Sie heißen Sam und Mika. Er: ein vierjähriger Rhodesian Ridgeback, ein sensibles Kraftpaket, das in sich ruht, einen klugen, fast menschlich-klugen Blick hat und Menschen gegenüber Ridgeback-typisch freundlich und aufgeschlossen ist. Sie: ein aufgedrehter junger Australian Shepherd plus (plus, weil man zwar das Muttertier, aber nicht das Vatertier kennt, aber dazu später). Wie alle Aussies und Aussie-Mischlinge mit einem 100.000-Volt-Akku und (noch) ohne Ausschaltknopf. Mika gehört zu Anna Barbacovi aus Meran, Director's Assistant und eine der zentralen Ansprechpartnerinnen bei The Showtime Agency, Sam zu Showtime-Mitarbeiterin Sophie Tartarotti aus Algund. <h3> Rhodesian Ridgeback – ein Kindheitstraum</h3>„Sam stammt aus einer Rhodesian-Ridgeback-Zucht bei Verona“, erzählt Sophie Tartarotti. „Ich habe mich als Kind in die Souveränität dieser eleganten Rasse verliebt. Als ich mich für einen Hund entschieden habe, zog ich keine andere Rasse in Betracht.“ Sam – natürlich mit dem Haarkamm auf dem Rücken, der entgegen der normalen Haarwuchsrichtung wächst – kam als zweieinhalbmonatiger Welpe zu Sophie. <BR /><BR />„Das erste Jahr war sehr anstrengend. Sam ist mein erster Hund, und obwohl ich mich im Vorfeld gut über die Rasse und ihre Erziehung informiert hatte, musste ich schnell feststellen, dass Theorie und Praxis doch sehr unterschiedlich sein können. Ich wusste zwar, wie wichtig klare Grenzen sind, musste aber erst lernen, wie man diese richtig vermittelt.“<BR /><BR />Der Weg vom aufgedrehten Welpen zum entspannten Begleiter brauchte Zeit. Der Meraner Hundetrainer Andreas Hofer zeigte Frauchen Sophie, wie sie mit Sam richtig kommuniziert und ihn sicher führt. Ein Jahr lang trainierten sie für einen souveränen Alltagshund – eine wertvolle Grundlage für seinen späteren Einsatz als Bürohund.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1350729_image" /></div> <BR /><BR />Denn ein Bürohund muss vor allem eines können: Ruhe geben. Für einen erwachsenen Ridgeback wie Sam bedeutet das, stundenlang entspannt auf seinem Platz zu liegen, während nebenan telefoniert, diskutiert und gearbeitet wird. Die nötige Bewegung bekommt er vor und nach der Arbeit sowie in den Pausen. Eine ausgiebige Morgenrunde, Zeit zum Schnüffeln und zwischendurch ein Spaziergang reichen – danach ist Bürozeit und damit Ruhezeit. Er braucht also vor allem klare Regeln, ausreichend Bewegung und die Möglichkeit, zwischendurch einfach Hund zu sein.<BR /><BR />Bei einem Welpen oder temperamentvollen Junghund ist das deutlich schwieriger. Stubenreinheit, Frustrationstoleranz und Ruhe müssen erst gelernt werden. Auch ein hektisches Großraumbüro mit ständig wechselnden Besuchern ist nicht für jeden Ridgeback, im Grunde jeden Bürohund, geeignet.<BR /><BR />Sam ist inzwischen ein Büroprofi. Diskret und aufmerksam liegt der Ridgeback auf seinem Platz, döst vor sich hin und hat trotzdem alles im Blick. „Wenn Sam schläft und träumt, bekommen wir das mit“, sagt Sophie und lacht. Für ein Leckerli allerdings ist der Vierjährige jederzeit zu haben. Mehrmals am Tag geht es nach draußen – für eine Gassi- oder Spielrunde. Danach kehrt Sam wieder an seinen Platz zurück, als wäre genau das sein Job.<h3> Mika, Wirbelwind auf vier Pfoten</h3>Und dann ist da Mika. Benannt nach dem britisch-libanesischen Sänger, der 2007 mit „Grace Kelly“ international bekannt wurde. Im Februar 2020 hatte The Showtime Agency den Künstler für ein Konzert nach Bozen geholt – und offenbar einen bleibenden Eindruck bei Anna Barbacovi hinterlassen. „Ein Künstlerhund in einem Künstlerbüro“, sagt sie. Und ja, Hund Mika ist ein Weibchen.<BR /><BR />Nur: Mit Mika ist es vorbei mit der diskreten Büro-Ruhe. Die junge Hündin ist ein Energiebündel auf vier Pfoten. Anna Barbacovi fand sie als Bauernhofhund vom Ritten über eine Internetseite. Das Muttertier ist bekannt, über den Vater weiß man wenig. Sicher ist nur: In Mika steckt ordentlich Australian Shepherd – und damit ordentlich Temperament – und vermutlich ein Wolfs-Mischling. Also ein Australian Shepherd Lupo. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1350732_image" /></div> <BR />Bei dieser Mischung stoßen zwei Charakterzüge aufeinander: Der Australian Shepherd hat den angeborenen Wunsch, seinem Besitzer zu gefallen. Der Wolfshund hingegen gehorcht meist nur aus eigenem freien Willen und hinterfragt Kommandos sehr logisch. Der Mix entscheidet oft selbst, wann sich Gehorsam für ihn lohnt. „Ich wollte einen Hund, der Bewegung liebt, mit mir laufen geht und am Berg wandert“, erklärt Frauchen Anna. <BR /><BR />Mika ist neugierig, quirlig und ständig auf Empfang. „Anfangs war ich mit ihr überfordert“, gibt Anna zu. Die junge Hündin wollte alles sehen, alles erkunden und am liebsten überall gleichzeitig sein. Genau das macht das Büro zu einer besonderen Herausforderung. Anna arbeitet deshalb intensiv mit ihr, nun auch mit Hundetrainer Andreas Hofer. Mika soll lernen, dass nicht jede Ablenkung wichtig ist und dass auch Ruhe eine Aufgabe sein kann. Die Fortschritte sind deutlich. „Ich kann sie inzwischen problemlos mit ins Büro nehmen“, sagt Anna. „Ich glaube, ich bekomme den Alltag mit ihr jetzt ganz gut hin.“<BR /><BR />In Annas Büro steht eine eigene Box – Mikas Rückzugsort, wenn der 100.000-Volt-Akku einmal Pause braucht. Nächstes Ziel: Mika soll Anna auch zu ihren Abendeinsätzen begleiten und dann unaufgeregt beobachten, wie die Eventbesucher bei Frauchen ihre Tickets abholen. Und natürlich begleiten die beiden Sophie und Sam bei den Gassi- und Spielrunden. Im Büro hingegen hat jeder Vierbeiner seinen eigenen Ruhebereich. <BR /><BR /> Und die Kollegen? Showtime-Chef Roland Barbacovi ist ohnehin bekennender Hundefreund. Lena Preims, eigentlich Katzenfreundin, hat sich inzwischen ebenfalls an die vierbeinigen „Kollegen“ gewöhnt.<BR /><BR />So unterschiedlich Sam und Mika auch sind: Im Büro haben beide ihren Platz gefunden. Der eine als souveräner Ruhepol, die andere als temperamentvolle Nachwuchskraft, die noch lernt, dass auch Nichtstun zu ihrem Job gehört. Zwei Hunde, zwei Charaktere, ein Büro – kurz: Ein Mix, der funktioniert.