Montag, 15. Juli 2019

Tattooboom in Südtirol

Die Tattoobranche boomt. Auch in Südtirol. In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Zahl der Tattoostudios hierzulande mehr als verdreißigfacht.

In Südtirol werden immer mehr Tattoos gestochen.
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In Südtirol werden immer mehr Tattoos gestochen. - Foto: © shutterstock

Während es im Jahr 2009 in ganz Südtirol nur 2 Tattoostudios gab, beide in Bozen, sind es mittlerweile 64. Aber woran liegt das eigentlich?

„Die älteste Kundin war 75“

„Tattoos werden jetzt von der Gesellschaft mehr akzeptiert“, sagt Hubert Plaikner von Tintenfass Tattoo in Klausen. Sein Studio ist das einzige in Klausen und vergleichsweise neu. Im Jahr 2015 hat er sich seinen Traum vom eigenen Tattoostudio erfüllt. Zu ihm kommen hauptsächlich Menschen zwischen 18 und 60 Jahren. Über 60-jährige Kunden seien zwar eher die Ausnahme, allerdings war Plaikners bislang älteste Kundin 75 Jahre alt, als sie sich ihr erstes Tattoo stechen ließ.

Die Motive, die sich die Menschen stechen lassen, seien ganz unterschiedlich: „Ob Totenköpfe, Uhren, Rosen oder Kompasse. Eigentlich kann man gar nicht sagen, welche Motive am beliebtesten sind. In letzter Zeit lassen sich aber viele gerne Schriftzüge tätowieren“, erzählt Plaikner.

In seinem Tattoostudio muss man zwischen 3 und 4 Monate auf einen Termin warten. 

„Keine Tattoos, sondern Kunstwerke"

Vincenzo De Cristofaro von Taste Of Ink Tattoos in Laas sieht die größte Veränderung vor allem bei der Art von Tattoos, die die Menschen wollen. „Die Leute suchen keine Tattoos mehr, sondern Kunstwerke. Viele wollen etwas, das sie für immer bei sich tragen können. Sie kommen zu mir und ich versuche ihre Vorstellungen graphisch darzustellen.“ Seine Bilder können man sich zu Hause auch auf die Wand hängen. Oder man macht seinen Körper zur Leinwand.

Gefragte Motive seien in letzter Zeit auch fotorealistische Tattoos von der eigenen Familie. De Cristofaro ist 2014 mit seinem Studio von Mals nach Laas gezogen. Das sei für die Kunden aus Bozen einfacher zu erreichen, begründet er diesen Schritt.  

Kleine Motive besonders beliebt

Elisa De Robertis vom Bozner Exodus Piercing & Tattoo sieht bei kleinen und unauffälligen Motiven, wie Dreiecken oder Pfeilen die größte Nachfrage. „Unendlichkeits-Zeichen sind glücklicherweise etwas zurückgegangen“, lacht sie.

Das Exodus Piercing & Tattoo ist das älteste Studio in Südtirol und seit 20 Jahren in Betrieb. Auch De Robertis merkt, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen Tätowierungen wollen, das gelte aber nicht unbedingt für große Tattoos, sondern eher für kleinere Motive.

Bei diesen Kleinigkeiten würde man auch relativ schnell drankommen, abhängig vom gewünschten Tätowierer könne man bei ihnen schon nach 2 Wochen einen Termin bekommen. Wer ein großflächiges Tattoo will, müsse sich allerdings oft bis zu 2 Monate oder mehr gedulden.

„Die beliebtesten Körperstellen für Tattoos sind Knöchel und Unterarme“, meint De Robertis. Dass Tattoos eher bei jüngeren Leuten beliebt sind, stimme nicht. „In unser Studio kommen regelmäßig Menschen um die 50 Jahre, auch über 60-Jährige hatten wir schon bei uns.“

32 Mal mehr Tattoostudios als 2009

In Südtirol hat sich die Anzahl der Tätowierstudios in den letzten 10 Jahren vervielfacht, von 2 auf 64 Studios. In Bozen gibt es jetzt 24 statt der ursprünglichen 2.

Ein Blick in die Statistik der Handelskammer zeigt einen besonderen Anstieg der Tattoostudios zwischen 2016 und 2017. Innerhalb eines Jahres kamen 12 Studios dazu. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Studios um Ein-Personen-Unternehmen.

stol/lmu

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