Bedeutet Tempo 30, dass der Verkehr noch langsamer, die Luft in den Städten noch schlechter und das Unfallrisiko trotzdem nicht wesentlich geringer ist? <BR /><BR /><b>1. „Tempo 30 bringt kein Plus bei der Verkehrssicherheit.“</b><BR />Dieses Argument bringt unter anderem Italiens Verkehrsminister Matteo Salvini gerne vor, wenn es um das Tempolimit in Innenstädten geht. Nur: Die Daten sagen etwas anderes – Tempo 30 senkt sehr wohl die Zahl der Unfälle, und das ohne den Verkehr zu verlangsamen. <BR />Vor allem das Risiko eines tödlichen Unfalls wird drastisch reduziert: Bei 50 km/h liegt die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls bei 50 Prozent, bei Tempo 30 liegt sie bei etwa 10 Prozent. Außerdem beträgt der Bremsweg bei 30 km/h rund 13 Meter, während er bei 50 km/h mehr als das Doppelte – etwa 28 Meter – beträgt. Zudem verdoppelt sich bei 30 km/h der Sichtwinkel des Fahrers im Vergleich zu 50 km/h – Fußgänger, Radfahrer und andere Autos werden besser gesehen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="986434_image" /></div> <BR /><BR /><b>2. „Tempo 30 bremst den Verkehr ein, die Menschen kurven und stehen daher noch länger in den Städten herum.“</b><BR />Diese Behauptung klingt auf den ersten Blick völlig logisch – ist aber auch falsch. Es stimmt schlichtweg nicht, dass man mit 30 km/h länger unterwegs ist: Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit in der Stadt übersteigt ohnehin nie 30 km/h. In Europa liegt sie zwischen 19 km/h in London und Berlin und 26 km/h in Warschau. In Italien, wo die Zahl der Autos pro Kopf in Europa am höchsten ist, sind die städtischen Zentren verstopft, und die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt in jedem Fall deutlich unter 30 km/h. Beispiel Bologna: Dort lag die Durchschnittsgeschwindigkeit in der Rushhour laut TomTom-Verkehrsindex im Vorjahr bei 32 km/h. Im Jahr 2023 war die Durchschnittsgeschwindigkeit im Stadtverkehr langsamer als im Jahr 2022.<BR /><BR /><b>3. „Die Luftverschmutzung ist bei niedrigerer Geschwindigkeit noch größer, vor allem in den Städten.“</b><BR />Auch das stimmt nicht! Bei Benzin- und Dieselmotoren sorgt in erster Linie das Beschleunigen und Abbremsen für höheren Kraftstoffverbrauch und damit mehr Abgase. Wenn nur auf Tempo 30 statt auf Tempo 50 beschleunigt werden darf, ist die Umweltbelastung geringer. Zudem gilt: Wegen des größeren Luftwiderstands stoßen Verbrennermotoren bei höheren Geschwindigkeiten mehr Abgase aus. <BR /><BR /><b>4. „Um Menschenleben zu retten, reicht es aus, die Strafen für Drogen- und Alkoholmissbrauch zu verschärfen. Tempo 30 bringt dabei wenig“.</b><BR /> Auch diese Behauptung tischt Verkehrsminister Salvini gerne auf. Auch sie ist von den Fakten widerlegt. Die Statistik zeigt, dass sich die meisten Unfälle (73 Prozent) in den Städten ereignen; bei mehr als der Hälfte (55 Prozent) der tödlichen Unfälle sind Geschwindigkeitsübertretung, Missachtung der Vorfahrt von Fußgängern an Kreuzungen und abgelenktes Fahren die Ursachen. Alkohol und Drogen spielen hier eine Nebenrolle.<BR /><BR /> „Es eine allgemeine Maßnahme zur Senkung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit erforderlich, um dieses Risiko zu verringern. Außerdem wäre es wirksamer, die Mindeststrafen zu verschärfen“, schreibt der Umweltverband Legambiente zur aktuellen Polemik – und liefert eine erschreckende Zahl: Auf den italienischen Straßen ist alle 3 Stunden ein Toter und alle 2,5 Minuten ein Verletzter zu beklagen. Die Hälfte aller Verkehropfer sind Fußgänger und Radfahrer – also Menschen, die meist in der Stadt unterwegs sind. <BR /><BR /><BR /><BR />