Im Interview erklärt Reiterer auch, wie die Umweltbilanz der „Stromer“ aussieht, was die Akkus der Fahrzeuge inzwischen hergeben und welche Zukunft Wasserstoff- und Hybridfahrzeuge haben. <BR /><b><BR /> Aktuelle Daten der Landesabteilung Mobilität zeigen, dass auch in Südtirol immer mehr E-Autos zugelassen werden. Führen die hohen Stromkosten aber zu einer Trendwende?</b><BR />Harald Reiterer: Nein, die Zahl der E-Autos nimmt weiter zu. Die Strompreise sind im vergangenen Jahr, insbesondere im Zusammenhang mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine, stark gestiegen. Das war natürlich nicht vorteilhaft für die Elektromobilität. Es ist aber ein vorübergehendes Phänomen, das sich wieder beruhigen wird, und sich auch schon deutlich beruhigt hat. <BR /><BR /><b>Inwieweit konnten Sie das bereits feststellen?</b><BR />Reiterer: Wenn man aktuelle Stromangebote betrachtet, ist man teilweise schon wieder auf dem Niveau von vor der Energiekrise. Man kann einen Haushaltsstrom zum Preis von 0,25 Euro pro Kilowattstunde bekommen. <BR /><BR /><b>Strom laden oder Benzin/Diesel tanken. Was ist günstiger?</b><BR />Reiterer: Strom laden ist wieder günstiger, weil die Preise nun deutlich gesunken sind. Der Preis für Benzin und Diesel ist letzthin gestiegen, der Strompreis ist mit einem guten Angebot hingegen wieder auf einem niedrigen Niveau. <BR /><BR /><b>Allerdings sind Elektroautos immer noch teurer im Ankauf...</b><BR />Reiterer: Das stimmt. Ein E-Auto hat einen höheren Listenpreis als ein Verbrennerauto. Die Differenz wird aber durch öffentliche Förderungen abgefedert: vom Staat und vom Land. Im Idealfall kann man insgesamt bis zu 9000 Euro an Förderungen erhalten.<BR /><b><BR />In Deutschland geht man davon aus, dass der Verkauf von E-Autos zurückgehen wird. Grund: die Senkung der Förderungen. Eine Entwicklung, die auch in Südtirol möglich wäre?</b><BR />Reiterer: Es ist schwierig, Aussagen zu den Förderungen des Staates zu machen. Die Förderungen des Landes sind stabil – und es zeichnet sich nicht ab, dass sie in nächster Zeit gestrichen werden. Langfristig werden die Preise für Elektrofahrzeuge sinken, die Förderungen werden nicht mehr notwendig sein.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="858902_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Sie gehen also nicht von einem Rückgang aus?</b><BR />Reiterer: Ich glaube, dass der Absatz von E-Autos steigen wird. Ein Problem sind derzeit allerdings die Lieferzeiten. Einerseits ist die Nachfrage nach E-Autos groß, gleichzeitig gibt es Probleme bei den Lieferketten. Es ist schwierig, ein Elektroauto zu bekommen. Teilweise warten Käufer ein Jahr und länger. Manche Autos kann man gar nicht mehr bestellen.<BR /><BR /><b>Wenn man sich ein E-Auto kauft, braucht man dann auch eine Ladestation im Haus?</b><BR />Reiterer: Nicht zwangsläufig, aber es ist absolut empfehlenswert, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Die Ladestation gibt Versorgungssicherheit, und der Strom ist am günstigsten. <BR /><BR /><b>Wie realistisch ist die Möglichkeit, eine Fotovoltaikanlage und deren Strom zu nutzen?</b><BR />Reiterer: Das wäre die Zukunft. Fotovoltaikstrom kann im eigenen Haushalt verbraucht werden. Das gilt für die Waschmaschine, für den Herd und genauso auch für das eigene E-Auto. Voraussetzung: Die Ladestation muss ein Teil des Stromkreislaufes für den Haushalt sein. Hat man bei der Fotovoltaikanlage einen stationären Speicher zu Hause, kann man den produzierten Strom zwischenspeichern und nutzen, wenn man ihn braucht. Das wäre die ideale Kombination und zukunftsweisend.<BR /><BR /><b>Welche Vorteile haben E-Autos?</b><BR />Reiterer: Sie sind rein energetisch das weitaus Beste. Für die Fortbewegung mit einem Elektroauto ist viel weniger Energieaufwand notwendig als für ein Verbrennerauto. Ein großer Vorteil bei der Elektromobilität ist auch, dass wir selbst die Energie haben. Wir sind nicht mehr abhängig von autoritären Staaten wie Russland oder Saudi-Arabien.<BR /><BR /><b>Stellen Wasserstoffautos auch eine Alternative dar?</b><BR />Reiterer: Ein Wasserstoffauto ist auch ein E-Auto. Es ist ein Auto mit einem Elektromotor. Während man aber bei einem batterieelektrischen Auto direkt Strom laden kann, muss man bei einem Brennstoffzellenauto zuerst Wasserstoff herstellen und dann im Auto wieder rückverstromen. Da geht viel Energie verloren. Wasserstoff hat durchaus Anwendungsmöglichkeiten im Verkehrsbereich, aber hauptsächlich für große Transportmittel wie etwa Schiffe oder Flugzeuge. Für den Pkw-Bereich ist es zu aufwändig und nicht energieeffizient. Zudem hat jeder zu Hause Strom, aber niemand hat zu Hause eine Wasserstofftankstelle.<BR /><BR /><embed id="dtext86-58006391_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>E-Autos gelten aber nicht nur als klimaschonend....</b><BR />Reiterer: Trotz mancher Nachteile bei der Herstellung ist die Umweltbilanz von Elektroautos in Summe weitaus besser als jene von Verbrennern. Das Rohöl für Verbrenner muss gefördert, verarbeitet und weit transportiert werden, verbunden mit einem riesigen Energieaufwand. Am Ende wird alles verbrannt, und zurück bleiben Schadstoffe und CO₂. Beim Elektroauto kann man den Strom laufend neu produzieren und die Batterie recyceln, Rohstoffe bleiben somit erhalten.<BR /><BR /><b>Inwieweit recyceln?</b><BR />Reiterer: Die EU sieht eine steigende Recyclingquote für Batterien vor, das heißt es muss immer mehr recycelt werden. Batterien für E-Autos können grundsätzlich auch sehr gut recycelt werden. Mit steigendem Volumen wird Recycling in Zukunft finanziell lukrativer, als es derzeit der Fall ist. Das betrifft auch das darin enthaltene Lithium, dessen Recycling bis jetzt kaum rentabel ist. Vor dem Recycling kann die Batterie eines E-Autos aber auch noch lange stationär genutzt werden, beispielsweise als Zwischenspeicher für Fotovoltaik-Strom. <BR /><BR /><b>Was passiert aber, wenn der Akku kaputt geht. Ist eine Neuanschaffung nicht teuer?</b><BR />Reiterer: Prinzipiell schon. Aber E-Autos haben genauso wie Verbrenner eine Garantie. Zusätzlich geben viele Hersteller eine Sondergarantie auf den Akku von 8 Jahren oder 160.000 km. Auch hat die bisherige Erfahrung gezeigt, dass die Batterien länger halten als anfangs befürchtet – und sie werden laufend besser. Der TÜV Nord gibt eine durchschnittliche Lebensdauer von 8 bis 10 Jahren an, bis ein Akku 70 Prozent Restkapazität unterschreitet. Für die Lebensdauer des Akkus ist es am besten, wenn man den Ladestand im Alltag zwischen 10 Prozent und 80 Prozent hält.<BR /><BR /><embed id="dtext86-58006396_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Es braucht auch Ladestationen. In Südtirol gibt es über 500 öffentliche Ladepunkte...</b><BR />Reiterer: Das ist gut, aber natürlich kann es immer mehr sein. Südtirol hat italienweit die beste Situation und muss sich auch nicht vor dem benachbarten Ausland verstecken. In letzter Zeit wurden vor allem Schnellladestationen entlang der Hauptrouten errichtet. Was noch fehlt, ist eine größere Ausstattung mit Ladestationen bei öffentlichen Parkplätzen und Tiefgaragen, ideal wären auch einige leistungsstarke Ladeparks.<BR /><BR /><b>Ein weiteres Problem ist die Reichweite...</b><BR />Reiterer: Das hat sich mittlerweile stark verbessert und verbessert<BR />sich auch weiterhin, weil sich die Technologie laufend weiterentwickelt. Nur für das Gefühl der Reichweiten-Sicherheit würde ich aber kein E-Auto mit einer extragroßen Batterie kaufen. Die Größe der Batterie sollte dem eigenen Fahrprofil und den eigenen Anforderungen entsprechen.<BR /><BR /><b>Sind Hybridautos eine Möglichkeit für Zweifler?</b><BR />Reiterer: Hybridfahrzeuge sind ein Auslaufmodell. Eine Art Brückentechnologie, mit der man eine bestimmte Anzahl an Kilometern elektrisch fahren kann und danach mit Verbrennungsmotor.<BR /><BR /><b>Warum Auslaufmodell?</b><BR />Reiterer: Weil sie im Grunde nicht effizient sind. Sie haben 2 Motoren und 2 Technologien an Bord. Dabei gibt es keinen Grund mehr, nicht gleich auf Elektro zu setzen, weil man mittlerweile auch mit Elektroautos gute Reichweiten garantieren kann - zwischen 300 und 500 Kilometer Reichweite ist heutzutage Standard. Auch das Ladenetz verdichtet sich laufend, sodass man auch bei größeren Strecken weniger Probleme haben wird.<BR /><BR /><b>Probleme?</b><BR />Reiterer: Nun, bestimmte Langstrecken sind derzeit nicht ideal.<BR />Wenn man beispielsweise in den Urlaub nach Süditalien fährt, dann muss man genau schauen, wo man aufladen kann und wie<BR />man die Fahrt organisiert. Mit Schnellladestationen (150 kW) kann man aber generell nach 30 Minuten Laden wieder 300 bis 400 Kilometer weit fahren.<BR />