Sonntag, 08. April 2018

Vergiftete Skripals könnten in USA neue Identität bekommen

Im Streit zwischen Russland und Großbritannien könnten der vergiftete Ex-Agent Sergej Skripal und seine Tochter Julia laut einem Bericht in den USA aus der Schusslinie gebracht werden. Die beiden könnten dort eine neue Identität bekommen, berichtete die britische Zeitung „Sunday Times” am Sonntag. Die Fronten zwischen Moskau und London verhärteten sich indes weiter.

In den USA wäre die Sicherheit für die Skripals am höchsten. - Foto: APA (AFP)
In den USA wäre die Sicherheit für die Skripals am höchsten. - Foto: APA (AFP)

Während die russische Botschaft auf ein Treffen mit dem britischen Außenminister Boris Johnson dringt, warf dieser Moskau Desinformation vor. Botschafter Alexander Jakowenko warte seit langem auf ein Gespräch mit Johnson und habe eine Note an das Ministerium geschickt, um über die Ermittlungen in dem Fall zu sprechen. „Wir hoffen auf eine konstruktive Antwort der Briten und erwarten, dass ein solches Treffen in Kürze organisiert wird”, teilte Moskaus Vertretung in Großbritannien der Agentur Tass zufolge mit.

Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte dazu: „Wir haben eine Anfrage bekommen. Wir werden zu gegebener Zeit antworten.” Ebenfalls in der „Sunday Times” warf Johnson Russland eine „Flut von Absurditäten” und eine „Lawine von Lügen und Desinformation” vor.

Über die Zukunft von Vater und Tochter Skripal hätten Vertreter des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 mit US-Kollegen von der CIA diskutiert, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. „Ihnen werden neue Identitäten angeboten”, hieß es. So sollten sie vor weiteren Mordversuchen geschützt werden. Sie könnten in den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland ein neues Leben beginnen, wobei in den Vereinigten Staaten wohl am stärksten für ihre Sicherheit gesorgt werden könnte, so das Blatt. Die 33-jährige Julia, die eigentlich in Russland lebt, soll Hilfe der russischen Botschaft abgelehnt haben. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Vater und Tochter Skripal waren vor fünf Wochen bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Stadt Salisbury aufgefunden worden. Britische Forscher wiesen bei den Opfern das Nervengift Nowitschok nach, das einst in der Sowjetunion entwickelt wurde. London beschuldigt Moskau, Drahtzieher des Attentats zu sein. Russland weist dies zurück. Die Vorwürfe lösten eine diplomatische Krise aus.

Russland fordert, in die Ermittlungen zum Attentat gegen den früheren russischen Doppelagenten und dessen Tochter Julia eingebunden zu werden. Jakowenko bekräftigte die Forderung.

Moskau kritisierte überdies, dass London eine Verwandte der Skripals nicht einreisen lässt. Viktoria Skripal, die Cousine von Julia, bekam kein Besuchervisum. In einem Brief bat sie nun Premierministerin Theresa May um Hilfe. Sie sagte der Agentur Interfax, das Visum sei ihr unter anderem verweigert worden, weil sie kein Konto mit mindestens 150.000 Rubel (2.100 Euro) besitze. Zudem sagte sie: „Ich habe eine Nachricht erhalten, in der die (britische) Botschaft die Absage damit erklärt, dass Julia mich anscheinend nicht sehen will.”

Die Cousine spielt eine undurchsichtige Rolle in dem Fall. Nach einem BBC-Bericht befürchtet die britische Regierung, dass sie vom Kreml instrumentalisiert wird.

apa/dpa/ag.

stol