Donnerstag, 14. Juni 2018

US-Sanktionen fallen erst nach Abrüstung Nordkoreas

Die USA werden die harten Sanktionen gegen Nordkorea nach den Worten von Außenminister Mike Pompeo aufrechterhalten, bis das isolierte Land seine Atomwaffen abgerüstet hat. „Präsident (Donald) Trump war unglaublich klar, was die Reihenfolge von Abrüstung und Aufhebung von Sanktionen angeht”, sagte Pompeo am Donnerstag nach Treffen mit dem Präsidenten Südkoreas und Japans Außenminister in Seoul.

Pompeo machte die Position der USA noch einmal deutlich Foto: APA (AFP)
Pompeo machte die Position der USA noch einmal deutlich Foto: APA (AFP)

”Wir werden eine vollständige atomare Abrüstung bekommen; erst dann wird es eine Aufhebung der Sanktionen geben.” Pompeo setzte sich damit offenbar von der Haltung Nordkoreas ab, wonach der Prozess schrittweise von beiden Seiten umgesetzt werden soll. Aus der Erklärung nach dem Gipfeltreffen von Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un geht nicht hervor, wann Nordkorea sein Atomprogramm aufgeben wird und wie die Abrüstung überprüft werden soll.

Kim verstehe, dass sich Nordkorea rasch von seinem Atomarsenal trennen müsse, sagte Pompeo. Die atomare Abrüstung Nordkoreas werde ein Prozess sein, und zwar kein einfacher. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in äußerte sich erleichtert über den Ausgang des Gipfeltreffens. Die Welt sei der Bedrohung eines Atomkrieges entkommen, sagte er.

Der US-Präsident und Kim hatten in Singapur eine Vereinbarung unterzeichnet, mit der sich Nordkorea bereit erklärt, an einer kompletten atomaren Abrüstung der koreanischen Halbinsel zu arbeiten. Kritiker werfen Trump vor, Kim zu viele Zugeständnisse ohne handfeste Gegenleistung gemacht zu haben.

Nach dem Gipfel zwischen Nordkorea und den USA ist US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag zu Gesprächen in Peking eingetroffen. Pompeo will die chinesische Führung über die Ergebnisse des Treffens zwischen Kim und Trump informieren.

Nord- und Südkorea hielten unterdessen erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt Militärgespräche ab. Generäle beider Seiten trafen sich im Grenzdorf Panmunjom in der demilitarisierten Zone. Zuletzt hatten solche Gespräche 2007 stattgefunden.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe strebt indes nach dem USA-Nordkorea-Gipfel offenbar ein eigenes Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an. Die Regierung prüfe derzeit eine Reise Abes nach Pjöngjang im August, berichtete die Zeitung „Sankei Shimbun” am Donnerstag.

Kim habe sich bei seinen Beratungen mit US-Präsident Donald Trump am Dienstag in Singapur offen für ein Treffen mit Abe gezeigt. Abe wolle in direkten Gesprächen mit Kim Fortschritte in der Frage jener Japaner erzielen, die nach Nordkorea verschleppt worden waren. In den 70er und 80er-Jahren ließ Nordkorea nach japanischer Darstellung mindestens 17 Japaner entführen, um sie bei der Ausbildung seiner Spione etwa als Sprachlehrer einzusetzen.

Japan hatte zuvor auch besorgt auf Trumps Pläne reagiert, Militärmanöver mit Südkorea abzusagen. In US-Regierungskreisen hieß es, es sei unklar, welche Arten von gemeinsamen Militärübungen Trumps neuer Verbotszone für Manöver zum Opfer fallen würden. Die USA haben 28.500 Soldaten in Südkorea stationiert, das sich formal noch immer im Kriegszustand mit Nordkorea befindet. Die beiden Länder hatten ihren Krieg von 1950 bis 1953 nur mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag beendet.

apa/ag.

stol