Samstag, 25. Februar 2017

Venezuelas Oppositionsführer gerät in Odebrecht-Skandal unter Druck

Im Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht gerät nun auch der venezolanische Oppositionsführer Henrique Capriles unter Druck: Der Politiker Luis Tellerias, der der Regierung von Präsident Nicolas Maduro nahesteht, forderte am Freitag die Staatsanwaltschaft auf, gegen Capriles zu ermitteln.

Henrique Capriles weist alle Anschuldigungen zurück
Henrique Capriles weist alle Anschuldigungen zurück - Foto: © LaPresse

Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ hatte zuvor über eine Verwicklung des Gouverneurs des Bundesstaates Miranda in den Obebrecht-Skandal berichtet. Capriles weist die Vorwürfe zurück.

Nach Angaben von Capriles wurden die Verträge mit Odebrecht noch unter seinem Vorgänger Diosdado Cabello geschlossen, der von 2004 bis 2008 Gouverneur war und einer der führenden Politiker von Maduros Sozialisten ist. Tellerias verlangte jedoch im Namen einer Organisation zur Korruptionsbekämpfung, Capriles' Vermögen zu beschlagnahmen, weil es sich um illegal erworbene Mittel handle. Er forderte zudem, den Gouverneur von Miranda „seiner Freiheit zu berauben“.

Präsident Maduro erklärte ebenfalls, dass ein Gouverneur in den Skandal „verwickelt“ sei und möglicherweise festgenommen werde – allerdings ohne Capriles beim Namen zu nennen.

Der weitverzweigte Korruptionsskandal um den Baukonzern Odebrecht erschüttert derzeit ganz Lateinamerika. Die Ermittlungen gegen das Unternehmen begannen im Jahr 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage. Mit dem Geld sollen sich der Konzern und andere Baufirmen Aufträge gesichert und teils sogar eine vorteilhafte Gesetzgebung erkauft haben.

Das Unternehmen gab zu, in zwölf Ländern illegale Zahlungen in einer Höhe von 788 Millionen Dollar (742,77 Mio. Euro) geleistet zu haben. Nach Aussage von Ex-Unternehmenschef Marcelo Odebrecht, der in Brasilien wegen Korruption und Geldwäsche zu mehr als 19 Jahren Haft verurteilt wurde, hat der Konzern allein in Venezuela 98 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt.

Damit würde Venezuela nach Brasilien auf Platz zwei liegen.

apa/afp

stol