Mittwoch, 20. Juli 2016

Von der Farce zum Faktum: Donald Trump ist nominiert

Nun ist es tatsächlich vollbracht. Trump ist offiziell der nominierte Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei.

Donald Trump geht offiziell ins Rennen ums Weiße Haus.
Donald Trump geht offiziell ins Rennen ums Weiße Haus. - Foto: © APA/AFP

Es ist 19.12 Uhr Ortszeit, als Donald Trump Junior stolz und würdevoll die Stimmen New Yorks verkündet. Es sind die letzten, die seinem Vater rechnerisch fehlen. Eine dichte Traube umlagert die Delegierten aus Trumps Heimatstaat, seine Familie in der ersten Reihe, die Rücken ganz durchgedrückt und glänzend vor Stolz. Ohrenbetäubender Jubel setzt ein, dazu Frank Sinatras „New York, New York“, der riesige Videowürfel blendet ein orange leuchtendes Feuerwerk ein und ein gewaltiges „Über die Hürde!“. Die Geschwister Trump liegen sich in den Armen.

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Trump holt sich wieder Hilfe von einer seiner Frauen: Hier Tochter Tiffany (22) - Foto: AFP

 

Hier wurde gerade Geschichte geschrieben. Kurz wallen am Abend nochmals Gerüchte über eine Anti-Trump-Revolte durch die Halle. Sie bleibt aus. Aus europäischer Sicht ist es ein bisschen wie bei der Punktevergabe beim Eurovision Song Contest, Staat für Staat tritt gewichtig auf, verkündet lautstark die Zahl seiner Delegierten.

Im Juni 2015 begann sein Aufstieg

Ein Rückblick: Als einer von 17 Kandidaten reckt Trump im Juni 2015 sein Kinn in den aufziehenden Vorwahlkampf, er kandidiert. Sein erster Auftritt wird den Ton setzen für volle 13 Monate: Mexikaner seien Vergewaltiger, Einwanderung von Übel, Amerika sei bedroht, klein gemacht, dem Abgrund nahe. Er erntet Kopfschütteln, bestenfalls Belustigung, das werde sich schon wieder geben.

Es gab sich aber nicht. Was sich bis zu Trumps Nominierung hier in Cleveland entwickelte, war der wohl ungewöhnlichste Vorwahlkampf der US-Geschichte. Bei bald 20 Fernsehdebatten und ungezählten anderen Gelegenheiten zieht Trump über seine Mitbewerber her, beleidigt, verspottet, zieht verbal gegen beinahe alles und jeden zu Felde. Nichts kann ihm schaden. Er gilt als unabhängig, von gerechtem Zorn gegen „die“ in Washington getrieben, als einer, der endlich mal aufräumen wird, als starker Mann.

Tochter Ivanka Trump (34) - Foto: AFP

 

Klassische Medien braucht Trump nicht, von denen liegen ihm aber viele trotzdem zu Füßen, Trump bringt Quote ohne Ende. Der Bauunternehmer errichtet derweil seine ganz eigenen Gebäude auf Twitter. Wen er ungehörig findet, wird mit Entzug der Akkreditierung bestraft.

Er behauptet statt belegt

So präsent war ein Kandidat noch nie, jeden Tag gibt es ihn in der Dauerschleife, oft unhinterfragt. Die Wahrheit bleibt auf der Strecke. Trump zerlegt das Interview in klassischer Form, behauptet einfach immer weiter, was er will, auch wenn das erwiesenermaßen nicht stimmt. Noch nie haben US-Medien so viele Aussagen so vielen Faktenchecks unterzogen, aber das spielte überhaupt keine Rolle. Überwiegend von Weißen aus der Mittelschicht unterstützt, weitet er sein Elektorat aus.

Fragt man Delegierte in Cleveland, ähneln sich die Antworten. „Er spricht für eine Menge Amerikaner das aus, was die Eliten vergessen haben“, sagt James Higgins. „Sie dachten, sie würden Politik ohne die Leute machen können. Es stellt sich heraus: Sie können es nicht.“

Sohn Donald jr. (38) brach eine Lanze für seinen Dad. - Foto: AFP

 

Knapp hinter Clinton

Trump muss die Nominierung nun noch annehmen, aber das dürfte am Donnerstag Formsache sein. Letzte Umfragen sehen Trump knapp hinter Hillary Clinton. Noch nie waren die beiden Spitzenkandidaten der großen Parteien so unbeliebt.

apa/dpa

stol