Donnerstag, 02. Juni 2016

Türkischer Minister bringt Völkermord-Resolution in Nazi-Zusammenhang

Der türkische Justizminister Bekir Bozdag hat Deutschland wegen der Judenvernichtung der Nazis das Recht auf die Völkermordresolution zu den Massakern an den Armeniern abgesprochen.

Foto: © APA/AP

„Erst verbrennst Du die Juden im Ofen, dann stehst Du auf und klagst das türkische Volk mit Genozidverleumdungen an“, sagte Bozdag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Mit Blick auf Deutschland fügte er am Donnerstag im zentralanatolischen Sorgun hinzu: „Kümmere Dich um Deine eigene Geschichte.“ Die in der Resolution enthaltenen Genozid-Vorwürfe seien eine „Verleumdung“ des Volkes, des Staates, der Geschichte und der Vorfahren der Türken.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier gab unterdessen seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich aus der „Völkermord“-Resolution des Bundestags keine dauerhafte Belastung im Verhältnis zur Türkei entwickelt. Bei einem Besuch in Argentinien sprach Steinmeier am Donnerstag von einer „unabhängigen Entscheidung des Bundestags“, auf die die Türkei „erwartungsgemäß“ reagiert habe.

„Ich hoffe, dass es uns gelingt, die nächsten Tage und Wochen miteinander so zu gestalten, dass es zu keinen Überreaktionen kommt.“

Wegen der fast einstimmig verabschiedeten Resolution, mit dem die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor einem Jahrhundert als Völkermord bezeichnet wurden, hatte die Türkei ihren Botschafter aus Berlin zurückgerufen. Zudem wurde der Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Ankara zum Gespräch ins Außenministerium einbestellt. Steinmeier selbst nahm wegen seiner Lateinamerika-Reise an der Abstimmung nicht teil.

apa

stol