Samstag, 16. Juli 2016

Was wir über den Anschlag in Nizza wissen – und was nicht

Mindestens 84 Menschen sind in Nizza in Südfrankreich getötet worden, als ein Mann am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Unter den Toten sind mehrere Ausländer.

Am Tag nach dem Anschlag herrscht in Nizza vor allem eines: Trauer.
Am Tag nach dem Anschlag herrscht in Nizza vor allem eines: Trauer. - Foto: © APA/AFP

Viele Fragen sind offen. Ein Überblick:

WAS WIR WISSEN:

  • Gegen 23 Uhr am Donnerstagabend rast ein Mann mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge auf der Flaniermeile Promenade des Anglais. Er kommt etwa zwei Kilometer weit. Die Straße war für Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag gesperrt.
  • Am Steuer des Lastwagens sitzt ein 31 Jahre alter Tunesier, der legal in Nizza lebte, als Lieferant tätig und geschiedener Vater von drei Kindern war.
  • Der Attentäter wird als gewaltbereit, depressiv oder einfach still beschrieben, aber nicht als religiös.
  • Kreise, die dem Islamische Staat (IS) nahestehen, machen die Terrormiliz für den Anschlag verantwortlich und bezeichnen den Attentäter als „Soldaten“ des IS.
  • Hollande spricht vom „terroristischen Charakter“ der Tat, Innenminister Bernard Cazeneuve nennt den Fahrer des Lastwagens einen Terroristen. Premierminister Manuel Valls hält ihn für einen organisierten Islamisten.
  • Die Polizei tötet den Fahrer. Auf Bildern sind Einschusslöcher in der Windschutzscheibe zu sehen, auf Videoaufnahmen Schüsse zu hören.
  • Der Lastwagen hat nach Angaben der Präfektur eine Polizeisperre durchbrochen, die den Zugang zur Strandpromenade abriegelte.
  • Mindestens 84 Menschen kommen ums Leben, auch Kinder. Mehr als 200 werden bei dem Angriff verletzt, über 50 schweben in Lebensgefahr.
  • Unter den Verletzten gibt es viele Kinder. Die Gesundheitsbehörden sprechen von mehr als 50.
  • In dem Lastwagen werden der Führerschein des Fahrers gefunden sowie eine Kreditkarte auf seinen Namen und ein Handy.
  • Es gibt keine Geiselnahme. Entsprechenden Medienberichten widerspricht das französische Innenministerium.
  • Frankreichs Präsident François Hollande will den Ausnahmezustand in Frankreich, der am 26. Juli hätte enden sollen, um drei Monate verlängern. Kabinett und Parlament sollen kommende Woche darüber beraten.

WAS WIR NICHT WISSEN:

  • Bisher ist nichts konkretes über den Hintergrund der Tat bekannt. Präsident Hollande sagte, das ganze Land sei vom islamistischen Terror bedroht.
  • Trotz der IS-Erklärung ist unklar, ob der Täter einen islamistischen Hintergrund hat, ob er psychisch gestört war und nur vom IS vereinnahmt wird.
  • Offen ist auch, ob es sich um einen Einzeltäter handelt. Im Lastwagen war der Mann alleine, über Hintermänner war zunächst nichts bekannt. Hollande sagte, es gebe bisher keine Hinweise auf Komplizen.
  • Auf der Strandpromenade befanden sich zum Zeitpunkt des Feuerwerks rund 30.000 Menschen. Offensichtlich gab es während der Feierlichkeiten keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.
  • Unklar ist das Schicksal von zwei Schülerinnen und einer Lehrerin aus Berlin. Sie waren auf Klassenfahrt und gelten seit dem Anschlag offiziell als vermisst. Meldungen über ihren Tod wurden bisher nicht vom Auswärtigen Amt bestätigt.

apa/dpa

stol