Dienstag, 23. Juni 2015

UNO: Kurioses, das Sie (vielleicht) noch nicht wussten

Schnee, der nach oben fällt, Kokain in der Post und falsche Könige: Die Vereinten Nationen werden 70 und sie gehören zu den bekanntesten Organisationen der Welt. Gleichwohl gibt es noch einige Dinge, die sich wohl noch nicht unter jedermann herumgesprochen haben.

Das UNO Hauptquartier in New York wurde kostenintensiv saniert.
Das UNO Hauptquartier in New York wurde kostenintensiv saniert. - Foto: © STOL

Am 26. Juni 1945 wurde die UNO gegründet, die Charta trat am 24. Oktober in Kraft - der auch offizieller Feiertag der Vereinten Nationen ist. Doch hier nun ein paar Kuriositäten aus 70 Jahren UN (STOL hat aus diesem Anlass auch über Verdienste und Versagen der UNO berichtet):

1. Eigene Briefmarken, aber nur ein Aufgabeort

Die Vereinten Nationen haben eigene Briefmarken. Wer nach einem Besuch des UN-Hauptquartiers davon per Postkarte berichten möchte, sollte diese aber noch auf dem UN-Gelände einstecken. Denn mit den Briefmarken der UN kann man zwar Post in die ganze Welt verschicken, eingeworfen werden müssen sie aber noch auf dem UN-Gelände. Auf der anderen Straßenseite ist schon wieder USA, da gelten andere Marken.

Auch in den UNO-Verwaltungsgebäuden in Genf und Wien sind die Briefmarken erhältlich. In New York werden sie in Dollar bezahlt, in Genf in Schweizer Franken und in Wien in Euro.

2. Ein Stück Mauer aus Deutschland und ein Lendenschurz für einen Russen

Die UN haben ein Stück Berliner Mauer. Die Segmente waren ein Geschenk Deutschlands und stehen etwas abseits, gleich neben der russischen Plastik „Schwerter zu Pflugscharen“, ein in der DDR argwöhnisch beäugtes Symbol der Friedensbewegung.

Während sich auf dem Mauergrafitto zwei Menschen die Hände reichen, schmiedet bei der Skulptur ein nackter Mann einen Pflug. Das heißt, ganz nackt ist er nicht: War es amerikanische Prüderie oder der Protest islamischer Staaten? Der Muskelprotz trägt einen Lendenschurz aus Blech.

2. Ein Hollywoodthriller, made in UNO

Nicole Kidman und Sean Penn sind die einzigen Schauspieler, die im UN-Hauptquartier drehen durften. Sydney Pollack wollte seinen Film „Die Übersetzerin“ 2005 am Originalschauplatz drehen, wurde aber erst abgewiesen. Ein Hilfsversuch kam von ganz oben: Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan setzte sich persönlich für das Projekt ein, weil es sich „würdevoll und ernsthaft“ um die Arbeit der UN bemühe.

Angeblich hatten einige Diplomaten gehofft, mitspielen zu können. Vergebens.

4. Kein Schnee mehr, der nach oben fällt

Für etwa zwei Milliarden Dollar wurde das Hauptquartier der Vereinten Nationen gerade umgebaut. Abriss und Neubau wären billiger gewesen, aber zum einen steht der Komplex in New York unter Denkmalschutz, zum anderen wollte niemand Bilder von einer gesprengten UN.

Der Umbau verbesserte auch die Isolierung: Die war jahrzehntelang so schlecht, dass der Schnee über dem Hauptgebäude der UN in der warmen Luft nach oben fiel. Kein gutes Bild für eine Organisation, die sich den Kampf gegen den Klimawandel auf die hellblauen Fahnen geschrieben hat.

5. Kokain in der Diplomatenpost

Vor drei Jahren tauchten zwei blaue Säcke in der UN-Post auf. Weil die Adresse fehlte, guckten die Mitarbeiter nach – und fanden fast 16 Kilogramm Kokain. Der Millionenfund deckte eine Masche auf, die möglicherweise schon mehrfach genutzt worden war: In angeblicher Diplomatenpost sollte Rauschgift von Mexiko in die USA geschmuggelt werden.

Die raffiniertesten Schmuggler der Welt? Eher die dümmsten: Sie hatten die Adresse vergessen.

6. Lange Namen und falsche Könige

Das UN-Protokoll muss mit allen Kulturen, Religionen und Sprachen der Erde umgehen. Selbst wenn ein Staatspräsident aufgerufen wird, dessen Name aus 45 Buchstaben besteht: Hery Martial Rajaonarimampianina Rakotoarimanana, Präsident Madagaskars, hält den Rekord.

Der lange Name ging nicht von der Redezeit ab, jedes Land hat bei der alljährlichen Vollversammlung 15 Minuten. Muammar al-Gaddafi war 2009 fast siebenmal so lang. Versammlungspräsident Ali Treki wagte nicht zu unterbrechen – er ist selbst Libyer und hatte den Diktator zuvor ganz offiziell als „König von Afrika“ angekündigt.

dpa/ker

stol