Pfarrer Martin Krautwurst über seine Zeit in Meran, die Ökumene, seinen Wechsel und über die Nachbesetzung der Pfarrstelle in der Passerstadt.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Herr Pfarrer, warum verlassen Sie Meran ein Jahr früher als geplant?</b><BR />Martin Krautwurst: Bis Ende April 2022 bin ich noch hier und werde wie bisher weiterarbeiten. Eigentlich habe ich gesagt, dass ich bereits nach der offiziellen Zeit von 6 Jahren Meran verlassen will. Nur meine 3-jährige Verlängerung endet 2022 ein Jahr früher, was sich aufgrund meiner neuen Stelle in Thüringen so ergibt. Ich habe das Gefühl, dass meine Frau Ulrike und ich in Meran Weichen stellen und mit der Gemeinde viel bewegen konnten. Wir haben gut gesät und erste Früchte sind schon erkennbar.<BR /><BR /><BR /><b>Was lag Ihnen besonders am Herzen?</b><BR />Krautwurst: Wir haben viel Zeit und Kraft in die Jugendarbeit investiert und gute Projekte ins Leben gerufen. Auch baulich ist einiges passiert: Ich denke hier zum Beispiel an die Renovierung der Kirchen in Arco am Gardasee und in Sulden. Derzeit laufen die Arbeiten, um den öffentlich zugänglichen Teil des Pfarrhauses in Meran barrierefrei zu gestalten. Mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin findet also ideale Voraussetzungen vor, um weiterzuarbeiten. Und wenn es am Schönsten ist, soll man bekanntlich gehen. Meine Frau und ich haben hier in Meran schöne Jahre erlebt und konnten viel bewegen. Die Evangelische Gemeinde Meran ist aufgrund ihrer Geschichte eine besondere, aber lebendige und angenehme Gemeinde. Ich würde mich wieder um diese Pfarrstelle bewerben.<BR /><BR /><embed id="dtext86-51524448_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Bei den Katholiken werden Priester vom Bischof versetzt, Sie müssen sich aber selbst um eine Pfarrstelle kümmern...</b><BR />Krautwurst: Ja, das ist bei uns etwas anders. In der Regel werden bei uns die Pfarrstellen ausgeschrieben und dann kann man sich bewerben. Es folgt ein Bewerbungs- und Auswahlverfahren, aber das letzte Wort hat jede Gemeinde selbst, die ganz basisdemokratisch ihren Pfarrer oder ihre Pfarrerin wählt, nachdem sich die Bewerber den Gläubigen vorgestellt haben. In meiner künftigen Gemeinde in Rudolstadt in meiner Heimat Thüringen wurde ich so gewählt.<BR /><BR /><BR /><b>Stimmt es, dass Ihre Gemeinde hier in Meran wächst?</b><BR />Krautwurst: Seit 2014 ist diese eher kleine Gemeinde um rund 20 Prozent gewachsen, wobei wir nie Gläubige anderer Konfessionen abgeworben oder gar überredet haben, evangelisch zu werden. Es gab auch Mitchristen, die konvertiert sind oder das überlegen. Ich habe aber immer betont, dass niemand konvertieren muss, denn es ist eine Selbstverständlichkeit, dass zu unseren Gemeindekreisen und zum Chor auch katholische Christen gehören können. Ich freue mich auch bei jedem Gottesdienst über Gäste. Für mich ist es gelebte Ökumene, wenn katholische und evangelische Christen gegenseitig Gottesdienste besuchen. Ich empfehle auch meinen Gemeindemitgliedern, die beispielsweise weiter weg wohnen, katholische Messfeiern zu besuchen, weil der Weg bis nach Meran zu weit ist. <BR /><BR /><embed id="dtext86-51524447_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Wie erleben Sie in Südtirol die Ökumene?</b><BR />Krautwurst: Ökumene funktioniert dort am besten, wo sie praktisch gelebt wird. Es ist hier nicht leicht, die Leute zur Teilnahme an ökumenischen Gottesdiensten und Veranstaltungen zu bewegen. Die Menschen sind bequem geworden und der Alltag fordert seinen Preis. Aber die Evangelische Kirche ist hier in Meran und in der Umgebung gut akzeptiert und anerkannt. Eines muss uns bewusst sein: Katholische und evangelische Christen verbindet viel mehr als sie trennt.<BR /><BR /><BR /><b>Wie haben Sie im September die Ordination von Anna Vinatzer aus Meran zur Pfarrerin erlebt?</b><BR />Krautwurst: Wir haben ein schönes Fest gefeiert. Vinatzer war katholisch und ist konvertiert. Sie war ein Kind dieser Gemeinde. Ich hätte mir gewünscht, dass sie auch in der Katholischen Kirche Priesterin hätte werden können. Dass Anna konvertiert ist, lag wohl auch daran, dass ihr der Weg zur Priesterin in der Katholischen Kirche verwehrt ist. Hier wünsche ich der Katholischen Kirche mehr Verständnis, ein Umdenken und mehr Offenheit. <BR /><BR /><BR /><b>Wann wird Ihr Nachfolger in der Evangelischen Gemeinde Meran seinen Dienst antreten?</b><BR />Krautwurst: Ich denke am 1. September 2022. Und ich wünsche dem künftigen Pfarrer oder der Pfarrerin so herzlich empfangen zu werden, wie wir es erlebt haben. In der Zwischenzeit werden Pfarrer und Pfarrerinnen in Ruhe die Vertretung übernehmen.<BR />