<b>Herr Anders, Sie stehen seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne. Was begeistert Sie heute noch genauso wie am ersten Tag? </b><BR />Thomas Anders: Was mich immer noch begeistert, ist der Fakt, dass ich einfach wahnsinnig gerne vor Publikum auftrete und Menschen begeistere. Es ist ein absoluter Kick, auf der Bühne vor Menschen zu stehen, die die eigene Musik abfeiern und Lebensfreude haben. Dass ich den Menschen so etwas schenken kann, ist etwas ganz Wunderbares und macht mir heute noch Spaß.<BR /><BR /><b>Gab es einen Moment in Ihrer Karriere, bei dem Sie heute noch manchmal denken: „Ist das jetzt wirklich passiert?“ </b><BR />Anders: Es gab sicher mehrere Momente. Schon als Kind und Jugendlicher auf der Bühne habe ich gehofft, dass ich irgendwann einmal von diesem Beruf leben oder meine Familie ernähren kann. Und ich habe mir gewünscht, einmal im Leben eine goldene Schallplatte zu erhalten oder in den Charts zu sein. Dass ich mittlerweile über 430 Gold- und Platinauszeichnungen habe und derart viele Nummer-1-Hits über mehrere Jahrzehnte – das ist für mich das ganz große Wunder. Und das kann ich auch in meinem jetzigen Alter manchmal noch gar nicht glauben. Ich muss mich immer noch ein bisschen zwicken, dass mir das wirklich passiert ist.<BR /><BR /><b>Wenn Sie Ihrem 22-jährigen Ich einen Rat geben könnten – welcher wäre das? </b><BR />Anders: Das werde ich öfter gefragt. Ich würde meinem jüngeren Ich sagen: „Trau dich mehr, sei nicht so überlegt, mach auch verrücktere Dinge. Das Leben wird vieles richten. Solange du dir treu bleibst, kann dir im Grunde nichts passieren.“ Mit 22 Jahren ist man jung und hat noch nicht die Erfahrung, weshalb man viele Dinge vorsichtig angeht. Abgesehen davon, dass ich grundsätzlich kein Draufgänger bin, der sich einen Wasserfall hinunterstürzt, sondern erst einmal guckt, wo denn eine Treppe sein könnte (lacht).<BR /><BR /><embed id="dtext86-75866641_quote" /><BR /><BR /><b>Die Songs von Modern Talking werden heute von jungen Menschen auf TikTok und Co. entdeckt. Überrascht Sie das? </b><BR />Anders: Ja, total! Als wir vor über 40 Jahren mit Modern Talking angefangen haben, war natürlich nicht abzusehen, dass die Musik auch Jahrzehnte später immer noch ankommt – auch bei jungen Menschen. Das ist faszinierend zu beobachten und ich bin selbst am meisten überrascht, wenn plötzlich bei TikTok oder auf anderen Social-Media-Kanälen Songs wie „Cheri Cheri Lady“, „Brother Louie“ oder eben „You’re My Heart, You’re My Soul“ auftauchen. <BR /><BR /><b>Was glauben Sie: Warum funktionieren diese Songs immer noch? </b><BR />Anders: Tja, das ist wirklich das große Geheimnis. Ich glaube, es liegt auf jeden Fall an der Magie dieser Songs. Es sind Songs, die ein Lebensgefühl vermitteln und auch ein bisschen die guten 80er-Jahre wieder aufleben lassen. Die erleben sowieso gerade eine Renaissance, auch bei den jungen Menschen, und da gehört Modern Talking eben auch mit dazu. <BR /><BR /><b>Gibt es musikalisch noch etwas, das Sie unbedingt verwirklichen möchten? </b><BR />Anders: Natürlich möchte man verschiedene Dinge verwirklichen und ich habe in meinem Leben auch schon sehr vieles gemacht. Aber ich glaube: Mit einem großen Orchester aufzutreten, das wäre wirklich die Königsklasse.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75866642_quote" /><BR /><BR /><b>Was hört Thomas Anders ganz privat?</b><BR />Anders: Im Sommer höre ich sehr viel Chill-Lounge-Musik, die nebenbei läuft. Bei uns zu Hause läuft sowieso den ganzen Tag über Musik im Hintergrund. Im Auto höre ich auch mal Pop-Sender, aber zu Hause lasse ich mir meist über Spotify Playlists zusammenstellen – und da sind schon wirklich ganz tolle Perlen aufgetaucht.<BR /><BR /><b>Seit Februar 2026 existiert Bernd Weidung (wie Anders mit bürgerlichem Namen hieß, Anm. d. Red.) nicht mehr, nur noch Thomas Anders. War das ein Stück Identitätsverlust?</b><BR />Anders: Ja, das war schon ein Schritt. Das ist nichts, was leichtfertig passiert oder gesetzlich leicht umsetzbar ist. Ich werde in der Öffentlichkeit eben als Thomas Anders wahrgenommen – und wenn ich dann als Bernd Weidung aufgetaucht bin, hat das immer große Fragezeichen mit sich gebracht. Abgesehen davon, dass ich durch die neuen Datenschutzgesetze Probleme hatte, in ein Flugzeug zu steigen. Da wird neuerdings noch genauer abgeglichen, man kann keine zwei Namen mehr angeben. Und weil mein Leben dadurch nur komplizierter wurde, bin ich jetzt eben Thomas Anders.<BR /><BR /><b>Waren Sie schon einmal in Südtirol? </b><BR />Anders: Ja, natürlich, und ich fand es ganz traumhaft. Diese Kombination aus südlichem Flair, gepaart mit den Alpen, das ist für jemanden, der nördlich der Alpen geboren ist, etwas ganz Faszinierendes. Man sieht die Berge und denkt an Schnee. Doch dann sitzt man in Bozen unter Palmen – und sieht die schneebedeckten Alpen lediglich im Hintergrund. Das ist einfach sehr faszinierend.