Montag, 12. März 2018

UNICEF: 2017 um 50 Prozent mehr syrische Kinder gestorben als 2016

2017 war bisher das schlimmste Jahr für Kinder in Syrien: 910 Todesfälle und 361 Verwundungen von Mädchen und Buben haben die Vereinten Nationen (UNO) verzeichnet – eine Steigerung um 50 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Die Dunkelziffer dürfte sogar deutlich höher liegen. Im Jänner und Februar 2018 sind Berichten zufolge bereits über 1000 syrische Kinder getötet oder verletzt worden.

Im Jänner und Februar 2018 sind Berichten zufolge bereits über 1000 syrische Kinder getötet oder verletzt worden.
Im Jänner und Februar 2018 sind Berichten zufolge bereits über 1000 syrische Kinder getötet oder verletzt worden.

Wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des UN-Kinderhilfswerkes (UNICEF) hervorgeht, hat sich die Situation der Kinder in Syrien im siebenten Kriegsjahr immer weiter verschlimmert. Von den 200.000 Kindern, die im belagerten Gebiet Ost-Ghouta mit ihren Eltern ausharren müssten, seien 40 Prozent chronisch unterernährt. In ganz Syrien seien derzeit rund 8 Millionen Kinder auf Hilfe angewiesen.

UNICEF-Helfern zufolge haben über 1,5 Millionen Menschen in Syrien bleibende psychische oder körperliche Schäden erlitten. „Kinder mit Behinderungen sind unter den Benachteiligten am meisten benachteiligt", sagte Geert Cappelaere, UNICEF-Regionaldirektor für den Mittleren Osten und Nordafrika. „Sie sind der sehr realen Gefahr ausgesetzt, übersehen und ausgegrenzt zu werden, während der Krieg unerbittlich weitergeht.“ UNICEF versucht mit verschiedenen Hilfsprojekten in der Region, behinderten Kindern eine neue Perspektive zu geben, durch Musik, Kunsttherapie und Hilfen, die ihnen eine Rückkehr zur Schule ermöglichen. „Wir schätzen, dass als Folge dieses Krieges schon jetzt etwa 750.000 Kinder mit Behinderungen leben müssen“, so Cappelaere.

Über die Hälfte lebt als Flüchtling im Ausland oder ist intern vertrieben

Über die Hälfte der Bevölkerung lebt entweder als Flüchtling im Ausland oder ist intern vertrieben. UNICEF zufolge gibt es in Syrien heute 86.000 Menschen, denen als Folge des Krieges Gliedmaßen amputiert werden mussten. UNICEF warnt, der fehlende Zugang zu guter medizinischer und psychologischer Behandlung führe oft dazu, dass sich Kriegsversehrte aus Syrien langsamer von ihren Verletzungen erholen würden oder sich ihr Zustand sogar verschlechtern würde.

Den Angaben von UNICEF zufolge schickten die Konfliktparteien des syrischen Bürgerkrieges im Vorjahr mindestens 900 Minderjährige in den Kampf. Ein Viertel der sogenannten Kindersoldaten war jünger als 15 Jahre. UNICEF erfuhr im gleichen Zeitraum von 244 Kindern, die festgenommen worden sind. 2016 seien für Notleidende in Syrien und syrische Flüchtlinge in der Region 8,7 Millionen Euro bei UNICEF eingegangen. Die Spendenbereitschaft sei 2017 etwas zurückgegangen. Das Ausmaß der Krise – und damit auch der finanzielle Bedarf – sei allerdings weiter gewachsen.

apa/dpa/afp

stol