Sonntag, 29. September 2019

Teilnehmer von Gay-Pride-Parade in Polen angegriffen

In der polnischen Stadt Lublin ist es am Rande der Gay-Pride-Parade zu Zusammenstößen zwischen Gegnern der Kundgebung für die Rechte Homosexueller und der Polizei gekommen. Die Gegendemonstranten riefen am Samstag schwulenfeindliche Parolen und bewarfen Paraden-Teilnehmer mit Flaschen und Eiern. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Es gab mehrere Festnahmen.

Rund 400 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil. - Foto: APA (AFP)
Rund 400 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil. - Foto: APA (AFP)

Die rund 400 Teilnehmer der Gay-Pride-Parade trotzten den Blockadeversuchen der Gegendemonstranten. Mit Regenbogenflaggen und Plakaten mit Aufschriften wie „Jesus hat uns Liebe gelehrt” und „Homophobie bedroht polnische Familien” zogen sie durch die Straßen Lublins.

Erst Anfang der Woche hatte ein Gericht ein vom Lubliner Bürgermeister Krzysztof Zuk verhängtes Verbot der Veranstaltung gekippt. Zuk hatte Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Im Juli hatten Hooligans die Teilnehmer einer Gay-Pride-Parade im polnischen Bialystok mit Steinen, Böllern und Flaschen attackiert.

Der Umgang mit der LGBT-Community wird in dem traditionell katholischen Land vor der Parlamentswahl am 13. Oktober kontrovers diskutiert. Im Juli untersagte ein Gericht es der nationalkonservativen Zeitschrift „Gazeta Polska”, homophobe Aufkleber mit der Aufschrift „Dies ist eine LGBT-freie Zone” zu vertreiben.

Kommunale Vertreter der rechtskonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bezeichnen sich regelmäßig als „frei von der LGTB-Ideologie”. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski hat in der Vergangenheit Homosexuellen-Rechte als „Bedrohung” für die traditionelle polnische Familie bezeichnet.

Auch die römisch-katholische Kirche nimmt in Polen eine zentrale Rolle im Kampf gegen Homosexuellen-Rechte ein. Der polnische Erzbischof Marek Jedraszewski bezeichnete die LGTB-Bewegung im August als „neue Plage” nach dem Ende der „roten Plage” des Kommunismus. Demonstranten in Warschau und Krakau forderten daraufhin seinen Rücktritt.

apa/ag.

stol