Donnerstag, 07. Januar 2016

Türkei: Blutige Offensive gegen die PKK

Europa schweigt, während der Kurden-Konflikt in der Südosttürkei eskaliert. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Gewalt auf den Westen des Landes mit Metropolen wie Istanbul übergreifen könnte. Militante Kurden drohen mit Angriffen auf den Staat – im ganzen Land.

Foto: © APA/EPA

Das türkische Tourismusministerium nennt Diyarbakir eine „fabelhafte Stadt“ und einen „Treffpunkt verschiedener Kulturen“; ausdrücklich preist das Ministerium die Feierlichkeiten in der Kurden-Metropole an. Doch in Diyarbakir ist schon lange niemandem mehr zum Feiern zumute.

Im Zentrum der Millionenstadt kommt es seit vergangenem Monat nicht zum freundlichen Austausch der Kulturen, sondern zu schweren Gefechten zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Der Südosten der Türkei droht in einen Bürgerkrieg zu schlittern, der auch den Westen des Nato-Partners und EU-Beitrittskandidaten erfassen könnte.

Armee: 300 Terroristen „neutralisiert“

Im Viertel Sur in Diyarbakir gilt seit dem 2. Dezember eine Ausgangssperre, in den Städten Cizre und Silopi seit dem 14. Dezember. Dort gehen Sicherheitskräfte unter anderem mit Kampfpanzern gegen Anhänger der PKK-Jugendorganisation YDG-H vor, die bewaffnet sind und Widerstand leisten. Die pro-kurdische Partei HDP zählt seit Beginn der Ausgangssperren rund 70 getötete Zivilisten in Sur, Cizre und Silopi.

Die Armee gibt an, dass sie dort insgesamt etwa 300 Terroristen „neutralisiert“ habe. Und die Armee vermeldet inzwischen fast jeden Tag, dass wieder ein Soldat zum „Märtyrer“ geworden sei.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht, das Militär hat die Städte abgeriegelt.

dpa

stol