Beauftragten der italienischen Regierung Ezio Facchin (RFI) verschiedene Problemfelder im Zusammenhang mit dem Brennerbasistunnel (BBT) und den Zulaufstrecken zu besprechen. Das Hauptaugenmerk der eingehend diskutierenden Bürgermeister, Gemeindevertreter und SVP-Ortsobleute lag auf den Zulaufstrecken zum BBT, zumal diese weit mehr die Sorgen der Bevölkerung treffen als der BBT an sich.

„Sinn und Zweck dieser Veranstaltung“, so erklärten Perathoner und Schiefer gemeinsam, war es nicht einmal mehr eine Laudatio auf die Europäische Union, die österreichische oder italienische Regierung zu halten, weil die Finanzierung des BBTs steht oder die Baufortschritte ein Erfolg sind. Wir wollten die vielen Ängste und Sorgen der Bevölkerung entlang der Brennerachse aufgreifen und diese gemeinsam mit den politischen Spitzenvertretern der betroffenen Gemeinde besprechen und nach Lösungen suchen, die unserer Bevölkerung hilft.“

So wurde die Forderung laut, dass die politischen Vertreter in Rom sich verstärkt für die Zulaufstrecken einzusetzen hätten, anstatt Lobbyarbeit für den BBT zu betreiben, zumal eine konkrete Gefahr bestehe, dass bei Fertigstellung des Brennerbasistunnels die Zulaufstrecken südlich von Waidbruck noch nicht fertig sein könnten.

Der Delegierte der Regierung Ezio Facchin erläuterte sehr detailliert die Zulaufstrecken zwischen Verona und Franzensfeste und stellte sich schonungslos den kritischsten Fragen.

Auf offene Kritik stieß der Umstand, dass die Umfahrung der Landeshauptstadt Bozen bzw. der Abschnitt der Zulaufstrecke zwischen Kardaun und Branzoll erst in der Anfangsphase der Projektierung sei. Wie Facchin erklärte, stehe das Vorprojekt erst in den Anfängen, wobei es bei der Ausfahrt in Branzoll noch einige Fragezeichen gäbe, sodass die Umfahrung von Bozen im Bauleitplan der Gemeinde Branzoll noch nicht einmal eingetragen sei.

„Als völlig inakzeptabel“ bezeichnete der SVP-Bezirksobmann von Bozen Stadt und Land Christoph Perathoner, ein Szenario bei dem der Brennerbasistunnel fertiggestellt und befahren werde, während an der Umfahrung der Landeshauptstadt Bozen zwischen Kardaun und Branzoll noch gearbeitet werde. „Dies würde bedeuten, dass entlang der heutigen Trasse durch Bozen und Umgebung der ganze Verkehr aus dem Brennerbasistunnel laufen würde. Das wäre für die Bevölkerung unzumutbar“, beurteilt Perathoner dieses Szenario. Aus diesem Grunde, so die beiden Bezirksausschüsse einhellig, müssten die Projektierung der Umfahrung von Bozen sofort und prioritär weitergebracht und abgeschlossen werden und die Finanzierung dieses Abschnittes der Zulaufstrecke garantiert werden. Es müsse sichergestellt werden, dass zeitgleich mit der Fertigstellung des BBTs auch die Umfahrung der Landeshauptstadt befahrbar sei.

Schließlich ergänzt Bezirksobmann Perathoner, dass parallel zur Umfahrung von Bozen als Zulaufstrecke auch der neue Bahnhof von Bozen verwirklicht werden müsse. Dessen Planung und Verwirklichung hänge zwar nicht unmittelbar mit dem BBT zusammen, müsse aber als funktionale und komplementäre Infrastruktur dazu gesehen werden und als solche möglichst bald und auf alle Fälle vor dem BBT fertig gestellt werden.

Landesgeologe Volkmar Mair beleuchtete für die politischen Vertreter die Geologie und Hydrologie im Bereich der Zulaufstrecken. Mair stellte dabei klar, dass die gewählte Trasse der Zulaufstrecken im Unterland die eindeutig beste Bewertung in geologischer und hydrologischer Hinsicht erhalten habe. Zudem erläuterte Mair, dass Gewässer im Einzugsbereich der Trasse stetig beobachtet würden, wie dies bereits im Zuge des BBT-Projekts getan werde: "Derzeit beobachten wir im Rahmen dieses Projekts nicht weniger als 1000 Gewässer, das ist das größte Monitoring-Projekt Europas und bis dato konnten wir keine Beeinträchtigung der Hydrogeologie feststellen", so Mair. Dieser Standard wird auch auf die Zulaufstrecken ausdehnt. Der Alt-Landesgeologe Ludwig Nössing bestätigte aus dem Publikum die Ausführungen von Volkmar Mair.

Der Unterlandler Bezirksobmann Oswald Schiefer erläuterter die Situation im Unterland und bestätigte die Wichtigkeit der Verwirklichung der Zulaufstrecken im Unterland spätestens innerhalb der Fertigstellung des BBT. Oswald Schiefer rief deshalb auch die Gemeinden von Neumarkt, Montan und Salurn auf, so schnell wie möglich die Eintragung der Trassen der Zulaufstrecken im Bauleitplan vorzunehmen. Hinsichtlich der Vorhaltung gegen die drei Gemeinden, dass wertvolle Zeit verloren worden sei, weil sie die Eintragung nicht schon viel früher vorgenommen hätten, stellte sich Bezirksobmann Schiefer mit den Worten hinter seine Gemeinden: „Es wäre die Aufgabe der BBT-Beobachtungsstelle gewesen, den Gemeinden und der Bevölkerung transparente und fundierte Informationen zu geben. Dies ist nicht erfolgt. Deshalb ist es unfair seitens der Beobachtungstelle zu kritisieren, dass kostbare Zeit verloren worden sei.“

Landesrat Florian Mussner, der in der Diskussion die Landesregierung vertrat, unterstützte die Anliegen der Bezirke hinsichtlich der Zulaufstrecken. Er versicherte, dass die Landesregierung die Angelegenheit sehr genau verfolge und sich darum bemühe die Zulaufstrecken ehestmöglich zu verwirklichen.

Oswald Schiefer und Christoph Perathoner gaben sich am Ende der intensiven Sitzung zufrieden.

Bozen Stadt und Land und Unterland, Bozen

stol