Freitag, 13. Januar 2017

US-Botschafter warnt Trump vor „irrsinnigen“ EU-Annahmen

Der scheidende US-Botschafter bei der EU, Anthony Gardner, hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump davor gewarnt, auf einen Zerfall der Europäischen Union zu setzen.

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Mitglieder von Trumps Team hätten bei Vertretern von EU-Institutionen angerufen und gefragt, wer nach Großbritannien die nächsten Austrittskandidaten seien, sagte Gardner am Freitag vor Journalisten in Brüssel.

Der Eindruck, dass die EU auseinander falle, sei eine „Karikatur“ der tatsächlichen Verhältnisse, sagte Gardner. Nach seiner Darstellung haben Vertraute Trumps telefonisch Kontakt mit den EU-Institutionen aufgenommen. Dabei habe es vonseiten der Trump-Mitarbeiter hauptsächlich eine Frage gegeben: „Welches Land geht als nächstes?“

Farage und Trump verstehen sich prächtig

Gardner äußerte die Vermutung, dass sich in dieser Frage die Wahrnehmung spiegle, die der langjährige Chef der EU-feindlichen Partei UKIP aus Großbritannien, Nigel Farage, bei seinen Gesprächen in den USA vermittelt habe. Zwischen wem genau die Telefonate stattfanden sagte Gardner nicht. Er war vor drei Jahren vom scheidenden US-Präsidenten Barack Obama zum obersten Diplomaten seines Landes bei der EU in Brüssel ernannt worden.

Farage hatte Trump als erster britischer Politiker nach dessen Wahlsieg getroffen und war schon mehrfach im New Yorker Trump-Tower zu Besuch. Beide Männer verstehen sich offenbar prächtig: Trump hatte der Regierung in London vorgeschlagen, Farage zum neuen britischen Botschafter in Washington zu machen.

Kein Treffen zwischen Le Pen und Trump

Am Donnerstag war auch die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen im Trump Tower gesichtet worden. Offenbar traf sie Trump aber nicht. Le Pen will eine Volksabstimmung über den Austritt aus der EU abhalten.

Gardner sagte weiter, er hoffe, dass Trump in der Frage der Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise hart bleibe. Für ihn sei es „undenkbar und eine Schande“, wenn die USA ihre Sanktionen lockern würden, sagte der Diplomat. Er verwies dabei auch auf die Vorwürfe gegen Moskau, die US-Wahlen durch bei Hacker-Angriffen beschafftes Material beeinflusst zu haben. Wer Gardners Nachfolger in Brüssel wird, ist bisher unklar.

apa/reuters/afp

stol