Freitag, 04. Mai 2018

Terror-Opfer fordern hartes Vorgehen gegen ETA

Auf diese Nachricht hat Spanien seit etlichen Jahren gewartet: Die baskische Terrorbande ETA („Baskenland und Freiheit“) löst sich nach fast 60 Jahren endgültig auf. In einem Offenen Brief bekräftigte die Terrororganisation am Donnerstag erneut, ihre „Strukturen vollständig aufgelöst“ zu haben.

Die baskische Terrorbande ETA („Baskenland und Freiheit“) löst sich nach fast 60 Jahren endgültig auf.
Die baskische Terrorbande ETA („Baskenland und Freiheit“) löst sich nach fast 60 Jahren endgültig auf. - Foto: © APA/AP

Consuelo Ordonez und die Mitglieder ihrer Terroropfer-Vereinigung Covite geben sich mit diesem Ende aber nicht zufrieden. „Das ist nicht das Ende, welches wir Opfer verdient haben“, stellt Ordonez im Gespräch mit der APA klar. Sie befürchtet, dass die ETA mit diesem Schritt, nicht nur die Situation ihrer letzten noch flüchtigen und inhaftierten Mitglieder verbessern will. „Das Schreiben klingt auch so, als tue uns ETA einen Gefallen oder als löse sich hier als eine Partei auf, deren politische Ziele keine große Unterstützung mehr erfahren. Nein, hier hoffen kaltblütige Mörder, ihren Kopf aus der Schlinge ziehen zu können“, meint Ordonez.

Blutiger Kampf

Über 40 Jahre kämpfte die Terrorbande, die sich 1959 eigentlich im Widerstand gegen die Franco-Diktatur gründete, für die politische Unabhängigkeit des nordspanischen Baskenlandes. „Ein blutiger Kampf, der 853 Menschen das Leben kostete und Tausenden von Familien großes Leid zufügte“, erinnert Ordonez.

Das Schlimmste, an der Art und Weise, wie die ETA abtreten will, sei vor allem das Fehlen einer richtigen Entschuldigung bei den Opfern, meint die Opfer-Sprecherin. Tatsächlich entschuldigte sich die ETA in ihrem Auflösungsschreiben nur bei denjenigen Opfern, „die nicht direkt am Konflikt beteiligt waren“. Man sei sich bewusst, dass ihre Handlungen auch Bürgern Schaden zugefügt hätten, die keinerlei Verantwortung trugen. „Diese Menschen und ihre Familien bitten wir um Verzeihung“, ließen die Terroristen verlauten.

Für Consuelo Ordonez ist das eine erneute Verhöhnung durch die ETA und der Beweis dafür, dass die Terroristen nichts bereuen. Vor zwanzig Jahren verlor sie ihren Bruder Gregorio. ETA-Terroristen erschossen ihn in der baskischen Küstenstadt San Sebastian auf offener Straße. Sein Vergehen: „Als stellvertretender Bürgermeister von San Sebastian und Abgeordneter der Konservativen Volkspartei sprach er sich gegen die Abspaltung der Region von Spanien aus und kritisierte offen die Gewaltakte der ETA. Deshalb musste er sterben“, erklärt Consuelo Ordonez.

Terroristen sollen Verantwortung übernehmen

Die Terroristen sollten ihre Taten bereuen, sich bei allen Opfern glaubhaft entschuldigen, Verantwortung für ihre Straftaten übernehmen und dabei helfen, die 358 immer noch nicht aufgeklärten Mordfälle zu erklären. „Das sind sie den Familien schuldig, die immer noch nicht wissen, warum und wieso ETA ihres Liebsten hinrichtete“, so Consuelo Ordonez. Sie und ihre Terrorvereinigung fordern von der spanischen Regierung deshalb auch weiterhin hartes Vorgehen gegen die Terrorbande.

Spaniens konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (PP) brauchen Spaniens Opferverbände allerdings nicht weiter zu überzeugen. „ETA mag verschwinden, aber nicht die Opfer, die sie zu verantworten hat. Was sie auch tut, die ETA wird keine Straffreiheit für ihre Verbrechen finden“, versicherte Rajoy am Donnerstag in der nordspanischen Stadt Logrono.

„Wir schulden ihr nichts, und wir müssen ihr für nichts dankbar sein“, so Rajoy weiter. Dass die ETA nicht mehr morde, habe man einzig und alleine der spanischen Polizei und ihrem erfolgreichen Kampf gegen die Terrorbande zu verdanken.

Hafterleichterungen als Gegenleistung

Die ETA verkündete 2011 das Ende ihres bewaffneten Kampfes und ihre Bereitschaft, die Waffenarsenale zu übergeben. Als Gegenleistung erhofften sich die Separatisten allerdings Hafterleichterungen für ihre über 300 inhaftierten Bandenmitglieder, ihre Zusammenführung in baskischen Haftanstalten sowie eine Art Generalamnestie für die noch flüchtigen und im Untergrund lebenden „Etarras“. Die spanische Zentralregierung lehnte diese Forderungen stets ab.

Unterdessen sprechen sich andere politische Parteien wie die Sozialisten (PSOE) und vor allem die im Baskenland regierenden gemäßigten Nationalisten der PNV für ein gewisses Entgegenkommen mit Blick auf die Haftbedingungen aus, um schneller zum sozialen Frieden im Baskenland zurückfinden zu können.

apa

stol