Beim Sternsingen ist es offenbar wie bei Monopoly: Es gibt gute und weniger gute Straßen. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Es ist knapp nach 15.30 Uhr, als die erste der 10 Sternsingergruppen am 5. Jänner in den Rebhof, das Basislager der Sternsinger, zurückkehrt. Nase und Hände kalt, die Füße platt und der Königsumhang klamm. „Wir sind ,volle„ müde“, sagt eines der Kinder. Aber 4 Tafeln Schokolade, die sie unterwegs geschenkt bekommen haben, versüßen die Müdigkeit.<BR /><BR /> Und wie weggeblasen ist sie, sobald die Spendendose geöffnet wird; randvoll ist mit Geldscheinen und Münzen. „Ja, einmal haben wir bereits unterwegs gezählt, wie viel wir gesammelt haben. In einem Haus haben uns Leute geöffnet, die von einer anderen Religion waren, aber sie haben uns trotzdem etwas gegeben“, erzählen sie beeindruckt. Letztlich waren in der Dose stattliche 973,60 Euro.<BR /><BR /><b>Gute und schlechte Straßen</b><BR /><BR />Beim Sternsingen ist es offenbar wie bei Monopoly: Es gibt gute und weniger gute Straßen. „Gute Straßen sind jene, wo Klöster und Geschäfte sind. Die Dantestraße beispielsweise. Da geht man schon gern hin. Schwieriger ist es in den Kondominien. Wenn die Leute nicht aufmachen, werden die Kinder schon schnell ,stuff„“, sagt Wanda Klammsteiner, langjähriges Sternsinger-Kind und jetzt Mithelferin im Hintergrund. <BR /><BR />Kein Wunder also, dass die Gruppe 4, die u.a. die Dantestraße abgeklappert hat, mit 1685 Euro und den meisten Spenden zurückkam. „Im Kloster haben sie einen Mordsaufwand betrieben und auch im Pastor Angelicus haben sie sich sehr über uns gefreut. Wir haben unsere Lieder gleich ein paar Mal gesungen. Das war schon ganz besonders“, erzählen sie. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="723338_image" /></div> <BR /> Enttäuschung auf beiden Seiten in einem Kondominium in der Lazag. Die Sternsinger-Gruppe läutet, ein Bewohner macht auf und sieht die Sternsinger. Eigentlich hatte er ein Amazon-Paket erwartet. „,Ihr müsst schon sagen, wer ihr seid, wenn ihr läutet„, sagte er zu uns. Dabei haben wir sicher 20 Mal gesagt, dass wir die Sternsinger sind. Er war zwar ,sierig„, gespendet hat er aber doch“, erzählt Sarah. Und da ist noch die Freude einer Schweizerin, dass die Sternsinger kommen, „weil sie das, als sie noch in der Schweiz lebte, nicht gewohnt war“, erzählen die Kinder. <BR /><BR />Eine Premiere gab es hingegen für die 3 Mädchen der Laberser Gruppe. Sie durften erstmals eine Spritztour mit der Naifbahn hinauf nach Meran 2000 machen. „Oben im Schneetreiben gab’s zwar keine Spende, aber schön war’s doch“, sagen Greta und Claudia. Die Laberser Gruppe war als einzige im Auto unterwegs, um alle Höfe zu erreichen. „Auf den Höfen sind wir sehr willkommen. Vor allem die alten Menschen, aber auch die Kinder, warten schon sehr auf uns“, sagt Begleiterin Daniela Thaler. <BR /><BR /><b>Corona-Leugnerin lädt ein</b><BR /><BR />Dankend ablehnen mussten die Mädchen, als eine freundliche Dame sie ins Haus einladen wollte, die Masken könnten sie natürlich abnehmen, denn dieses Corona existiere ja eh nicht. Aber wegen Corona waren Wohnungen tabu. „Weil es aber nass und kalt war, sind die Leute nicht gern vor dem Haus gestanden. Viele hätten uns so gern hineingebeten wie früher“, erzählt Gruppenleiterin Vivian Pircher. Vor Corona wurden die Sternsinger oft in die Stube zur Krippe gebeten, um dort ein Lied zu singen. <BR /><BR />„Alle waren nett mit uns“, meint Lara. Nix besonderes passiert? „Doch, einer hat uns in der Unterhose die Tür aufgemacht. Wahrscheinlich waren wir zu früh dran. Geld bekamen wir keines, aber Süßigkeiten und Nüsse“, erzählt sie. Es komme immer wieder vor, dass Leute im Pyjama die Tür aufmachen, denn gegen 8.30 Uhr seien die Kinder schon unterwegs.<BR /><BR />Dann gab es noch ganz alltägliche Sternsinger-Hoppalas: den einen ging der Weihrauch aus, von anderen Sternsingern verlangten Leute sogar Kohle. Melchior gab es heuer auch keinen. „Wegen der Masken haben wir die Gesichter nicht angemalt“, sagt Vivian Pircher.<BR />Nach einem Jahr Corona-Pause war 2022 ein gutes Sternsinger-Jahr. „Wobei wir schon meistens die 10.000-Euro-Marke geknackt haben“, sagt Julia Leimstädtner, auch sie langjähriges Sternsinger-Kind, Begleiterin und jetzt im „Backoffice“ tätig.<BR /><BR /><b>„Manche sagen einfach Nein“</b><BR /><BR />Antons Gruppe hat 1544,50 Euro zusammengetragen. Platz Nummer 2 auf dem Spenden-Stockerl. „Aber manche haben einfach Nein gesagt: Nichts gegeben, gar nichts“, erzählt Anton ziemlich entgeistert. Aber alle 37 Kinder zwischen 9 und 13 Jahren und ihre 18 Begleiter waren am Ende des Tages sehr stolz auf die gesammelten 10.709,40 Euro. <BR />„Es ist schon toll zu sehen, was an einem Tag geht“, meint Julia Leimstädtner. <BR /><BR />Und warum opfern Kinder einen Ferientag fürs Sternsingen? „Ich habe Lust gehabt, es einmal zu probieren, auch wenn jetzt die Füße weh tun“, sagt Luzia.<BR />