Ein Kubus in sattem Bordeauxrot mitten im Raum strukturiert den Grundriss, trennt und verbindet. Sanfte Blau- und Grautöne schaffen den nötigen kühlen Ausgleich, während Möbel und der durchgehende Boden in Eiche für natürliches Wohlbefinden sorgen – entspannt und individuell.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Ursprünglich war das Gebäude ein Hotel, „eines dieser klassischen Meraner Jahrhundertwendehäuser mit den typischen Loggien“, erklärt Alexander Karnutsch vom Lananer Architektenteam „zk“. Danach wurde es in ein Kondominium verwandelt. „Es ist noch immer ein sehr reizvoller Bau, aber natürlich etwas in die Jahre gekommen.“ <BR /><BR />Sanierungsbedürftig war auch die Wohnung, die Robert Ladurner hier erworben hat. „Sie gehörte meinem Großvater“, erzählt er, „und dieser hat sie in den 1980er Jahren ohne große architektonische Ansprüche umgebaut. Mit schweren Holzelementen und vielen kleinen Räumen, wie das damals üblich war.“ Entsprechend präsentierte sich alles eng, verwinkelt und niedrig. <BR /><BR />Ladurners Überlegung war klar: „Wenn ich etwas mache, dann ordentlich. Denn nur nachbessern reicht hier nicht.“ Entsprechend holte er sich professionelle Unterstützung und übertrug den Architekten Planung und auch gleich Bauleitung. „So ein Farbkonzept etwa hätten wir alleine nie erarbeitet“, schmunzelt der Bauherr.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="747926_image" /></div> <BR /><BR />Für die Architekten war sofort klar: Die Trennwände müssen heraus, „etwas vom ursprünglichen Geist des Hauses, von der Herrschaftlichkeit sollte wieder Einzug halten“. Dabei war es „eigentlich sogar positiv, dass alles verbaut war“, findet Karnutsch, „so konnten wir die Wohnung komplett aushöhlen und mit einem neuen, großzügigen Raum arbeiten“.<BR /><BR /> Die Grundidee: Alle Funktionen und Räume in und um einen zentralen Körper zu organisieren. Mitten im Raum gliedert er den neuen Grundriss, trennt und verbindet. Rundherum bleibt alles offen, man schaut beidseitig davon durch die ganze Wohnung durch. Für Abtrennmöglichkeiten und Privacy sorgen bei Bedarf aber Einschubtüren. <h3> Wahres Platzwunder</h3>Der raumhohe Kubus überrascht in mehrfacher Hinsicht: Einmal ist er ein wahres Platzwunder, das Garderobe, Küchenschränke, Koch- und Arbeitsflächen, aber auch einen Teil des Kleiderschrankes und das Bad umfasst. Denn die Architekten vermieden damit neue „Zimmerschachteln“ und konnten sogar alte Installations-Anschlüsse wiederverwenden. „Im Altbau hat man nicht so viele Möglichkeiten. Das Bad war mitten in der Wohnung“, erinnert sich Karnutsch, „wir konnten es von der Wand wegrücken, aber nicht völlig verlegen.“<BR /><BR />Gleichzeitig ist der ausgeklügelte Kubus aber auch optisch ein Highlight und Basis des Farbkonzeptes: Er leuchtet mit seinen grifflosen Fronten in sattem Bordeauxrot. „Hier haben wir lange bemustert“, erinnert sich der Architekt. „Der kräftige Ton tendiert ins Behaglich-Dunkle, dämpft das Licht – durchaus gemütlich. Damit es nicht zu dunkel wirkt, haben wir etwas Glanz dazu gewählt.“ Es ist eine Farbe, die Raum braucht, „sie muss wirken“.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="747929_image" /></div> <BR /><BR />Und das kann sie hier auch: Wer die Wohnung betritt, findet sich in einem halb offenen Eingangsbereich – je nach Position der Schiebetüren mit Blick bis ins Schlafzimmer am anderen Wohnungsende. Gleich neben der Eingangstür fungiert ein dunkelgrauer, linearer Kaminofen als praktische Ablage und Raumtrenner zum Wohnbereich hin. „Er musste an diese Stelle, weil hier der alte Ofen und entsprechend auch der Kamin platziert war“, erklärt Karnutsch. <BR /><BR />Die Schmalseite des zentralen Elementes verbirgt hier die Garderobe. „Es ist praktisch, wenn vieles gleich in Reichweite ist“, erklärt Ladurner. Für ihn und seine Frau war Stauraum ganz wesentlich, „schließlich gibt es keinen Keller“. <BR /><BR />Die gesamte restliche Farb- und Materialwahl ist geschickt auf das schwere Dunkelrot abgestimmt: „Diesem tut ein bisschen Leichtigkeit gut“, findet der Planer, „sanfte Blau- und Grautöne sorgen für einen kühlen Ausgleich, schlichte Möbel und Leuchten neutralisieren die Dramatik, die die Farbe mit sich bringt.“ Entsprechend haben die Wände einen dezenten hellblauen Unterton, Sofa und Esstischstühle sind hellgrau, während ein bequemer Lounge-Sessel einen kräftigeren blauen Akzent setzt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="747932_image" /></div> <BR /><BR />Ein frisches Hellgrau wurde auch für die traditionellen Textil-Vorhänge gewählt. „Der Architekt wollte viel vom ursprünglichen Zustand und Flair der Räume wieder aufleben lassen“, erinnert sich der Bauherr. So wurden die alten Fenster nach Fotos wieder nachgebaut und mit den originalen Messinggriffen ausgestattet. „Dazu passen natürlich keine Raffstores oder Screens“, betont Karnutsch. Die Vorhangschienen wurden allerdings bündig in die Decke integriert. Und zeitgemäß puristisch gibt es auch keine Sockelleisten, sondern nur einen schmalen wasserfesten Anstrich. <BR /><BR />Natürlich warm präsentiert sich der Boden in Eiche natur– ein Material, das sich beim großzügigen Esstisch und in der Schlafzimmerausstattung wiederholt.<BR /><BR />Der Wohnbereich geht fließend in Küchen- und Esszone über – großzügig und lichtdurchflutet. Hinter dem verlängerbaren Tisch ist die Küche im Zentralkubus integriert – natürlich mit einer Speisekammer, allen Geräten und „3,60 Meter Arbeitsfläche mit Herd“, erklärt Ladurner zufrieden. „Das braucht es schon, etwas steht schließlich immer dort.“ <BR />Außerdem legte er als Hobbykoch Wert auf einen Gasherd. <BR />Die Oberschränke für die Küche sind etwas weniger tief und einen Ton heller als der restliche Kubus. Das schafft mehr Kopffreiheit an der anthrazitfarbenen Arbeitsplatte und einen interessanten optischen Akzent.<h3> Effektvolles Lichtkonzept</h3>Natürlich entwickelten die Architekten auch ein effektvolles Lichtkonzept mit viel indirekter Beleuchtung und einigen Designlampen, etwa über dem Esstisch. Besonders angetan ist der Hausherr vom indirekten Licht über dem Kubus, „das abends eine ganz besondere Atmosphäre schafft“.<BR /><BR />Nach dem Essbereich trennt eine Schiebetür auf Wunsch das Schlafzimmer mit der begehbaren Garderobe ab. Dazu hat sich durch die Lage der Wohnung, die eigentlich in ein anderes Haus hineinläuft, noch ein zusätzlicher Raum ergeben. Ein lichtdurchflutetes Zimmer – natürlich hinter einer Schiebetür – mit Bibliothek, Lesesessel und Platz für Yoga. Und ebenfalls Zugang zur großen Terrasse.<BR /><BR />Das Bad an der rückwärtigen Seite des Multifunktionskubus ist ebenfalls raffiniert gestaltet: Die Dusche ist als eigener Raum konzipiert, und auch das WC ist abgetrennt. Badewanne gibt es keine. „Wenn eine vorhanden ist und 10 Jahre nicht genutzt wird, braucht es sie nicht“, meint Ladurner pragmatisch. Dafür hatte seine Frau eine tolle Idee: „Neben der Dusche haben wir jetzt eine Infrarotkabine.“ <BR /><BR />Auch Tages-WC und Hauswirtschaftsraum sind vorhanden – geschickt neben der Eingangstür in die nordseitige Veranda integriert. „Alles, was man nicht sehen will, auch die Heizung, ist dort untergebracht“, schmunzelt der Hausherr. Eine gelungene, unkonventionelle Lösung für ein entspanntes Wohlfühlambiente – maßgeschneidert und mit Charme.<BR />