Mittwoch, 13. Dezember 2017

UNO-Ankläger fordern nun 28 Jahre Haft für Seselj

Die Ankläger des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien (ICTY) haben in der Berufung eine 28-jährige Haftstrafe für den serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj beantragt. Dies berichtete am Mittwoch der TV-Sender N1. Zuvor war von 40 Jahren Haft die Rede gewesen. Als Alternative wurde von den Anklägern eine Prozesswiederholung vorgeschlagen.

Ultranationalist Seselj zeigt sich von Den Haag unbeeindruckt Foto: APA (AFP)
Ultranationalist Seselj zeigt sich von Den Haag unbeeindruckt Foto: APA (AFP)

Seselj war Ende März 2016 von Vorwürfen freigesprochen worden, Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und in der nordserbischen Provinz Vojvodina begangen zu haben. Das Berufungsverfahren wird vor der Nachfolgeinstitution des UNO-Tribunals geführt, das seine Tätigkeit bereits abgeschlossen hat. Seselj wird auch dieses Verfahren boykottieren.

”Das Haager Tribunal interessiert mich nicht”, versicherte der Ultranationalist gegenüber einem Belgrader TV-Sender am Mittwoch. Auch werde er nie freiwillig nach Den Haag zurückkehren, präzisierte der Politiker, der Ende 2014 nach elf Jahren Haft aus Gesundheitsgründen freigelassen worden war. Man könnte ihn „nur gefesselt in einem Käfig” an Den Haag überstellen, erläuterte Seselj. Er warte auf die Zustellung des rechtskräftigen Urteils per Post. Alles andere interessiere ihn nicht.

Seselj hatte sich wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Zwangsvertreibung während der Balkankriege zu verteidigen. Der einstige politische Ziehvater des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic ist mittlerweile wieder politisch aktiv. Er sitzt für die Serbische Radikale Partei (SRS) im serbischen Parlament.

apa

stol