An das Gefühl zwischen Hoffen und Bangen kann ich mich noch genau erinnern – dieses angespannte Warten auf ein Wunder, das das Christkind verhieß. Doch zuerst musste es mein Briefchen finden, das ich auf das Fensterbrett gelegt hatte, auf dass es ein vorbeiflatterndes Engelchen bitte, bitte mitnehmen möge in die himmlischen Werkstätten. Wie unendlich langsam die Zeit vergeht, wenn man auf ein Wunder wartet...<BR /><BR /> Und doch war Weihnachten in meiner Familie immer so viel mehr als die Geschenke unter dem Lichterbaum. Weihnachten, das war (und ist) die Zeit der Gemeinsamkeit, des Backens und Dekorierens, des Singens, Bastelns und Besuchens, des Umarmens und Verzeihens.<BR /><BR /> Als ich Kind war, vor 45/50 Jahren, feierten wir Heiligabend noch bei meiner Urgroßmutter. Und wenn alle ihre Lieben beisammen waren, standen 4 Generationen in dem großen, festlich geschmückten Salon, der nach Keksen duftete und vom Zauber der Vorfreude erfüllt war.<BR /><BR /> Weihnachten, das ist für mich genau dieses Gefühl. Und wenn ich es finde, in den Vorbereitungen vielleicht, beim Anblick meiner Tochter im Lichterschein der Kerzen oder den Erinnerungen an damals, ist es das kostbarste Geschenk. <BR /><BR />Auch heute noch schreiben Kinder dem Christkind. Was sie sich wünschen, hat sich erstaunlich wenig geändert, glaubt man einer repräsentativen Studie im Auftrag des Handelsverbands Deutschland. Bücher, Haustiere, Puppen, Lego, Baufahrzeuge und Bastelsachen stehen nach wie vor hoch im Kurs. Und auch das gute, alte Fahrrad ist als E-Bike in die Gegenwart geflitzt. Gutscheine sind wohl eher, psssst, dem Pragmatismus der Schenker geschuldet, aber dass Kinder das Christkind um Frieden und mehr gemeinsame Zeit mit Eltern und Großeltern bitten, sollte uns Augen wie Herzen öffnen. <BR /><BR />Den Frieden haben die meisten von uns nicht in der Hand – er liegt verschüttet von Propaganda in den Ruinen der Kriegsschauplätze. Aber gemeinsame Zeit, die können wir unseren Kindern schenken. Es braucht dafür keinen Cent! Nur etwas guten Willen und die Überzeugung, dass die wertvollsten Geschenke manchmal genau jene sind, die man in keinem Geschäft der Welt kaufen kann...<BR />