Wer die Kirchentüre für immer zuschlägt, verzichtet auf eine Reihe von Rechten, die er sonst in dieser Gemeinschaft hat. <BR /><BR /><BR />Bei den Südtiroler Zahlen zu den Kirchenaustritten würden viele österreichische und deutsche Diözesen ein Halleluja anstimmen. Denn im benachbarten Ausland kehren jährlich Tausende der Kirche den Rücken zu, nach einer ruhigeren Phase in den Lockdown-Phasen der Pandemie hat der Exodus wieder eingesetzt. So traten allein in der Nachbardiözese Innsbruck im Jahr 2021 mehr als 5000 Menschen aus der katholischen Kirche aus; das ist gegenüber dem Jahr 2020 ein Plus von 38 Prozent.<BR /><BR />Steigende Zahlen, aber auf einem viel niedrigeren Niveau, registriert auch die Südtiroler Diözese. Wie Kanzler Leo Haas vom Bischöflichen Ordinariat in Bozen auf Anfrage von s+ mitteilt, erklärten im Jahr 2021 insgesamt 73 Landsleute, dass sie mit der Kirche definitiv nichts mehr zu tun haben wollen. Sie bleiben also nicht nur einfach weg, sondern entscheiden sich bewusst für den Austritt. „Dieser Schritt erfolgt fast immer über eine freie schriftlich verfasste Willenserklärung, die an die Taufpfarrei oder das Ordinariat zu richten ist“, erklärt Kanzler Haas.<BR /><BR /><b>Merklicher Anstieg</b><BR /><BR />In österreichischen und deutschen Diözesen ist die Kirchensteuer, die automatisch vom Gehalt abgezogen wird, einer der Hauptgründe für den Bruch mit Mutter Kirche; unmittelbare Auslöser sind in letzter Zeit die Missbrauchskandale, aber Unzufriedenheit mit Kirchenvertretern und Unmut über mangelnden Reformwillen. <BR /><BR />Der merkliche Anstieg der Austrittszahlen in Südtirol dürfte dagegen eine Nebenwirkung der Pandemie sein; Kanzler Haas führt das „deutliche“ Minus auf „die Kontroverse um die Corona-Impfung und die Haltung der Kirche dazu“ zurück. Papst Franziskus hat die Impfung gegen Covid-19 immer wieder als „Akt der Nächstenliebe“ bezeichnet – eine glasklare weltkirchliche Position, die ihm Impfskeptiker und -gegner übel nehmen. <BR /><BR /><b>Weiterhin Mitglied</b><BR /><BR />Nur indirekt spielt auch die Kirchensteuer bei den Austrittszahlen in Südtirol eine Rolle. Diözesen in Österreich und Deutschland schicken dem Bischöflichen Ordinariat eine Mitteilung, wenn Südtirolerinnen oder Südtiroler im Ausland ihren Austritt erklärt haben. Jährlich treffen in Bozen rund 100 solche Meldungen ein. Die Betreffenden werden daraufhin gebeten, ihre Gründe für den Abschied von der kirchlichen Gemeinschaft mitzuteilen; wenn der Austritt „nur“ aus finanziellen Gründen (sprich Kirchensteuer) erfolgt, wird die Sache zu den Akten gelegt.<BR /><BR />Anders sieht es mit jenen aus, die nicht nur des lieben Geldes wegen, sondern ganz bewusst das Kapitel Kirche beenden wollen. Bei ihnen wird Austritt auch im Taufbuch der zuständigen Südtiroler Pfarrei eingetragen. Das ist bei jährlich etwa 10 Gläubigen im Ausland der Fall. Gelöscht wird im Taufbuch aber nichts, denn das Sakrament der Taufe als „Einbürgerung“ in die Kirche kann nicht ungeschehen gemacht werden. Wie der Ordinariatskanzler erklärt, hebe der Austritt also nicht die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Kirche auf, diese werde lediglich vermindert. <BR /><BR />Die Folge dieser „Verminderung“ ist, dass jemand auf mehrere Rechte als Mitglied dieser Gemeinschaft verzichtet. Das betrifft vor allem die Sakramente, unter anderem sind Kommunionempfang, kirchliche Trauung oder Krankensalbung nicht mehr möglich. Auch der Ausschluss von „Ämtern“ ist vorgesehen. Das betrifft zum Beispiel das Patenamt bei Taufe oder Firmung. Auch das Recht auf ein kirchliches Begräbnis erlischt. Ausgetretene können selbstverständlich auf einem Friedhof beerdigt werden, aber die Beisetzung erfolgt in solchen Fällen ohne Vertreter der Kirche (Pfarrer). <BR /><BR />