Auch beim Schutz des Wassers und bei der Biodiversität spielt der Boden eine wichtige Rolle. <BR /><BR /><BR /><BR />Mit einem Plastikeimer in der Hand und einer t-förmigen Eisenstange bewaffnet, marschiert Bernd Felderer quer über die Max-Valier-Strasse in der Industriezone in Lana. Auf der anderen Straßenseite angekommen, springt er über die Leitplanke und steht plötzlich im dichten Gebüsch zwischen Bäumen und Sträuchern. Mit geübten Handgriffen dreht er den Bohrer in den Boden. <BR /><BR />Beim Herausziehen der Stange zeigt sich der Sinn der Übung. In seiner Hand hält er nun feuchte, lehmige Erdbrocken, die er behutsam in den Eimer legt. Als er genug an Material gesammelt hat, lockert er ein paar Brocken Erde mit seinen Händen, holt sie aus dem Eimer und hält sie mir vors Gesicht: „Was meinst du, wie viele Organismen darin leben?“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="732308_image" /></div> <BR /> Er schafft es nicht, meine Einschätzung abzuwarten und die Antwort sprudelt aus ihm heraus: „Vermutlich mehr, als es Menschen auf der Erde gibt. Das sind hauptsächlich Bakterien und Pilze, aber auch Einzeller, Würmer, Algen, Krebstiere, Insekten und Spinnentiere. Alleine diese Menge Boden enthält tausende verschiedener Arten.“ In meiner Nase verbreitet sich der angenehme, erdige Geruch, den eben diese Bewohner im Boden produzieren. <BR /><BR />Der Boden ist ein kostbares Gut. Wir Menschen trampeln auf ihm herum. Der Boden ist für uns so selbstverständlich wie die Luft. Er ist Nahrungsgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. Beim Schutz des Wassers, auch im Kampf gegen den Klimawandel, bei der Biodiversität, spielt der Boden eine wichtige Rolle. „Das ist ein Kraftwerk – ein Viertel aller Arten lebt im Boden“, sagt Felderer. Ein gefährdetes Gut, eine begrenzte Ressource ohne die wir nicht leben könnten. Es gilt, sie verantwortungsvoll zu nutzen. <BR /><BR /><b>Wie eine Bodenanalyse funktioniert</b><BR /><BR />Bernd Felderer ist Agronom. Sein Vater Winfried, ein Mikrobiologe, gründete zusammen mit seiner Frau Helga 1976 die Firma Ecorecycling, anfangs ein Labor für Bodenanalysen. Seit etwa 20 Jahren baut die Firma außerdem Anlagen zur Aufbereitung von Prozesswasser – so wird Wasser genannt, das zur Herstellung von Produkten, etwa für die Lebensmittelindustrie, verwendet wird. Der Familienbetrieb Felderer baut Filteranlagen für die Lebensmittelindustrie, zum Waschen von Früchten in Obstmagazinen. „Unsere Filteranlagen stehen auf 6 Kontinenten. Wir sind Marktführer in diesem Bereich“, sagt Bernd Felderer.<BR /><BR />In der Zwischenzeit queren wir gemeinsam die Straße um an einem gelben Gebäude in der Industriezone halt zu machen. Vom Garten aus erkenne ich schon Bodenprofile an den Innenwänden des Gebäudes: eine Art Bild von einem Schnitt durch die Bodenschichten. Gemeinsam betreten wir die Firma. Im Erdgeschoss gibt es eine Werkstatt, im 1.Stock einen großen, hellen Raum: das Labor. <BR /><BR /><embed id="dtext86-52614605_quote" /><BR /><BR />Eine Mitarbeiterin wiegt und siebt Erde, pipettiert Flüssigkeiten und blickt schließlich konzentriert in ein Mikroskop. Andere arbeitende Laborgeräte erzeugen ein gleichmäßiges Brummen im Hintergrund. Bernd Felderer begleitet meine Erkundungstour, indem er mir in groben Zügen erklärt, wie eine Bodenanalyse funktioniert. Zugleich siebt er die soeben mitgebrachte Erdprobe. Den feinen Sand wiegt er, verteilt ihn auf mehrere Becher und gibt verschiedene Flüssigkeiten hinzu. <BR /><BR />„Unsere Kunden sind vor allem Bauern, welche die Bodenfruchtbarkeit verbessern wollen. Es geht um nachhaltige Landwirtschaft. Das wird immer wichtiger“, sagt Felderer. Der Boden bildet nicht nur die Basis der Landwirtschaft. Er entlastet auch die Atmosphäre, indem er Kohlendioxid in Form von Humus im Boden speichert. Zum Vergleich: Ein Obstbauboden speichert ca. 200 Tonnen CO2, während ein Durchschnittseuropäer ca. 7 Tonnen CO2 pro Jahr produziert. <BR /><BR />Zusätzlich ist der Boden ein natürlicher Wasserfilter. „Er spielt die wichtigste Rolle beim Reinigen des Niederschlagswasser.“ Durch die richtige Bodenbearbeitung können die Agrarerträge gesteigert werden. Gleichzeitig, erfahre ich, ließe sich weltweit die Zunahme des Treibhausgases CO2 signifikant reduzieren. Felderer ist überzeugt: „In diesem Bereich geschieht gerade sehr viel. Auch in Südtirol tut sich was. Beim Verstehen sind wir noch am Anfang.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="732311_image" /></div> <BR />Es gehe um Lösungen für den Klimaschutz und die Welternährung. In den vergangenen 40 Jahren seit der Gründung des Familienbetriebes habe ein Bewusstseinswandel stattgefunden, sagt Felderer. Früher habe man geglaubt, mit Kunstdünger ein Wundermittel gefunden zu haben. Heute hat man erkannt, dass es einen lebendigen Boden braucht, um gesunde Pflanzen zu ziehen. <BR /><BR />Felderer will Südtirol nicht heilig reden „aber was die Humusgehalte im Boden betrifft, stehen wir hier jedoch sehr gut da, das hat teilweise auch mit der Begrünung im Obst- und Weinbau zu tun.“ Probleme, die es andernorts gebe, etwa mit der Erosion oder Bodenverdichtung durch schwere Maschinen, spielten bei uns im weltweiten Vergleich zum Glück eine geringere Rolle. <BR /><BR />Inzwischen sind wir ins Erdgeschoss zurückgekehrt. Auf dem Weg dorthin hat mir Bernd die Büros gezeigt und dabei seine Schwester Andrea vorgestellt, die ebenfalls im Familienbetrieb mitarbeitet. Im großen Konferenzsaal gesellt sich Seniorchefin Helga mit einem Kaffee zu uns. <BR /><BR /><b>Wer die Welt rettet</b><BR /><BR />Die unkomplizierte, wertschätzende Atmosphäre in diesem Betrieb gefällt mir. Im Gespräch mit diesen vielseitig interessierten, erfolgreichen Unternehmern kommt mir der Gedanke, dass dieser Menschenschlag ziemlich viel beiträgt zur Verbesserung unserer Lebensverhältnisse. Hans Guck-in-die-Luft, Theoretiker wie ich, wir wollen ja immer gleich die ganze Welt retten - bei der Umsetzung hapert es dann. <BR /><BR />Als ich mich verabschiedet habe und in mein Auto steige, erlebe ich erneut ein Phänomen, das ich von vergangenen Natur-Exkursionen kenne: Einmal habe ich tagelang nur mehr Vögel gesehen. Jetzt ist da der malträtierte Boden. Wo ich hinschaue: Asphalt, Asphalt, Asphalt. Mit dem Boden, denke ich mir nun, ist es wie mit einer naturschönen Frau. Wer sagt eigentlich, dass alterslose Glätte das Schönheitsmaß bildet? Eine Naturschönheit kann in Ruhe abwarten, dass ihre Reize entdeckt werden, sie hat es nicht nötig, sich aufzudonnern. <BR /><BR />Ich nehme mir vor, daheim im Garten einen Komposthaufen anzulegen. Die Einfahrt, die Autostellplätze, auch das Dach: könnte alles begrünt werden, ein kleiner Beitrag zur Bodenverbesserung. Für die Realisierung allerdings bräuchte es dann wieder Leute wie Bernd Felderer. <BR /><BR /><BR />