„Mama, wir müssen einkaufen, dringend!“ Was denn, will ich wissen, bevor ich ihr mein NEIN in Samt verpackt auf einem Silberteller serviere. Das macht daraus zwar auch kein JA, aber ich habe gelernt, dass es von Vorteil ist, wenn man schlechte Nachrichten gut präsentiert. <BR /><BR />„Ich brauche dringend Bücher“, schießt sie scharf aus der Hüfte im Wissen, dass es (m)eine goldene Regel gibt, die besagt: Bücher fallen niemals unter den Einkaufs-Codex. „Außerdem brauche ich noch Schuhe“, betont sie mit diesem ungeduldigen Tonfall in der Stimme, der höchst unangebracht ist, wenn man vom gegenüber etwas will. <BR /><BR />Bücher ja, Schuhe nein, davon hast du nun wahrlich genug, knurre ich, während ich ihren Kasten öffne. Was herausquillt, würde mühelos sehr viele Menschen glücklich machen. Dass ich auch nicht gerade dem Verzicht fröne und einmal in einer schwachen Stunde gesagt habe, dass man niemals genug Schuhe und Taschen haben kann, ist in so einem Fall eher kontraproduktiv. <BR /><BR />„MAMA, komm endlich“, drängt sie, und bevor ich es bemerke, sitze ich auch schon im Auto. Gut, gehen wir Schuhe kaufen, seufze ich. Doch schon bei der Auswahl, werde ich stutzig. Turnschuhe in schnödem Weiß sind nicht unbedingt das Erste, woran ich denke, wenn meine Tochter im Einkaufszentrum auf Beutezug geht. <BR /><BR />Mein ratloser Gesichtsausdruck wird mit japsendem Kichern kommentiert. „Hast du gedacht, ich kaufe mir High Heels?“ Na ja, zumindest Sandalen, erwidere ich. „Für die Famulatur im Krankenhaus brauche ich etwas Bequemes und Anatomie-Bücher, um in den Ferien zu lernen.“ <BR /><BR />Jetzt hast du mich aber erwischt, sage ich kleinlaut und sehe sie an. Voller Leben, Klugheit und Sensibilität ist ihr Blick. Du wirst eine wunderbare Ärztin werden. „Dann können wir ja noch schnell ein Kleid für den Medizinerball kaufen“, scherzt sie, „und die passenden Schuhe auch gleich dazu!“<BR />