„90 Prozent der Täter sind männlich.“<BR /><BR />„Revenge Porn“ – zu Deutsch Racheporno – bezeichnet die absichtliche Verbreitung von intimen Bildern oder Videos einer Person ohne ihre Zustimmung. „Eine irreführende Bezeichnung“, bemängelt Dr. Andreas Conca, der am 25. November anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen an einer Diskussionsrunde zum Thema „Revenge Porn“ in der WFO Meran „Franz Kafka“ teilnahm. „Es geht nicht immer um Rache, und nicht jedes Foto oder Video enthält pornografischen Inhalt im klassischen Sinne.“ Mit dem Racheporno geht häufig die sogenannte „Sextortion“ einher: das Erpressen des Opfers mit intimen Inhalten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1106166_image" /></div> <BR /><BR />Was bringt jemanden dazu, eine solche Straftat zu begehen? „Einigen geht es um Rache, andere handeln aus reiner Bosheit, aber in den meisten Fällen steht das Gefühl von Macht und Dominanz dahinter“, stellt der Primar klar. „Der Täter baut ein krankhaftes Selbstwertgefühl auf.“ Da größtenteils Männer besagte Inhalte verbreiten, könnten laut Dr. Conca auch veraltete Rollenbilder eine Motivation darstellen. <BR /><BR />„Eine solche Erfahrung löst enormen Stress aus, zudem entstehen Scham- und Schuldgefühle“, erklärt Dr. Conca. Der Racheporno könne zudem Auslöser für Angstzustände sein. Diese schweren Folgen lassen sich häufig nur mit professioneller Hilfe verarbeiten – in manchen Fällen verfolgen sie das Opfer ein Leben lang.<h3> Langfristige und schwere Folgen für das Opfer</h3>„Vertrauensprobleme, die nach einer solchen Demütigung entstehen, sind besonders hartnäckig“, so Dr. Conca. „Im schlimmsten Fall ist das Opfer nicht mehr dazu fähig, eine Beziehung einzugehen.“ Wie schnell diese Erlebnisse verarbeitet werden, sei von Person zu Person unterschiedlich. Wichtig sei eines nicht zu vergessen: „Wir dürfen nicht die Person verurteilen, die auf den Bildern oder Videos zu sehen ist, aber dafür den Täter – leider ist in unserer Gesellschaft häufig das Gegenteil der Fall.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1106169_image" /></div> <BR /><BR />Sollte ein Familienmitglied, eine Freundin oder ein Freund Opfer von „Revenge Porn“ geworden sein, sei es wichtig, die betroffene Person nicht alleine zu lassen. „Das Opfer selbst sollte professionelle Hilfe in Erwägung ziehen“, rät Dr. Conca. Zudem sollte sich der oder die Betroffene laut dem Psychiatrie-Primar eine Auszeit gönnen. „Es ist wichtig, sich selbst Gutes zu tun“, sagt er. „Sei es das Gucken der Lieblingsserie, Sport treiben oder Zeit in der Natur verbringen.“<BR /><BR />Dass intime Fotos und Videos nicht weitergeleitet werden dürfen, erklärt sich von selbst – erhält man solcherlei Material, sollte man es nicht sofort löschen. „Es handelt sich um wichtiges Beweismaterial, mit dem sich der Empfänger schleunigst an die Postpolizei wenden sollte“, unterstreicht Dr. Conca. Leitet der Empfänger das Bild weiter, drohen auch ihm Strafen. <h3> Unterstützung und Selbstfürsorge sind A & O</h3>Wie diese ausfallen, weiß Kolis Summerer, Professorin für Strafrecht an der Uni Bozen. „Dem Täter drohen Geldstrafen von 5000 bis 15.000 Euro sowie eine Freiheitsstrafe von einem bis 6 Jahren“, informiert sie. „Unter gewissen Umständen werden die Konsequenzen verschärft.“ Festgeschrieben sind die Strafen im Hinblick auf „Revenge Porn“ erst seit der Einführung des Gesetzespakets gegen Gewalt an Frauen „Codice Rosso“ im Jahr 2019. „Zuvor hat es keine eigene Norm gegeben – Urteile waren sehr konfus“, blickt Summerer zurück.<BR /><BR />Bereits vor der Einführung des Codice Rosso leitete Kolis Summerer das „Creep Project“ in die Wege. „Ziel war es, herauszufinden, wie das Phänomen Racheporno gesetzlich am besten gehandhabt wird“, erzählt die Uni-Professorin. „Wir haben uns an anderen Ländern orientiert und überprüft, wie diese es regeln.“ Zudem wurde im Rahmen des „Creep Project“ eine gesamtstaatliche Umfrage durchgeführt – die Daten sind zurzeit in Arbeit.