Freitag, 03. Juni 2016

Über 130 Festnahmen im Iran wegen Alkohols und Feierns

Erneut sind im Iran einem Medienbericht zufolge dutzende feiernde Menschen wegen Verstößen gegen islamische Regeln festgenommen worden.

Symbolbild.
Symbolbild. - Foto: © shutterstock

Wie die Nachrichtenagentur Mizanonline am Freitag meldete, wurden am Donnerstagabend 40 Männer und 30 Frauen in einem Restaurant in Farahzad nahe der Hauptstadt Teheran von der Polizei festgenommen. Von ihnen hätten 26 Männer und sechs Frauen Alkohol getrunken, außerdem seien „sechs Bisexuelle“ unter den Festgenommen.

Dem Bericht zufolge gab es außerdem bei einer anderen Party in der südlichen Hafenstadt Bandar Abbas 62 weitere Festnahmen. Dafür nannte Mizanonline aber kein genaues Datum. In der Islamischen Republik ist es Männern und Frauen verboten, gemeinsam zu tanzen. Alkohol ist für Muslime grundsätzlich tabu.

Mehrere Vorfälle in jüngster Zeit

In der jüngsten Vergangenheit war es im Iran mehrfach zu Festnahmen junger Menschen gekommen, die gegen das islamische Recht verstoßen hatten. So waren Ende Mai 30 Studenten, die gemeinsam ihren Hochschulabschluss gefeiert hatten, zu je 99 Peitschenhieben verurteilt worden. Die Strafe wurde umgehend vollstreckt. Ebenfalls Ende Mai kamen acht Menschen wegen der Verbreitung „obszöner Musik“ in Haft.

Der als gemäßigt geltende Präsident Hassan Rouhani setzt sich seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren für eine Öffnung der Gesellschaft ein und hat sich für die Lockerung der sozialen und kulturellen Kontrollen ausgesprochen. Allerdings hat der Präsident keine Kontrolle über die Justiz sowie Teile der Sicherheitsdienste.

7.000 Zivilpolizisten informieren über "moralische Vergehen"

Wie aus dem jüngsten Iran-Report der Heinrich-Böll-Stiftung hervorgeht, hatte Revolutionsführer Ali Khamenei bei einem Empfang der Polizeiführung am 8. Mai Medienberichten zufolge ein hartes Vorgehen der Ordnungskräfte gegen Missachtungen von moralischen Vorschriften gefordert.

Die Polizei wiederum gab bekannt, 7.000 Zivilpolizisten in der Hauptstadt Teheran unter die Bevölkerung geschickt zu haben, um besser über moralische Vergehen informiert zu werden.

apa/afp

stol