Donnerstag, 25. Januar 2018

Umstrittenes Gedenken an Hitler-Verbündeten in Budapest abgesagt

Die umstrittene Gedenkmesse in Budapest an den ungarischen Hitler-Verbündeten Miklos Horthy ist von den Veranstaltern abgesagt worden. Pfarrer Zoltan Osztie betonte gegenüber dem christlichen Blog „Szem-Lelek“ in einem Interview am Donnerstag, die Organisatoren hätten nicht daran gedacht, dass die jährliche Veranstaltung heuer auf den Holocaust-Gedenktag, den 27. Jänner, fallen würde.

Die umstrittene Gedenkmesse in Budapest fällt wegen Holocaust-Gedenktag aus.
Die umstrittene Gedenkmesse in Budapest fällt wegen Holocaust-Gedenktag aus. - Foto: © APA/DPA

„Ich hatte (...) nachgeschaut, welcher Samstag noch frei wäre. Dieses Wochenende stand am nächsten zum Todestag von Miklos Horthy (am 9. Februar, Anm.), wir hatten in den vergangenen Jahren immer das Gedenken zu dieser Zeit veranstaltet“, sagte Osztie. Die katholische Messfeier in Gedenken an den Protestanten Horthy hätte in der Innerstädtischen Pfarrkirche (Belvarosi Plebaniatemplom), wo Osztie als Pfarrer fungiert, an der Elisabethbrücke stattfinden sollen.

Das von der Vereinigung christlicher Intellektueller (KESZ) geplante Gedenken hatte heuer wegen des Datums am Tag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz zu Protesten jüdischer Organisationen – darunter auch des Jüdischen Weltkongresses – geführt. Zudem hätte Parlaments-Vizepräsident Sandor Lezsak im Anschluss an die Messe eine Ansprache halten sollen. Der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Ungarn (MAZSIHISZ), Andras Heisler, hatte daraufhin den Organisatoren vorgeworfen, sie träten die Erinnerung an alle ungarischen Opfer des Holocaust „mit Füßen“.

Die Gestalt von Miklos (Nikolaus) Horthy gehört zu den umstrittensten der ungarischen Geschichte. Der frühere Admiral der k.u.k.-Marine war von 1919 bis 1944 als sogenannter Reichsverweser des Königreichs Ungarn faktisches Staatsoberhaupt des Landes, wo er ein konservativ-autoritär geprägtes Regime errichtete. Unter ihm verbündete sich Ungarn mit Nazideutschland. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im März 1944 nahmen die ungarischen Sicherheitskräfte sehr aktiv an der Deportation Hunderttausender Juden aus der Provinz in die NS-Vernichtungslager teil, wo 600.000 von ihnen ermordet wurden. Im Juli 1944 stoppte Horthy allerdings die Deportationen wieder, wodurch immerhin der Großteil der 200.000 Budapester Juden gerettet wurde.

Im Oktober 1944 machte der Reichsverweser dann einen missglückten Absprungversuch, wurde daraufhin von den Deutschen abgesetzt, außer Landes gebracht und durch den den Nazis nahestehenden Pfeilkreuzler-Führer Ferenc Szalasi ersetzt. Horthy starb 1957 im portugiesischen Exil.

Nach dem Ende des Kommunismus in Ungarn hat es von konservativer wie rechtsextremer Seite immer wieder Bestrebungen gegeben, Horthy zum „Helden“ zu stilisieren und ihn als „Opfer“ der Umstände darzustellen.

apa

stol