Donnerstag, 18. Februar 2016

"Übersetzung von Straßennamen ist gesetzlich nicht vorgeschrieben"

Auf Einladung der Regionalratsfraktion der Süd-Tiroler Freiheit hielt der Sprachwissenschaftler Cristian Kollmann unlängst in Bozen einen Vortrag über „die Übersetzbarkeit von Straßennamen in Süd- und Welschtirol aus gesetzlicher und linguistischer Perspektive“. Während des Vortrags appellierte er an die Südtiroler Gemeinden, nach dem Vorbild Welschtirols eine wissenschaftliche Vorgehensweise bei der Übersetzung von Straßennamen zu finden.

Vorne am Pult von links: Bernhard Zimmerhofer (Sprecher der Regionalratsfraktion der STF), Barbara Klotz (Sekretärin der Regionalratsfraktion), Cristian Kollmann (Pressesprecher der Landtagsfraktion der STF und Sprachwissenschaftler).
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Vorne am Pult von links: Bernhard Zimmerhofer (Sprecher der Regionalratsfraktion der STF), Barbara Klotz (Sekretärin der Regionalratsfraktion), Cristian Kollmann (Pressesprecher der Landtagsfraktion der STF und Sprachwissenschaftler).

Kollmann erklärte, dass die Ladiner sowohl in Süd- als auch in Welschtirol, aber auch die Fersentaler und Luserner in Welschtirol, nur einsprachig ladinische bzw. einsprachig fersentalerische und zimbrische Straßennamen führten. Er plädierte dafür, dass für die deutschen Gemeinden Südtirols nach demselben Muster zu verfahren sei, da dieses das einzig richtige sei.

In Südtirol stelle sich die Situation nämlich so dar, dass Unsicherheit und Missverständnisse über die Übersetzbarkeit nicht nur von Orts- und Flurnamen, sondern auch von Straßennamen bestünden. Dies habe zur Folge, dass jede Gemeinde nach eigenem Gutdünken Straßennamen ins Italienische übersetze, teilübersetze oder einzig auf Deutsch oder Ladinisch führe.

Die Übersetzung von Straßennamen sei gesetzlich nicht vorgeschrieben, und erst recht, so Kollmann, gebe es keine diesbezügliche linguistische Grundlage. Die Funktion von Namen bestehe nämlich, anders als bei Wörtern, zu bezeichnen und nicht zu bedeuten. Namen, selbst wenn diese wie Wörter klingten, seien nicht einfach so übersetzbar.

Kollmann wünscht sich, dass die Südtiroler Gemeinden ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien vorgehen. Lobend hebt er das Beispiel „Dorfstraße“ in der Gemeinde Pfalzen hervor, weil der Straßenname dort unübersetzt vorkomme. Doch in der Mehrheit der Fälle erscheine die Dorfstraße übersetzt als „via Paese“, „via del Paese“, seltener seien die Übersetzungen „via del Borgo“, „via del Villaggio“ und „via Centrale“. „Alles zu aufgesetzt und daher überflüssig!“, urteilt Kollmann, denn das Konzept der Dorfstraße habe im Italienischen keine genaue Entsprechung und sei daher nicht übersetzbar! Die „via (del) Paese“ sei nichts anderes als eine „Wort-für-Wort-Übersetzung“, die im Italienischen keinen Sinn ergebe und daher außerhalb von Südtirol gar nicht zu finden sei.

Süd-Tiroler Freiheit, Bozen

stol