Dienstag, 13. Februar 2018

Umstrittener israelischer Parlamentarier besucht Strache und Kneissl

Die FPÖ-Spitze bemüht sich, den antisemitischen Ruf, welcher der Partei in Israel anhaftet, abzuschütteln. Da die israelische Regierung FPÖ-Minister nach wie vor boykottiert und keine Kontakte auf höchster Ebene pflegt, gelingt das den Freiheitlichen nur auf inoffiziellem Wege: Derzeit ist der israelische Abgeordnete der rechten Regierungspartei Likud, Yehuda Glick, auf Österreich-Tour.

Außenministerin Karin Kneissl und der israelische Likuid Abgeordnete Yehuda Glick trafen sich am Dienstag in Wien.
Außenministerin Karin Kneissl und der israelische Likuid Abgeordnete Yehuda Glick trafen sich am Dienstag in Wien. - Foto: © APA

Glick ist in Israel umstritten, weil er für einen freien Zugang der Juden zum Tempelberg kämpft und damit mit Muslimen auf Konfrontation geht. Er tritt seit Jahren dafür ein, die Al-Aqsa-Mosche in Jerusalem zerstören zu lassen, um auf dem Platz einen neuen jüdischen Tempel zu errichten. 2014 wurde Glick auf offener Straße von einem Palästinenser angeschossen und schwer verletzt.

Nach einem laut Glick mehr als einstündigen Gespräch mit FPÖ-Vizekanzler Heinz Christian Strache am Dienstag hat der israelische Mandatar FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und die von der FPÖ nominierte, parteilose Außenministerin Karin Kneissl im Parlamentsklub getroffen.

„Ich bin hier, um die Beziehungen zwischen Österreich und Israel zu stärken“, sagte Glick bei seiner Ankunft. „Es ist ein offizielles Gespräch“, konstatierte die Ministerin, da Glick ein Vertreter der Likud-Partei in der israelischen Knesset sei. Auf die Frage hin, ob der Parlamentarier in seinem Land nicht zu umstritten sei, um offizielle Kontakte auf Ministerebene zu ihm zu pflegen, sagte Kneissl, sie erlaube sich keine Einschätzung der israelischen Politik.

Strache ist bemüht Israel-freundlich zu sein 

Von Seiten der israelischen Botschaft in Wien gab es zu dem ersten Polit-Besuch aus Israel seit Amtsantritt der neuen Regierung auf APA-Anfrage keinen Kommentar. Die Politik der Regierung Israels war bisher, keine offiziellen Kontakte zur FPÖ zu pflegen. Anfang Februar hieß es aus der Botschaft, der Umgang mit der neuen Regierung soll vom israelischen Außenministerium „neu bewertet“ werden. Bis dahin solle es in den Ministerien, in denen ein FPÖ-Minister an der Spitze stehe, „nur Kontakte zu den Beamten geben“. Von 2000 bis 2004 zog Israel seinen Botschafter aus Wien ab, nachdem Jörg Haider an der Seite von Wolfgang Schüssel in die Regierung eingetreten war. Diesmal kam es mit Regierungseintritt der Freiheitlichen unter Strache nicht zu diesem Schritt.

Das Büro des israelischen Premiers sei nicht von der Reise Glicks nach Österreich informiert worden, schrieb die englischsprachige Zeitung „The Jerusalem Post“ in der Nacht von Montag auf Dienstag. Der Politiker sei aber auch nicht öffentlich dazu aufgefordert worden, sein Treffen abzusagen.

Die FPÖ sei eine extrem rechte Partei, die für ihre antisemitischen und ihre Nazi-Wurzeln bekannt sei, hieß es in der linksliberalen israelischen Zeitung „Haaretz“. Kritiker meinen dem Bericht zufolge, die Partei habe sich bis heute nicht von ihrer Vergangenheit gelöst, während Strache sich seit Jahren bemühe, sich als Israel-freundlich darzustellen.

apa

stol