Mittwoch, 15. Juni 2016

"To leave or not to leave" - EU-Referendum spaltet die Briten

Das britische Pfund befindet sich bereits auf Talfahrt, die Banker in der Londoner City sind verunsichert, internationale Organisationen schlagen reihenweise Alarm. Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst eines britischen EU-Austritts. Die Welt fragt sich: Was ist bloß los mit den Briten?

Gehen sie oder bleiben sie? Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab.
Gehen sie oder bleiben sie? Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib in der EU ab. - Foto: © APA/AFP

Drinbleiben oder austreten? Am 23. Juni ist Schicksalstag für Großbritannien, für Europa – und für den britischen Premier David Cameron. Längst geht es nicht mehr um Vernunft und rationale Argumente, diffuse Ängste und gezielte Panikmache beherrschen den Wahlkampf.

Ob EU-Fans oder Brexit-Wortführer: Je näher der Tag des Referendums rückt, umso mehr greifen die Akteure zu leeren Sprechblasen, schrillen Anschuldigen und wilden Spekulationen.

Doch auch Cameron und die EU-Befürworter schießen scharf, schüren Ängste. Immer dreister beschwört der Premier Horrorszenarien, die mit einem Brexit angeblich unausweichlich über die Briten hereinbrechen werden: Preiserhöhungen, Exportprobleme, Rezession, Rentenkürzungen.

So viel Angstmache könnte beim Wähler unliebsame Trotzreaktionen hervorrufen, nach dem Motto: Jetzt stimmen wir erst recht für den Austritt.

Zahlreiche Wähler noch unentschlossen

Helle Aufregung herrscht in der Londoner City. Kaum eine Großbank, die nicht im Brexit-Fall schwere Turbulenzen fürchtet. Das Pfund stürzt ab, Banken wird der Zugang zu Europa erschwert, Frankfurt läuft London den Rang ab. Es dürfte kaum eine Großbank geben, die nicht schon an einem „Plan B“ bastelt.

„Löst ein Austritt wirklich alle Probleme?“, fragt ein britischer Rentner, der auf die Frage, was er denn wählt, ratlos die Arme in die Luft wirft. „Das weiß ich doch jetzt noch nicht.“ Sind die Bürokraten in Brüssel wirklich so schlimm, wie das Austrittslager behauptet? Bedrohen sie wirklich die Souveränität des Königreichs?

Die Krux: Auch Umfragen helfen nicht recht weiter. Zwar machen einige Erhebungen seit kurzem einen Trend zum Brexit aus. Doch noch sind viele Wähler unentschlossen. Die renommierte London School of Economics warnt, bis zu 30 Prozent der Wähler könnten noch in der Woche vor dem Votum ihre Meinung ändern.

Experten kennen das Syndrom: Bei Unabhängigkeitsvoten kriegen Wähler mitunter kurz vor dem Betreten der Wahlkabine Angst vor der eigenen Courage – und kreuzen dann doch „Drinbleiben“ an.

dpa

stol