Donnerstag, 19. Oktober 2017

„Tunesier auf Sizilien werden sich selbst überlassen“

Die in der sizilianischen Stadt Agrigent beheimatete Hilfsorganisation „Mare Amico“ schlägt Alarm wegen der wachsenden Zahl tunesischer Migranten, die mit Fähren aus Lampedusa auf Sizilien landen. Nach der Ankunft auf Sizilien seien Dutzende Migranten sich selbst überlassen, klagte der Verband.

Foto: © LaPresse

„Täglich landen Dutzende tunesische Migranten auf Lampedusa. Nach einigen Tagen im Hotspot der Insel werden sie mit einer Fähre nach Sizilien gebracht, wo sie im Hafen von Porto Empedocle bei Agrigent mit Broten und einer Ausweisungsaufforderung sich selbst überlassen werden. Die Migranten müssten in einer Woche Italien auf eigene Kosten verlassen, keiner tut es“, so der Verband.

„Mare Amico“ postete Bilder von Tunesiern, die in der Nacht zu Fuß auf den Straßen der Provinz Agrigent unterwegs sind. „Das ist das Schicksal der Tunesier, die in Italien eintreffen“, so der Verband.
Weil zuletzt vermehrt Flüchtlinge von Tunesien aus versucht haben, mit Booten nach Italien zu kommen, verhandelt die italienische Regierung mit Tunis, um die Zahl der Rückführungen tunesischer Migranten zu erhöhen. Dementsprechende Gespräche liefen am Donnerstag in Rom, bestätigte das italienische Innenministerium.

Italien hat zwar mit Tunesien ein Rückführungsabkommen abgeschlossen, dies sieht aber nur die Rückübernahme von maximal 30 Personen pro Woche vor. In den vergangenen Wochen kamen aber wöchentlich deutlich mehr als 30 Tuensier nach Italien. Das Land plant daher die Einrichtung eines Hotspots zur Identifizierung von Migranten auf der Insel Pantelleria, die in Luftlinie nur 76 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt liegt. Ziel sei, dass tunesische Migranten direkt von Pantelleria aus abgeschoben werden, hieß es in Rom.

apa

stol