Freitag, 30. März 2018

Tote beim „Marsch der Rückkehr“ im Gazastreifen

Bei den Massenprotesten im Gazastreifen sind nach Medienberichten zwei Palästinenser an der Grenze zu Israel getötet worden. Bereits zuvor war es beim sogenannten „Marsch der Rückkehr“ zu Zusammenstößen mit der israelischen Armee gekommen. Das Gesundheitsministerium in Gaza bestätigte am Freitag den Tod der Palästinenser zunächst nicht. In der Nacht zuvor war laut Ministerium ein Palästinenser an der Grenze von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden. Mindestens neun Palästinenser seien verletzt worden.

Bereits in den vergangenen Jahren kam es am 30. März zu Protesten in den Palästinensergebieten.
Bereits in den vergangenen Jahren kam es am 30. März zu Protesten in den Palästinensergebieten. - Foto: © APA/AFP

Nach palästinensischen Medienberichten kamen mehr als 20 000 Menschen zu dem „Marsch der Rückkehr“. Die radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein „Recht auf Rückkehr“ für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

Fotos zeigten am Freitagmorgen zahlreiche Zelte im Grenzgebiet, Menschen schwenkten palästinensische Flaggen. Demonstranten verbrannten Bilder von US-Präsident Donald Trump. Die USA hatten im Dezember einseitig Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt und damit den Zorn der Palästinenser auf sich gezogen. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat neben Israel.

Protesten an mehreren Orten 

Die israelische Armee sprach von Protesten an 6 verschiedenen Orten im Gazastreifen. Palästinenser würden brennende Reifen in Richtung der israelischen Soldaten rollen und Steine werfen, hieß es in einer Mitteilung. Die Soldaten würden gezielt auf Anstifter schießen. „Die Hamas-Terrororganisation gefährdet das Leben von Zivilisten“, schrieb die Armee. Sie sei verantwortlich für die gewaltsamen Proteste.

„Wir betonen, dass dieser Marsch friedlich ist“, hatte zuvor das führende Hamas-Mitglied Chalil al-Haja gesagt. Deswegen würden auch Frauen und Kinder an den Protesten teilnehmen. Die USA, die EU und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Sie hatte 2007 die Macht in dem Küstengebiet an sich gerissen.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman warnte die Menschen vor einer Annäherung an den Grenzzaun. „Jeder, der sich dem Zaun nähert, riskiert sein Leben“, schrieb Lieberman auf Twitter auf Arabisch. Die Armee hatte nach einem Bericht der israelischen Nachrichtenseite „ynet“ bereits vor den Protesten mehr als 100 Scharfschützen in der Nähe der Grenze postiert.

In der Nacht zum Freitag war ein Palästinenser nach Angaben des Gesundheitsministeriums von israelischen Soldaten erschossen worden. Die israelische Armee teilte mit, ein Panzer habe in der Nacht das Feuer auf zwei Verdächtige eröffnet, die sich im südlichen Teil des Küstengebietes dem Sicherheitszaun genähert hätten.

70. Jahre - Gründung Israels 

Die Proteste sollen bis zum 15. Mai dauern. Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700 000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem die US-Botschaft in Jerusalem eröffnen.

Das Auswärtige Amt hatte in dieser Woche in einer Sicherheitsinformation dazu aufgefordert, in den kommenden Tagen die Grenzregion zum Gazastreifen zu meiden. Auch in der Altstadt von Jerusalem werde zu erhöhter Vorsicht geraten, hieß es in der Mitteilung. Von Besuchen des Tempelbergs (Al-Haram al-Scharif: das edle Heiligtum) und seiner Umgebung werde am Karfreitag abgeraten.

Bereits in den vergangenen Jahren kam es am 30. März zu Protesten in den Palästinensergebieten. Am „Tag des Bodens“ gedenken die Palästinenser stets massiver Landenteignungen und sechs israelischer Araber, die am 30. März 1976 in dem Ort Sachnin von der israelischen Polizei getötet wurden. Sie hatten gegen die Beschlagnahmung arabischen Bodens protestiert.

dpa

stol