<b>Von Edith Runer</b><BR /><BR />Wer sich dem unscheinbaren Reitstall gleich oberhalb des Gasthofes Edelweiß bei Jenesien nähert, der wird als Erstes von Charly und Zorro empfangen. <BR /><BR />Der schwarz-weiße Kater mit dem Glöckchen um den Hals und der kurzbeinige Jack Russel Terrier, dessen weißes Fell so gar nicht zu seinem Namen passt, liefern sich ein regelrechtes Wettrennen um die ersten Streicheleinheiten. Am Ende gibt Zorro nach – mit 17 Hundejahren scheint er der Klügere zu sein. Und Charly lässt sich ausgiebig kraulen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1323603_image" /></div> <BR />Ein paar Meter weiter herrscht Hochbetrieb am Beschlagplatz. Chef Norbert fachsimpelt mit dem Hufschmied. Fanny, Sammy und einige andere Haflinger bekommen heute neue „Wanderschuhe“ verpasst, da gibt es viel zu tun. <BR /><BR />Norbert Waldner leitet den Verein mit der ungewöhnlichen Bezeichnung Hatimenas, den er vergangenes Jahr gemeinsam mit einigen Verbündeten gegründet hat. Mit im Boot ist auch Katia Pichler als Vizepräsidentin. Sie ist von Beruf eigentlich Hebamme, dennoch fast täglich ehrenamtlich im Stall, und sie sattelt gerade die Haflinger für einen Ausritt mit zwei Gästen aus Italien.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1323606_image" /></div> <h3> Ein Herzensprojekt</h3>„Wir stehen noch am Anfang“, erklärt Norbert. Nach über 25 Jahren, in denen er und seine Partnerin Petra Rieder verschiedene Reiterhöfe geführt haben, haben sie ihre Prioritäten verschoben. Weg vom Prinzip der Wirtschaftlichkeit, hin zum Herzensprojekt. <BR /><BR />Durch den Verein, der ohne Gewinnabsicht geführt wird, können sie das Wohl von Tier und Mensch in den Mittelpunkt stellen. Vorausgesetzt, sie bekommen die entsprechende Unterstützung durch Vereinsmitglieder und Freiwillige.<BR /><BR />Norbert führt in die selbst errichtete Holzbaracke, die als Küche, Büro und Lager dient. „Es geht darum, nicht einfach nur Reitstunden anzubieten, sondern hier einen Ort zu schaffen, an dem Mensch und Tier im Einklang mit der Natur durchatmen und Gemeinschaft erleben können“, erklärt er die Philosophie hinter dem Projekt. <BR /><BR />Die Vereinsbezeichnung „Ha-ti-me-na-s“ ist dabei Programm. Sie steht für Harmonie, Tier, Mensch, Natur und Südtirol. Der Hintergedanke dazu ist tiefgründig: In einer Zeit, in der das Miteinander immer schwieriger wird, in der die Ängste zunehmen, in der die Menschen immer öfter auf Rückzug gehen, dadurch Einsamkeit entsteht und auch soziale Medien für Misstrauen und Missverständnisse sorgen – in dieser Realität soll der Platz hier oben in Jenesien ein Ankerpunkt sein. Dabei übernehmen die Tiere eine Schlüsselrolle, eine Art Brückenfunktion.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1323609_image" /></div> <BR />Besonders Kinder, aber auch Erwachsene und nicht zuletzt Menschen mit besonderen Bedürfnissen bekommen hier die Chance, einmal wieder ganz bei sich anzukommen – abseits von sportlichem oder gesellschaftlichem Druck. Denn Tiere sind die ehrlichsten Zeitgenossen.<BR /><BR /> „Sie werten nicht, sie haben keine Vorurteile. Wer ihnen fair begegnet, erntet grenzenloses Vertrauen und eine Nähe, die keine großen Worte braucht.“ Und gerade das brauchen viele Menschen in der heutigen Zeit.<BR /><BR />Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat Norbert, Petra und Katia gelehrt, dass wir Menschen durch den Umgang mit Tieren wieder lernen können, was wir durch äußere Einflüsse vergessen haben: zu vertrauen, Verantwortung zu übernehmen, an uns selbst zu glauben, Ruhe zu finden und die positive Energie aus der Natur zu spüren.<BR /><BR /> „Diese Erfahrung möchten wir teilen.“ Deshalb bietet der Verein nicht nur Reitstunden und Ausritte für Mitglieder und Nichtmitglieder an, sondern alle sind hier willkommen, die den Tieren, wie auch immer, begegnen möchten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1323612_image" /></div> <BR />„Wir sind absolute Tiernarren“, gibt Norbert zu. Neben mehr als einem Dutzend Reitpferden, den zwei Ponys Lilly und Johnny und zwei kräftigen Norikern für die Kutsch- und Pferdeschlittenfahrten bevölkern auch Hühner – jedes mit einem Namen – und das Mini-Maultier Lilo das Areal unterm Salten.<BR /><BR /> Drei ältere Pferdedamen genießen zudem auf der Koppel hinterm Stall ihren Ruhestand. „Bei uns darf jedes Tier bis zu seinem natürlichen Tod leben“, unterstreicht Norbert, und man spürt die tiefe Wertschätzung für seine Schützlinge. <BR /><BR />Freilich hat der Verein auch Visionen für die Zukunft: Vorträge, ein gemeinsamer Kräutergarten und eine Hata. „Das ist eine Art Kita für Haustiere“, schmunzelt Norbert – für alle, die ihren Liebling tagsüber, wenn sie bei der Arbeit sind, in guten Händen wissen wollen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1323615_image" /></div> <BR />Als Non-Profit-Verein stemmt der harte Kern das Projekt mit viel Herzblut, ist aber auf helfende Hände von Ehrenamtlichen und auf Spenden angewiesen.