Freitag, 12. Mai 2017

Türkei: Razzia gegen Istanbuler Börse

Fast zehn Monate nach dem Putschversuch in der Türkei sind bei landesweiten Razzien gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger innerhalb der Istanbuler Börse 57 Verdächtige festgenommen worden.

Bei landesweiten Razzien in der Türkei wurden am Freitag zahlreiche Gülen-Anhänger festgenommen.
Bei landesweiten Razzien in der Türkei wurden am Freitag zahlreiche Gülen-Anhänger festgenommen. - Foto: © shutterstock

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Freitag, bei dem Einsatz in mindestens sechs Provinzen des Landes werde nach weiteren 45 Verdächtigen gefahndet. Die Razzia dauerte an.

Anhänger der Gülen-Bewegung betroffen

Den Verdächtigen wird Anadolu zufolge vorgeworfen, in den vereitelten Putsch im Juli verwickelt gewesen zu sein. Die Regierung in Ankara geht seitdem mit massenhaften Festnahmen gegen vermeintliche Gegner und mutmaßliche Unterstützer der Revolte vor. Die Türkei vermutet, dass der in den USA im Exil lebende Prediger Fethullah Gülen hinter dem Putschversuch steckt, was dieser jedoch bestreitet.

Mitarbeiter der Börse sollen ByLock verwendet haben

Wie die Zeitung „Habertürk“ auf ihrer Internetseite berichtete, richteten sich die Razzien am Freitag gegen frühere Mitarbeiter der Istanbuler Börse.

Ihnen wird demnach vorgeworfen, den verschlüsselten Kurzmitteilungsdienst ByLock genutzt zu haben, der laut der Regierung eigens für die Gülen-Anhänger entwickelt wurde. Sie sollen zudem Transaktionen für die Bank Asya ausgeführt haben, die einst zur Gülen-Bewegung gehörte und 2015 von der Regierung unter Zwangsverwaltung gestellt worden war.

Seit dem Putschversuch im Juli wurden in der Türkei bereits zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen. Erst Ende April hatte die islamisch-konservative Regierung fast 4.000 weitere Staatsbedienstete entlassen. Auch die Polizei entließ mehr als 9.100 Beamte, weil sie Verbindungen zum Gülen-Netzwerk haben sollen.

Mehr als 47000 dieser Verdächtigten sitzen nach Regierungsangaben in Untersuchungshaft. 

apa/afp

stol