Freitag, 12. Januar 2018

Trump sagte Besuch in Großbritannien ab

Angeblich aus Ärger über den neuen Standort der US-Botschaft in London hat US-Präsident Donald Trump eine Reise nach Großbritannien abgesagt. Dort sollte er die hochmoderne, stark gesicherte diplomatische Vertretung im Februar offiziell eröffnen. Seine Absage führte zu einem Eklat unter britischen Politikern.

Donald Trump sagte den Großbritannien-Besuch überraschend ab.
Donald Trump sagte den Großbritannien-Besuch überraschend ab. - Foto: © APA/AFP

Downing Street bemühte sich um Schadensbegrenzung: Trump sei nach wie vor willkommen in Großbritannien und die Beziehung zu den USA stark.

Wachsfigur von Trump

Mitarbeiter des Londoner Wachsfiguren-Kabinetts Madame Tussauds packten angesichts des Hickhacks eine Trump-Figur ein und stellten sie vor der neuen Botschaft auf. In Windeseile scharten sich Menschen um die Wachsfigur und machten Selfies.

Trump twitterte, er sei kein großer Fan von der unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama getroffenen Entscheidung, den bisherigen Sitz der Botschaft in bester Lage für „Peanuts“ zu verkaufen und eine neue Botschaft für 1,2 Milliarden Dollar (etwa 1 Milliarde Euro) an einem abseitigen Ort zu bauen. „Schlechter Deal. Da werde ich kein Band durchschneiden!“, schrieb er in der Nacht zum Freitag.
Der Tweet enthält einen peinlichen Schnitzer: Berichte über die neue Botschaft in London gab es schon im Oktober 2008 – damals war der Demokrat Obama aber noch gar nicht im Amt. Trumps republikanischer Parteifreund George W. Bush war zu der Zeit Präsident der USA.

Grund für Trumps Absage könnten nach Angaben von Politikern und britischen Medien auch befürchtete Massenproteste sein. „Er hat die Botschaft verstanden“, teilte Londons Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour Party am Freitag triumphierend mit. Viele Briten seien nicht mit Trumps Politik einverstanden. Jetzt bestätige sich, was für ein Fehler es von Premierministerin Theresa May gewesen sei, Trump übereilt zu einem Staatsbesuch einzuladen.
Fraglich ist, ob der US-Präsident in diesem Jahr noch zum offiziellen Staatsbesuch nach Großbritannien kommen wird. Die britische Premierministerin Theresa May hatte Trump nach dessen Amtsantritt im Jänner 2017 als erste weltweit führende Politikerin im Weißen Haus besucht und die Einladung ausgesprochen. Dies stieß auf heftigen Protest in Großbritannien; Massendemonstrationen werden erwartet. Ein Regierungssprecher in London sagte am Freitag, die Einladung sei nach wie vor gültig, nannte aber keinen Zeitpunkt.

Trump-Besuch mit Kutschfahrt mit der Queen verbunden 

Besonders pikant: Bei dem Staatsbesuch soll Trump auch von Königin Elizabeth II. empfangen werden und in einer vergoldeten Kutsche mit ihr auf einer Prachtstraße fahren. Auch ein gemeinsames Dinner ist geplant. Viele Briten halten das schon seit längerem für unangemessen und wollen den Besuch daher herabstufen. Die Regierung lehnt das ab.
apa/dpa/afp

stol