Mehr als 350 Tierarten, die oft für lange Zeit nicht mehr zu sehen waren, wurden wiederentdeckt. Ein großer Teil dieser „Rückkehrer“ ist klein und auf dem ersten Blick unscheinbar. Doch auch große Tiere können für ein paar Jahrzehnte, Jahrhunderte oder gar Jahrmillionen scheinbar von der Bildfläche verschwinden. <BR /><BR />Ganze 70 Millionen Jahre galt beispielsweise ein Meeresbewohner als ausgestorben – doch dann war er plötzlich wieder da. Er ist das medial wohl am besten dokumentierte Beispiel für den Lazarus-Effekt im Tierreich. Denn es war eine Sensation, die sich 1938 nahe den Komoren in Afrika abspielte. Denn bis dato gab es rund 20 Fossilien des Meeresbewohners – allerdings alle zwischen 420 und 70 Millionen Jahre alt. Anschließend verlor sich jegliche Spur des <b>Quastenflossers</b>. Die Experten waren sich deshalb einig – gleich wie der größte Teil seiner Zeitgenossen ist diese Art des Knochenfischs längst ausgestorben.<BR /><BR /> Eine durchaus verständliche Annahme, die sich am 22. Dezember 1938 allerdings schlagartig änderte. In einem großen Fischfang wurde an diesem Tag nämlich ein 1,50 Meter langer, blauer und 52 Kilogramm schwerer Fisch entdeckt. Auffällig waren zudem die fleischigen Flossen des Tieres. Eine Expertin konnte den Fisch schließlich als Quastenflosser identifizieren. Es sei, als ob man auf einen Dinosaurier gestoßen sei, ließ die Forscherin damals ihrem Erstaunen freien Lauf. <BR /><BR />Anschließend wurden in der Gegend nach und nach weitere Exemplare gefunden. 1987 gelang es einem Team des Max-Planck-Institutes schließlich sogar erstmals den Quastenflosser in seinem natürlichen Lebensraum zu beobachten. 10 Jahre später wurde eine weitere Quastenflosser-Population nahe Indonesien bekannt – der „prähistorische Lazarus“ ist demnach noch weiter verbreitet als gedacht. <BR /><BR /><b>Takahe</b><BR /><BR />Für viele Tiere Australiens und Neuseelands war die Entdeckung der abgelegenen Inselwelt durch die Europäer eine Hiobsbotschaft. Die bis dato weitgehend vom Rest der Welt ungestört existierende Tier- und Pflanzenwelt der Region erlebte einen Schock, der sie tiefgehend verändern sollte. Diverse Tierarten starben in den folgenden Jahren aus. So auch dieser „schräge“ Vogel: Takahe sind flugunfähig und etwa so groß wie Gänse. So wurden sie für die neuen „Entdecker“ und ihre tierischen Begleiter zur idealen Beute. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="801428_image" /></div> <BR />Die Population nahm rasant ab. Seit 1894 galten die Tiere schließlich sogar als ausgestorben. Doch es zeigte sich, dass die Tiere noch ein Ass im Ärmel hatten: die neuseeländischen Alpen. Denn dorthin hatte sich eine Gruppe zurückgezogen, die 1948 von Geoffrey Orbell dort entdeckt wurde. Etwa 400 Takahe konnte er dort ausmachen – doch auch diese Gruppe war arg in Bedrängnis. Es fehlte an Futter – die Population sank auf unter 120 Exemplare. Erneut drohten die Vögel zu verschwinden. Doch dieses Mal gab es ein Rettungsprogramm. Invasive Fressfeinde wurden abgeschossen, Räuber bekämpft und Takahe nachgezüchtet. Zudem wurde Reservate für die Tiere geschaffen. So gibt es heute wieder mehr als 300 Exemplare.<BR /><BR /><b>Voeltzkow-Chamäleon</b><BR /><BR />Dieser „Lazarus“ hat ohnehin ein kurzes Leben: Denn ein Voeltzkow-Chamäleon hat eine kurze Lebensdauer. Denn die Tiere leben meist nur wenige Monate. Ihre Heimat ist die noch immer recht abgeschottete afrikanische Insel Madagaskar. Dort wurde die Chamäleon-Art 1983 erstmals von einem Naturwissenschaftler beschrieben. Anschließen allerdings verlor sich die Spur des kurzlebigen Tierchens nach und nach. Letzte Funde gab es im Jahr 1913, seitdem galten sie als ausgestorben. <BR /><BR />Diese Annahme änderte sich erst im Frühjahr 2018, als ein deutsch-madagassisches Biologenteam erstmals wieder lebende Exemplare beobachten konnten. Das über 100 Jahre lange verschwinden des Voeltzkow-Chamäleons erklären sich die Forscher in der Abgelegenheit seines Lebensraumes und der kurzen Lebenserwartung der Tiere. <BR /><BR /><b>Banggai-Kardinalbarsch</b><BR /><BR />Die „Wiederauferstehung“ ist aber nicht immer ein Segen. Für einige Tiere wird sie auch zum Fluch – so etwa für den Banggai-Kardinalbarsch. Gerade mal 8 Zentimeter lang und schwarz-weiß gezeichnet wurde 1933 erstmals erwähnt – anschließend galt er 60 Jahre lang als verschollen bzw. ausgestorben. Erst 1992 wurde er in einem kleinen Gebiet vor Indonesien wiederentdeckt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="801431_image" /></div> <BR />Die Freude war bei den Forschern groß – der Fundort und Fotos des Fischs wurden gleich publik. Im Nachhinein ein schwerer Schlag für die Tiere. Denn aufgrund ihrer schwarz-weißen Zeichnung und ihres Körperbaus wurde der Banggau-Kardinalbarsch zu einem beliebten Zierfisch. Dadurch entstand auch ein gefährlicher Schwarzmarkt-Handel mit den seltenen Tieren. Schon bald entdeckte die Polizei über 100.000 illegal gefangene Tiere. <BR /><BR />Die Wildtier-Bestände sind seit der Wiederentdeckung drastisch geschrumpft – so galt der Banggai-Kardinalbarsch als gefährdet. Doch dann wendete sich das Blatt: entkommene Tiere besiedelten neue Lebensräume und traten dort als invasive Art in Erscheinung. Es scheint so, als ob es besser gewesen wäre, wenn diese Art weiterhin im Verborgenen agiert hätte. <BR /><BR /><b>Chaco-Pekari</b><BR /><BR />Sie sind 30 bis 40 Kilogramm schwer und etwa 70 Zentimeter hoch – und dennoch konnte sich das Chaco-Pekari in Südamerika über Jahrzehnte vor allen menschlichen Augen verbergen. Denn die größte Nabelschweinart galt bis 1971 als ausgestorben. Bis dato waren nur Fossilfunde aus den 1930er-Jahren bekannt – ein lebendes Exemplar hatten Forscher noch nie zu Gesicht bekommen. <BR /><BR />Doch dann streifte 1971 eine Forschungsexpedition durch die argentinische Pampa und stand plötzlich vor einer Herde Chaco-Pekaris. Seither wurde ein Gebiet rund um Bolivien, Paraguay und Argentinien definiert, in denen die Tiere gesichtet wurden. Allerdings sind die Pekaris vom Aussterben bedroht, denn ihr Lebensraum fällt vermehr Rodungen für Viehweiden, Soja-Plantagen und Ähnlichem zum Opfer. Rund 3.000 Exemplare gibt es heute noch – einige von ihnen sind allerdings auch in großen Nationalparks angesiedelt. <BR /><BR /><b>Blattschuppige Seeschlange</b><BR /><BR />Zugegeben, unsere Ozeane sind ein riesiges Gebiet, in denen man schon mal jemanden aus den Augen verlieren kann. So geschehen etwa bei zwei Arten der Blattschuppigen Seeschlange. Allerdings ist auch zu erwähnen, dass diese beiden Arten einfach still und heimlich umgezogen sind. Denn entdeckt wurden sie in einem kleinen Gebiet in der Timorsee. Dort konnte man die seltenen Tiere noch in den 1990er-Jahren beobachten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="801434_image" /></div> <BR />Doch dann waren sie plötzlich verschwunden – keine Spur mehr von den gelbweißen Schlangen. 15 Jahre lang suchten Forscher rund um das Gebiet nach einem lebenden Exemplar – doch ihre Hoffnungen wurden ein ums andere Mal enttäuscht. Dann allerdings kam im Jahr 2015 eine Botschaft aus einem Gebiet, das hunderte Kilometer entfernt liegt. In Westaustralien wurden die „verlorenen“ Schlangenarten wiederentdeckt. Es hatte den Anschein, als hätten sie einfach ihren Lebensraum verlagert. Zudem zeigten die Tiere dort ein Verhalten, das die Forscher überraschte. Bis dato galten die Schlagen als Riffbewohner, in ihrem neuen Siedlungsgebiet lebten sie nun aber auch in Seegraswiesen. <BR /><BR /><b>Laotische Felsratte</b><BR /><BR />Asiatische Tiermärkte genießen in Europa einen zweifelhaften Ruf. Dass der Ursprungsort des Corona-Virus wohl auf eben einem solchen Markt zu finden ist, hat das Ansehen sicherlich nicht verbessert. Allerdings gab es auch schon vorher deutlich Kritik – schließlich werden dort häufig Tiere in schlechten Bedingungen gehalten, bedrohte Tierarten angeboten und auf westliche Hygiene-Standards verzichtet. <BR /><BR />Doch im Jahr 2005 wurde ein solcher Markt auch zur Fundgrube für einige Biologen. Denn als diese über einen Tiermarkt in Laos streiften, staunten sie nicht schlecht. Im Angebot fand sich nämlich auch eine Art, die gemeinhin als ausgestorben galt. Die kleinen, gegrillten Kadaver, die dort für wenig Geld Kunden angepriesen wurden, stammten nämlich von laotischen Felsratten. Die Wissenschaftler forschten schließlich weiter nach und entdeckten ein Jahr später auch erstmals lebende Exemplare – damit wurde der Beweis erbracht, dass die Tiere, die eigentlich nur von Fossilienfunden bekannt waren, noch immer unter uns weilen. Zuvor bestand die Annahme, dass sie seit 11 Millionen Jahren ausgestorben waren. Nun wurde auch eine weitere Population in Vietnam nachgewiesen. <BR /><BR />Von David Hofer